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Zwei Treppen führen im Hauptgebäude der Kölner Uni in das oberste Stockwerk. Die eine ist mit "Musikwissenschaftliches Institut", die andere mit "Musiksaal" beschildert. Ab und zu sieht man (meist langhaarige) Menschen diese Stufen hoch steigen, doch was genau sie dort tun, wissen Außenstehende nur selten. Wer glaubt, die Musikwissenschaftsstudenten sitzen miteinander im Kreis und spielen Geigen und Gitarren, der befindet sich auf dem Holzweg. Tatsache ist, dass das Musikwissenschaftsstudium kaum praktische Elemente einschließt; im Klartext heißt dies also, dass keine Instrumente gespielt werden. Dies bedeutet natürlich nicht, dass die "MuWis" selbst nicht spielen können. Ganz im Gegenteil - es findet sich kaum ein Kommilitone, der nicht in irgendeinem Orchester, Chor oder Band spielt. Dieser Tatsache verdankt man auch die Fülle an interessanten Menschen, die man durch das Studium kennen lernen kann. Manche sind "nur" musikinteressiert, andere rocken dagegen bereits so kräftig ab, dass einem die Kinnlade runter klappt. Bedingt durch die sehr überschaubare Größe des Instituts, kommt man sich recht schnell nahe. Allgemein lässt sich sagen, dass der Zusammenhalt der MuWis besonders groß ist. Im Sommer sieht man sie auf den Uniwiesen mit Gitarren, Bier und Hacky Sack abhängen, im Winter tummeln sie sich vor dem Eingang des Hauptgebäudes. Eine private Note im Studium, welche man in einem Mammutfach wie zum Beispiel Germanistik kaum vorfinden würde. Auch die Dozenten lernt man schnell kennen und manchmal sogar lieben (manchmal aber auch fürchten). Hier wird auch die ganze Palette Klischees geboten, die vom Verrückten Professor, über den todlangweiligen Klassikfixierten bis hin zum freundlichen Kumpeltyp (den man bereits nach der zweiten Sitzung duzt), reicht. Doch was unterrichten diese Menschen nun? Die einfachste Antwort wäre: „Alles, was auch nur irgendwie mit Musik zu tun hat.“ Im Vordergrund steht die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit allen musikalischen Phänomenen, die in unserer Welt vorkommen. Ein Teilbereich des Studiums ist die Musikethnologie. Hier wird gelehrt, wie man an die Musik fremder Völker herantritt und diese ohne eigene Wertung zu verstehen versucht. Bei solchen Seminaren lauscht man schon mal alten Schallplattenaufnahmen von den Gesängen der Apache Indianer oder schaut sich Filme an, in denen Forscher sich durch Dschungel kämpfen, um die Musik der Eingeborenen zu studieren. Deutlich klassischer ist da schon der zweisemestrige Crash Course in Musiktheorie. Dieses Seminar würde auch am meisten dem stereotypischen Bild eines Musikstudenten entsprechen. Dort sitzt man grübelnd über Notenblätter gebeugt und rätselt darüber, in welchem Modus das uralte Musikstück denn nun steht. Spätestens hier schmeißen viele das Handtuch und entscheiden, dass die Musikwissenschaft doch nichts für sie ist. Wer es gerne naturwissenschaftlicher mag, fühlt sich in der Musiksystematik sofort pudelwohl. Hier werden Schallschwingungen berechnet, Lautstärken gemessen, Musikcomputer programmiert und viel gerechnet. Mathematik und Physik haben in diesem Teilbereich das Sagen, doch kann das Ganze auch für die ewigen Mathenieten durchaus interessant sein, da man vieles über die Funktion des Ohres oder über den Klang allgemein lernt. Noch spannender wird es bei „Cognitive Neuroscience of Music“. Hinter diesem eher abschreckenden Namen verbirgt sich nichts anderes, als musikbezogene Gehirnforschung. Wer schon immer wissen wollte, wie das Hören funktioniert, oder wieso einem beim Schlafen nie Insekten ins Ohr krabbeln, der wird hier sicherlich glücklich werden. Last but not least bildet die Musikgeschichte einen Grundpfeiler des Studiums. Klar- wer gerne damit angibt Mozart zu hören, sollte wenigstens mal gehört haben was der Mann in seinem Leben so getrieben hat. Amadeus schauen reicht da nicht. Also, wenn ihr das nächste mal eine von diesen komischen Personen die Treppen zum Musikwissenschaftlichen Institut hoch hecheln seht, könnt ihr wissend lächeln, denn die MuWis laufen nur, wenn Musiktheorie ansteht. Und mal ganz ehrlich – wer mag schon Theorie?
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