campus-web Bewertung: 5 / 5
   
If trouble comes when you least expect it then maybe the thing to do is to always expect it. (Cormac McCarthy, The Road)

An Naughty Dogs neuestes Spiel The Last of Us wurden schon kurz nach seiner Ankndigung groe Erwartungen gestellt. Es sollte ein Endzeitspiel der anderen Art werden. Und nach der Uncharted-Reihe erwartete man ein hnlich erfolgreiches Spektakel. Anders als Uncharted beeindruckt The Last of Us jedoch nicht mit zahlreichen Actionsequenzen, sondern viel mehr mit der fesselnden Stimmung, die es schafft zu erzeugen. Die Bedrohung ist allgegenwrtig und Unaufmerksamkeit kann man sich in der Welt von The Last of Us nicht erlauben.

Ellie und Joel

Die meiste Zeit verbringt der Spieler allein mit Joel und Ellie, dessen Wege sich eher zufllig kreuzen. Joel ist ein in die Jahre gekommener Sturkopf. Er wirkt beinahe verbittert, was aufgrund seiner erschtternden Vergangenheit verstndlich ist. Er hat die Anfnge der Zombieapokalypse erlebt, er kennt die Welt, wie sie einmal war und er kennt Verlust. Ellie dagegen ist ein aufgeweckter Teenager, der sich von Joels Verdrossenheit nicht beeindrucken lsst. Sie kennt keine andere Welt als eine, die von Zombies und machthaberischen Gruppierungen bevlkert ist. Und so kommt es zu der ein oder anderen amsanten und auch bewegenden Unterhaltung zwischen den beiden Hauptfiguren. Die Beziehung zwischen Joel und Ellie wirkt authentisch und zweifelsohne ist sie einer der Punkte, die dieses Spiel so besonders machen. Joel und Ellie sind weit entfernt vom Bild des typischen Videospielhelden mit bernatrlichen Fhigkeiten und unendlicher Kraft und Ausdauer.

Nur das Ntigste

Alles, was man bei sich trgt, passt in einen kleinen Rucksack. Verbandszeug, Waffen wie Klingen und Bomben mssen aus gesammelten Gegenstnden gebastelt werden. Auch Munition muss eingesammelt werden und ist nicht wie in den meisten Spielen unendlich vorhanden. Die einzige Fhigkeit, ber welche Joel verfgt, ist der Lauschmodus. Dieser ermglicht es ihm, Feinde zu lokalisieren und sich so einen strategischen Vorteil zu verschaffen. Spielt man jedoch auf dem hchsten Schwierigkeitsgrad entfllt diese Fhigkeit. Zudem werden Vorrte und Munition so knapp, dass man tatschlich das Gefhl hat, ums berleben zu kmpfen. Schade eigentlich, dass dieser Schwierigkeitsgrad erst freigespielt werden muss, denn erst mit dieser extremen Knappheit an Vorrten kommt eine wirklich bedrohliche Stimmung auf.

Der Feind

Obgleich die Welt von The Last of Us zunehmend mit Infizierten bevlkert wird, lauert die eigentliche Gefahr woanders. Whrend die Zombies berechenbar sind, sind die menschlichen Gegner in der Lage strategisch zu handeln hinterhltig zu sein, zu lgen, in den Rcken zu fallen. Der Kampf ums berleben bringt die dunkle, machtgierige Seite der Menschen hervor. Vertrauen ist zu einer Seltenheit geworden und Misstrauen zur Regel. Im Zuge der sich ausbreitenden Pilzinfektion, die Menschen in Zombies verwandelt, haben sich verfeindete Gruppierungen gebildet das Militr, die Hunter und die paramilitrischen Firefly. Alle Gruppen verfolgen unterschiedliche Ziele. Whrend die einen ums bloe berleben kmpfen, glauben die anderen noch an eine mgliche Heilung der Infektion. Was den Spielspa bisweilen etwas trbt, ist die unfassbare Dummheit der KI. So kommt es vor, dass ein menschlicher Gegner selbst in unmittelbarer Nhe und im direkten Sichtfeld nicht in der Lage ist, den Spieler als Feind zu erkennen und ignoriert ihn gekonnt. Gelegentlich, in besonders brenzligen Situationen, freut man sich ber dieses Fehlverhalten, aber letztendlich ist es doch eher strend.

Fraktionen

Im Multiplayer hat man dann die Wahl entweder auf der Seite der Firefly oder der Hunter zu spielen. 12 Spielwochen, sprich 84 Matches lang, begleitet man eine der Seiten und ist verantwortlich fr die Versorgung seines Clans. Dies erreicht man, indem man in Deathmatches Bergungsgut einsammelt. Bergungsgut erhlt man durch das Ausschalten von Gegnern, das Heilen von Teammitgliedern, Basteln von Gegenstnden wie Bomben und Nahkampfwaffen und hnliche Aktionen. Von Zeit zu Zeit bekommt man verschiedene Aufgaben, die man innerhalb von drei Matches erfllen muss. Durch das Erfllen dieser Aufgaben ist es mglich den eigenen Clan zu erweitern oder sein Aussterben zu verhindern. Zwar ist Teamarbeit ein wichtiger Bestandteil des Mehrspielermodus, doch am Ende ist jeder selbst fr seinen Clan verantwortlich und so kommt es leider des fteren vor, dass die eigenen Mitspieler einem das Bergungsgut streitig machen oder darauf verzichten einen Mitspieler zu heilen, um einen Gegner auszuschalten.

Fazit

Obwohl The Last of Us keine neue Geschichte erzhlt, bietet es im Bereich der Videospiele doch etwas recht Neues. The Last of Us ist kein sinnloses Zombigemetzel, wie sie zurzeit nur so aus dem Boden schieen, sondern ein Spiel mit Tiefgang, mit Charakter. Wer massenhaft Action sucht und es kaum erwarten kann von einem Gemetzel ins nchste zu strzen, wird an diesem Spiel vermutlich keinen Gefallen finden. The Last of Us ist ein langsames Spiel und dennoch kommt die Spannung nie zu kurz. Nach langen Passagen in dunklen, zombiebevlkerten Abflussrohren, ist man froh und erleichtert, wenn man endlich wieder ans Tageslicht kommt. Ebenso verfolgt einen die stndige Angst, man knne jederzeit einen geliebten Charakter verlieren. Und genau dieses Einsaugen ins Spielgeschehen ist, was The Last of Us besonders macht.

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