campus-web Bewertung: 3.5/5


Da gnnt man sich als Mitglied einer US-Spezialeinheit einen Hubschrauberflug, und prompt wirddieser fulminant im Hindukusch abgeschossen. Im Hindukusch? Richtig, denn Medal of Honor (MoH) versetzt den Spieler mitten in den Afghanistankrieg 2002. Die Szenerie: Ein US-Feldzug in irgendeinem gottverlassenen Gebirgstal. Eure Charaktere: Mitglieder verschiedener Einheiten, die kleinen Trupps erst aufklren und dann dem Feldzug zu Erfolg verhelfen wollen . Doch nicht nur Washington werden im Kriegsverlauf grandiose Fehlentscheidungen getroffen. Auch MoH weist mehr als nur eine Unzulnglichkeit auf, die einen mit ratlosem Kopfschtteln zurcklsst

Die Story

Auch wenn viele Egoshooter manchmal das Storydesign genauso vernachlssigen wie die FDP ihre soziale Verantwortung eine gute Geschichte gehrt zu jedem vernnftigen Spiel dazu. MoH lsst euch einen sechsmonatigen Feldzug hautnah erleben. Ihr entdeckt bei einer Aufklrungsmission, dass sich ein Haufen Taliban in einem Tal verstecken. Im Wechsel zwischen den Charakteren nehmt ihr anschlieend am Feldzug teil, befreit Flugpltze und macht einige Sneak-in Auftrge. Ihr kmpft euch durch ein Wadi zur Rettungszone oder fliegt auch mal einen Apache. Das Ganze wird untermalt von nettenVideosequenzen, die teilweise aber sehr plakativ sind: Der Washingtoner Sesselfurzer, der rcksichtslos GI-Leben gefhrdet, um die Mission so rasch wie mglich erfllt zu sehen.

Zudem kommen in den vier Stunden (!) Spielzeit nicht wirklich Bindungen zu den Protagonisten auf. Rabbit und Deuce bleiben als Hauptcharaktere so fremd wie russischen Oligarchenfrauen guter Geschmack. Das hat man schon mal besser gesehen.

Singleplayergrafik und Performance

An der Grafik gibt es wenig auszusetzen, sie entspricht der Hhe der Zeit. Pftzen spiegeln schn, Sandwolken verdiesen die Luft in der Wadi-Mission authentisch. Es gibt fulminate Blicke auf Bergketten und Schluchten. Auf unserem Testrechner (Intel Core2 Duo, 2,3 Ghz, 4 GB Ram, Ati Raden 4650) lief die Mission in hoher Auflsung und mit allen Details ruckelfrei. Zum Einsatz im Singleplayermodus kommt eine stark aufpolierte Unreal-3 Engine.

Leveldesign und Spielgefhl

Was wirklich den gesamten Eindruck vermiest, ist nicht etwa die mig spannende Geschichte. Viel schlimmer wirken die stndigen Levelbeschrnkungen: Unsichtbare Wnde und der Verlust jeglicher Initiative. Man ist ein guter Soldat und befolgt Befehle, und zwar keinen Meter links oder rechts vom vorgegebenen Kurs. Und dieser ist zum Teil so schmal, dass man aus der Haut fahren mchte. Natrlich strzt sich ein guter Soldat nicht mit einem Quad in eine Schlucht. Versucht man es dennoch, stt man gegen eine unsichtbare Mauer und prallt physikalisch wenig korrekt davon ab. Lcherlich!

Auch strt der obszn niedrige Schwierigkeitsgrad. Herausfordernd war das Spiel nur, wenn man Initiative ergriff und etwa vorauseilte was dank der fehlenden Mglichkeiten schon schwer genug war. Falls die Gegner-KI der Realitt entspricht, fragt man sich, warum der Krieg noch immer nicht gewonnen ist. Statt zu schieen, flchten Taliban lieber in eine neue Deckung und kehren dem Spieler dabei noch den Rcken zu. Bei Kmpfen im Dunkeln schieen die KI-Gegner zielsicher nicht Richtung aufblitzendes Mndungsfeuer. Deckung suchen sie in diesem Fall schon gar nicht.

Die gesamte Kampagne ist wie ein Film voller Quicktime-Events. Man kommt sich gelegentlich fast wie in einem Rail-Shooter vor. Meter genau muss man sich positionieren, um das Fernglas ergreifen zu drfen und einen Luftschlag herbeizurufen. Natrlich muss nicht jeder Shooter heute eine groe Welt wie Crysis haben. Aber ein bisschen mehr Freiheit wre schon wnschenswert gewesen.

Am unterdurchschnittlichsten war sicherlich die Apache-Mission. Als Bordschtze des Kampfhelis lasst ihr das Maschinengewehr rattern, drckt im richtigen Moment Abschuss fr eine Hellfire und haut daneben noch andere Raketen im Zehnerpack hinterher. Versagen kann hier nur,wer einen Hllenfeuergru auf die Gegner vergisst. Feuer frei! Und keine Angst, der zweite Helikopter auf unserer Seite ist immun gegen euer friendly fire. So kann man sich zwischendurch noch Zeit zum Essen nehmen, denn eine Hand reicht zur Erfllung der Mission vllig.

Zudem wirken viele kameradschaftliche Momente geknstelt. Als Mitglieder einer Spezialeinheit kann man selbst keine Mauer berwinden. Soll man es dann doch, so ist man stets auf die Hilfe seiner Kompagnons angewiesen. Diese hingegen berwinden problemlos ohne weitere Hilfe Hindernisse.

Aber es gibt auch spannende Missionen: Wstensand schlgt ins Gesicht. Nach einer Notlandung muss man sich und sein Team durch ein Wadi bringen. berall lauern Taliban, die Sichtweite ist beschrnkt. Hinterhalte knnten berall mglich sein. Hier strt auch die Levelbeschrnkung nur mig. Und am Ende verteidigt man bravurs eine einsame Berghtte gegen gefhlte tausend Taliban, die nach und nach unsere Behausung in Einzelteile zerlegen. Bis endlich im letzten Moment die Kavallerie kommt.

Allerdings fehlen diese einprgende Momente, die etwa noch Medal of Honor - Allied Assault hatte. Missionen, wo man unter deutschem Trommelfeuer einen Strand erstrmt und quasi im Alleingang die gesamten deutschen MG-Nester und Scharfschtzen ausnehmen muss. Auch bei Tier1 gibt es eine solche Szene. Hier whlt man aber den offenen und schlechtbewachten Schleichweg. Alles andere htte ja zu schwer werden knnen.

Zudem stren die quasi unbeschrnkten Munitionsvorrte. Kameraden helfen einem gerne aus. Wird man getroffen, geht man kurz in Deckung, bis der Bildschirm wieder normal ist.

Tier 1 Mode

Im Tier 1 Mode kann man die gesamte mig spannende Kampagne erneut erleben. Warum? Fr einige Orden, und um seine Leistung mit der anderer Menschen zu vergleichen. Der Tier1 Modus ist etwas fordernder, so hat man etwa nicht mehr unbeschrnkt Munition. Ihr msst unter einer gewissen Levelzeit bleiben. Kopfschsse, Messer-Kills u.a. halten den Timer aber an. Bricht allerdings kurzzeitig der Kontakt zu den EA-Servern ab, wird man aus der Mission geschmissen. rgerlich!

Der Multiplayer soll es richten

Vermag der Singleplayer nicht wirklich zu berzeugen, so gilt seit neuesten die Devise: Der Multiplayer solls richten. Und verwundert reibt man sich die Augen: Wie ist hier alles schick geworden. Im Multiplayer kommt die Frostbite-Grafikengine (1.5) zum Tragen. Krftig wurde an den Details geschraubt. Die Sonne glitzert mehr, spiegelt sich auf Kisten, zugleich berzeugt das Flirren der Luft, die mit Partikeln nur so gefllt zu sein scheint. Alles sieht noch einen Tacken besser aus.

Klassen und Suchtpotential

Ihr entscheidet euch beiderseits fr drei Klassen: Schtze, Spec-Ops und Sniper. Tatschlich versteckt sich hier ein riesiges Suchtpotential: Eliminiert ihr Gegner, erhaltet ihr in eurer Klasse Punkte. Habt ihr genug Punkte gemacht, steigt ihr auf und erhaltet eine Belohnung: Bessere Waffen, ein neues Zielfernrohr, bessere Munition. Das Aufstiegssystem, so simple es auch ist, regt zum Weiterspielen an. Topp!

Spielmodi

Man muss das Rad ja nicht immer neu erfinden: Als Spielmodi stehen zur Verfgung Kampfeinsatz, Zielraid, Sektorenkontrolle, Sturmlauf und Suberung. Am forderndsten gestaltet sich der Modus Kampfseinsatz. Ein Team muss sich vorwrts kmpfen und insgesamt 5 Ziele hintereinander einnehmen, das andere verteidigt. Hier ist wirklich Team Play gefragt. Besonders amsant gestaltete sich der Ziel-Raid. Zwei Ziele mssen auf einer Karte durch die Taliban auer Gefecht gesetzt werden. Die Alliierten wollen dies natrlich zu verhindern wissen. Insgesamt ist dies ein spaiger Spielmodus. Passt man kurz nicht auf, ist das Spiel schon verloren.
Brandneu hinzugekommen ist der Modus Suberung, eine Art Last-Team-Standing. Gespawnt wird nur zu Beginn einer Runde, diese endet, wenn das gegnerische Team ausgeschaltet ist. Als Klassiker gibt es den Sturmlauf, ein Team-Deathmatch, bei dem ihr ttet Gegner und so Punkte fr das Team sammelt. Und natrlich die Sektorenkontrolle, bei der ihr bestimmte Gebiete einer Karte erobern und halten msst.

Leveldesign und Spielgefhl

An den insgesamt 8 Karten (davon 3 fr Kampfeinsatz) gibt es wenig auszusetzen. Der abwechslungsreiche Schauplatz Afghanistans ist tatschlich ein Augenschmaus.

Fazit

Alles in allem ein guter Shooter fr Zwischendurch. Zwar ist der Singleplayer wegen seiner kurzen und gelegentlich auch drgen Kampagne wenig erregend. Ein bisschen mehr von allem wre wnschenswert gewesen. Der Multiplayer mit seinem Klassen- und Aufstiegssystem reit aber noch mal vieles wieder raus. Zudem ist das Setting, der Afghanistankrieg, erfrischend neu und unverbraucht. Gegen Battlefield Bad Company 2 und Call of Duty Modern Warfare 2 wird es Medal of Honor aber schwer haben.

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