Viele mgen ihn heute nicht mehr kennen, aber Vincent Price zhlte zu den ganz Groen im Filmgeschft. Er drehte zwar nicht unbedingt die oscarreifsten aller Filme, machte sich in einem speziellen Filmgenre dafr aber mehr als verdient. It's as much fun to scare as to be scared. (Vincent Price) In diesem Sinne wollen wir, anlsslich seines 100. Geburtstages, einen Blick auf diejenigen Filme werfen, die Vincent Price zur unsterblichen Legende machten - die Horrorfilme des Vincent Price...

Professor Bondi und die Fliege

Anfang der 50er Jahre hatte Vincent Price bereits dutzende Filme gedreht, ohne sich dabei auf ein Genre festgelegt zu haben. Er war in den beiden vorherigen Jahrzehnten zwar schon in ein paar Gruselfilmen aufgetreten, sein Aufstieg zur Ikone eines ganzen Genres dem Horrorfilm begann allerdings erst so richtig mit dem Streifen Das Kabinett des Professor Bondi (House of Wax, USA 1953). Price spielte darin den Professor Henry Jarrod, der ein Wachsfigurenkabinett unterhlt, dessen Attraktionen sich im Laufe der Handlung als echte Leichen mit Wachsberzug herausstellen. Der Film, der zu seiner Zeit schon recht harter Tobak fr das damalige Publikum war, wurde ein Riesenerfolg. Im Jahr 2005 erschien ein Remake (House of Wax, USA) mit Paris Hilton in einer der Hauptrollen.

Seinen nchsten groen Wurf im Horrorgenre landete Vincent Price mit dem Film Die Fliege (The Fly, USA 1958), der ebenfalls spter neuverfilmt werden sollte (The Fly, USA 1986). Er war auch in der Fortsetzung Die Rckkehr der Fliege (Return of the Fly, USA 1959) zu sehen. Nachdem er fr William Castle, den Erfinder des Gimmick-Horrorkinos, in Das Haus auf dem Geisterhgel (House on Haunted Hill, USA 1959) - von dem es natrlich ein Remake gibt - vor der Kamera gestanden hatte, begann Vincent Price 1960 die Zusammenarbeit mit Roger Corman, aus der etliche Klassiker des modernen Horrorfilms hervorgehen sollten.

Poe, Corman und Price

Roger Corman hatte sich in den 50ern als Produzent und Regisseur von B-Movies, meist Monsterstreifen, etabliert und fand in Price den idealen Hauptdarsteller fr die Edgar Allan Poe-Adaption Die Verfluchten (The Fall of the House of Usher, USA 1960). Da der Film recht erfolgreich war und Corman und Price anscheinend sehr gut miteinander harmonierten, drehten die beiden in den folgenden vier Jahren weitere gemeinsame Filme, die alle (wenn auch teils sehr vage) auf Poes Werken basierten: Das Pendel des Todes (The Pit and the Pendulum, USA 1961), Der Grauenvolle Mr.X (Tales of Terror, USA 1962), Der Rabe (The Raven, USA 1962), Die Folterkammer des Hexenjgers (The Haunted Palace, USA 1963) und Satanas Das Schlo der blutigen Bestie (The Masque of the Red Death, USA 1964). Als Vincent Price 1964 die Zusammenarbeit mit Roger Corman beendete, war er lngst ein Kult-Darsteller. Der Thron von Christopher Lee, der Bela Lugosi und Boris Karloff lngst vom Genre-Chefsessel verdrngt hatte, geriet allmhlich ins Wanken.

Price fhlte sich in seiner neuen Rolle als Horror-Mime offensichtlich wohl und so lie der nchste Klassiker nicht lange auf sich warten. The Last Man on Earth (L Ultimo uomo della Terra, Italien/USA 1964) basierte auf dem Roman des Science Fiction-Autors Richard Matheson und wurde bis heute sogar dreimal neuverfilmt, wobei weder Charlton Heston (The Omega-Man, USA 1971) noch Will Smith (I am Legend, USA 2007) dem charismatischen Vincent Price in der Rolle des letzten Mannes auf Erden das Wasser reichen konnten.

Brenn, Hexe! Brenn!

Zwischen 1966 und 1968 war Vincent Price unter anderem als Bsewicht in der TV-Serie Batman (USA 1966 - 1968) zu sehen, dann kehrte er in der wahrscheinlich fiesesten Rolle seiner Karriere zurck, als Der Hexenjger (The Witchfinder General, GB 1968). In dem horriblen Historien-Film des Regisseurs Michael Reeves, der ein Jahr spter einen tragischen Drogentod starb, spielte Price den namensgebenden Hexenjger Matthew Hopkins mit einer derartig sadistischen Intensitt, dass seine Darstellung auch ber 40 Jahre nach Entstehung des Films noch vollends zu fesseln vermag.

Der weltweite Erfolg des Films begrndete das Horrorfilm-Subgenre Witchploitation (oder Hexploitation) und zog mehrere Nachahmungen nach sich, darunter auch der deutsche Erfolgsfilm Hexen bis aufs Blut geqult (Deutschland 1970) und dessen Nachfolger Hexen Geschndet und zu Tode geqult (Deutschland 1973). Obwohl Der Hexenjger bei weitem nicht so blutig und zeigefreudig ist wie seine etlichen (Billig-)Kopien und durchaus auch zum reflektierten Denken anregt, ist dieser Klassiker des europischen Kinos in Deutschland leider bislang nur zensiert erhltlich.

Splatter und Tod

Anfang der 70er Jahre befand sich das Horrorfilm-Genre im Umbruch. Seit George A. Romero den Splatterfilm mit seinem Zombiestreifen Die Nacht der lebenden Toten (The Night of the Living Dead, USA 1968) salonfhig gemacht hatte, lechzte das Publikum nach immer mehr Blut auf der Leinwand. Der Trend ging auch an Vincent Price nicht ganz vorbei. In den beiden Dr. Phibes-Filme, Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes ( The Abominable Dr. Phibes, GB/USA 1971) und Die Rckkehr des Dr. Phibes (Dr. Phibes rises again, GB 1972), gab es folglich einige recht blutige Gore-Szenen zu sehen, wobei auch der britische Humor nicht zu kurz kam. In Theater des Grauens (Theatre of Blood, GB 1973) wiederholte Vincent Price die Erfolgsformel von Dr. Phibes skuriler Humor gepaart mit Splatter und war wiedermal erfolgreich. Theater des Grauens gilt heute als Favorit vieler Price-Fans.

Ab Mitte der 70er wurde es ruhiger um den mittlerweile ber 60 Jahre alten Horror-Schauspieler, der vermehrt im Theater und in TV-Serien auftrat. 1982 konnte der Vincent Price-Fan Tim Burton sein Idol als Erzhler fr den Price gewidmeten Animationsfilm Vincent gewinnen, im gleichen Jahr engagierte ihn der King of Pop - Michael Jackson - als Sprecher fr seinen Song Thriller.

In Horrorfilmen trat er nur noch gelegentlich auf, so zum Beispiel in Das Haus der langen Schatten (The House of the long Shadows, GB 1983), Die Nacht der Schreie (The Offspring, USA 1987) oder Dead Heat (Dead Heat, USA 1988). Seinen letzten groen Auftritt verschaffte ihm der bereits erwhnte Tim Burton, der Price eine Gastrolle in seinem Blockbuster-Drama Edward mit den Scherenhnden (Edward Scissorhands, USA 1990) gab. Seinen letzten Film drehte er 1992 an der Seite von Dennis Hopper, Heart of Justice (USA), am 25. Oktober 1993 starb Vincent Price im Alter von 82 Jahren an Lungenkrebs.


In seiner rund 50 Jahre langen Laufbahn als Schauspieler drehte Vincent Price rund 100 Filme darunter mindestens 15 definitive Klassiker des Horrorgenres. Eine der grten Horrorikonen aller Zeiten wenn nicht DIE Ikone des Genres wre am 27. Mai 100 Jahre alt geworden. Wenn das kein guter Anlass ist, Vincent Price zu gedenken und sich mal wieder ordentlich von einem seiner oben genannten Klassiker gruseln zu lassen!


Weitere Informationen zu Vincent Price, darunter dessen Filmographie, findet ihr auf der Website der Online-Filmdatenbank (ofdb).

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