Manchmal ist es eben so – man hat Sorgen und keiner ist da, mit dem man sie teilen könnte. Wenn es zu peinlich ist einen Nahestehenden auf ein Problem anzusprechen, oder man einfach nicht weiß wohin mit sich, hat man nun seit dem ersten Dezember die Möglichkeit die Kölner Nightline anzurufen, wo man einen wertungsfreien Zuhörer findet. Campus-Web sprach mit dem Pressesprecher Andreas S. (Name von der Redaktion abgeändert) über das Konzept des neuen Sorgentelefons.

cw: Wie kam es zu der Gründung von Nightline?

Andreas: Das Konzept an sich kommt aus Großbritannien und ist dort auch sehr stark an den Universitäten verbreitet. Hier in Köln ist es durch drei Kommilitoninen entstanden, die sich bei einem Projekt Management Kurs kennen gelernt hatten. Dort sollten sie so ein Projekt mal theoretisch durchplanen, mit Organisationsansätzen, Finanzierungsplan und so weiter. Am Ende des Kurses fanden sie die ganze Idee zu schön, um es bei der Theorie zu belassen. Durch ihre Initiative ist das Ganze dann auch entstanden.

cw: Wie groß ist euer Team?

Andreas: Wir sind jetzt dreißig, von denen sechzehn im Telefondienst ausgebildet sind. Ich selber habe diese Ausbildung ebenfalls gemacht. Man muss ja wissen wofür man wirbt. Allerdings führe ich selbst keine Telefonate durch.

cw: Woraus besteht diese Ausbildng?

Andreas: Wir hatten zunächst einen Ausbilder von der Telefon Seelesorge, der mit ca. 6000 durchgeführten Gesprächen sehr Praxis erfahren ist. Von ihm haben wir die grundlegendsten Dinge des Seelesorgentelefonierens beigebracht bekommen, wobei wir eigentlich nicht seelesorgerisch tätig sind, sondern unseren Anrufern einen Raum zum Ausreden bieten möchten. Konfessionell sind wir völlig ungebunden. Ansonsten sind wir in der non direktiven Gesprächsführung nach Carl Rogers geschult.

cw: Was genau bedeutet das?

Andreas: Wir machen den Anrufern keine Vor- oder Ratschläge, sondern fragen einfach nach, gerade nach ihren Emotionen. Dabei löst sich oft viel. Zugleich spiegeln wir auch ihre eigenen Aussagen, fassen sie zusammen und versuchen sie prägnant zu formulieren. Dadurch erreicht der Anrufer oft einen gewissen Überblick, ein amorphes Problem wird greifbar und der Mensch kann sich seit weiteres Vorgehen besser überlegen.

cw: Gibt es bestimmte Schwerpunkte bei den Problemen der Anrufenden?

Andreas: Unsere Zielgruppe sind natürlich Studierende aus ganz Köln und ihre Probleme kann man in dem studentischen Bereich ansiedeln. Die Bandbreite geht von Prüfungsstress oder Prüfungsangst, dem Zweifel über das richtige Thema der Magisterarbeit aber natürlich auch Beziehungsprobleme, Liebeskummer, Zukunftsängste.

cw: Wie stark wurde euer Angebot bisher beansprucht?

Andreas: Zu Beginn hatten wir durchschnittlich einen Anruf pro Schicht gehabt, mittlerweile geht das bis ungefähr vier hoch.

cw: Gab es schon Anrufe, bei denen ihr gemerkt habt, dass sie eure Kompetenz übersteigen?

Andreas: Bis jetzt noch nicht, allerdings haben wir dafür gewisse Verhaltensregeln. Wenn wir merken, dass ein Problem sehr akut oder zu groß ist, verweisen wir auf die entsprechenden Stellen, die gezieltere Hilfe anbieten können. Wir sind eben ganz normale Studierende, arbeiten ehrenamtlich und sind für Dinge wie Suizid oder Vergewaltigung gar nicht genug ausgebildet. Dafür haben wir dann die Ansprechstellen zusammengestellt.

cw: Begleitet die Arbeit die Mitarbeiter auch privat?

Andreas: Bisher noch nicht, nein. Wir reden natürlich immer darüber, aber bisher hatten wir das Gefühl, dass wir ganz gut aus den Gesprächen herausgegangen sind, was natürlich für beide Seiten sehr schön ist.

cw: Gibt es konkrete Pläne für die Zukunft?

Andreas: Natürlich. Wir wollen auf jedem Fall wachsen. Bisher sind wir nur zwei Mal in der Woche erreichbar, was natürlich sehr wenig ist. Krisen treten nicht Dienstags oder Freitag Abends auf, und dazwischen ist Ruhe. Wir arbeiten verstärkt darauf hin, dass wir unser Angebot auf Montag bis Freitag ausweiten können. Außerdem wollen wir auch in der Vorlesungsfreien Zeit erreichbar sein.

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