Man hatte damit gerechnet, dass der Andrang groß werden würde. Weit gefehlt. Man bekam es mit einem regelrechten Hype zu tun. Zu Tausenden pilgerten sie am 6. und 7. Juni 2011 in die Universität. Studenten, Dozenten und viele andere Interessierte. Alle wollten ihn sehen: Noam Chomsky, den weltbekannten Linguisten, der sich auch durch sein politisches Engagement einen Namen gemacht hat.

Der Star von nebenan

Chomskys saloppes Auftreten in Jeanshemd und Hose bei der Pressekonferenz am Montagnachmittag erweckt nicht gerade den Eindruck, dass man es mit einem der bedeutendsten Intellektuellen unserer Zeit zu tun hat. Lässig und mit einem ungezwungenen Lächeln auf den Lippen sitzt er da und lässt die Vorrede von Andreas Speer über sich ergehen. Chomsky ehrt die Universität zu Köln mit seinem Besuch, da er zum Albertus-Magnus-Professor 2011 ernannt wurde. Dieser Titel wird nun bereits zum siebten Mal verliehen und hat eine gemeinnützige Funktion. Seit 2005 hält zu diesem Zwecke jedes Jahr ein Intellektueller von Rang und Namen Vorlesungen und Seminare, die öffentlich für jeden zugänglich sind. Das ist ganz im ursprünglichen Sinne der Universität, die nicht etwa für den Klerus oder Obrigkeiten ins Leben gerufen wurde, sondern für das Volk.

Auf die Fragen der Journalisten antwortet Chomsky mit sehr leiser Stimme. Er ist zunächst kaum hörbar in dem nicht allzu großen Raum – ein Mikrofon muss her. Auch das hätte man vom Mann der großen Worte nicht erwartet. Aber man sollte auch nicht unerwähnt lassen, dass er bereits 82 Jahre alt ist. Chomskys Antworten sind zwar nicht besonders laut, aber dafür sehr ausführlich. Es geht um die Inhalte seiner Vorlesungen und dabei vor allem um politische Themen. Seine Meinung ist gefragt, und das auf allen Ebenen. Griechenland, Spanien, Ägypten, Lybien, Chomsky scheint über die ganze Welt Bescheid zu wissen und ist damit zum Rundumschlag gewappnet. Gerade die USA, seine Heimat, steht im Mittelpunkt seiner Kritik. Durch seine geschickten Argumentationen kommt spätestens jetzt sein immenses Wissen zum Vorschein. Er ist doch ein ganz Großer. Aber das ist erst der Anfang.

Ein intellektuelles Großevent

Obwohl die Vorlesung über die Besonderheit der Sprache erst um 19:30 Uhr beginnen soll, sind schon um 18 Uhr alle 1150 Plätze der Aula besetzt. Die Veranstalter versuchen den stets weiter wachsenden Andrang in den größten Hörsaal umzuleiten, wo es eine Live-Übertragung gibt. Zusätzlich kann man die Vorlesung auch im Internet verfolgen. Doch auch da gibt es nur 1000 Plätze. Die Aula platzt aus allen Nähten. Links und rechts stehen noch zahlreiche Zuhörer, die das Sicherheitspersonal nicht zum Gehen hat überreden können. Als es endlich losgeht, wird Noam Chomsky mit frenetischem Applaus begrüß. Viele Jubeln und machen Fotos von ihm. Ein Star unter den Intellektuellen.

Die Vorlesung beinhaltet viel Kritik an den Forschungsmethoden in der heutigen Linguistik. Chomsky selbst lehrt seit 50 Jahren als Professor für Linguistik am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT). Vor allem mit seinem Konzept der generativen Transformationsgrammatik trug er maßgeblich zur Entwicklung der sprachwissenschaftlichen Forschung bei. Nach seinem Vortrag herrscht teils Begeisterung, teils aber auch Verwirrung. Nicht-Linguisten dürften kaum mitgekommen sein, denn Chomsky zieht viele linguistische Begriffe und Abkürzungen heran. Aber immerhin hat man ihn einmal gesehen. Den Mann, der in den Hausarbeiten der verschiedensten Fächer oft zitiert wurde. Denn der Herr ist vielseitig.

Den zweiten Teil des Berichts findet ihr ***hier***

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