Elf Studenten des ersten Semesters im Fachbereich Angewandte Naturwissenschaften an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg durften nun einen Blick hinter die Kulissen werfen. Gemeinsam mit dem Dekan des Fachbereichs, Professor Ulrich Essmann, ihrem Professor Gerd Knupp und der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Dagmar Schütten verbrachten sie Anfang des Jahres eine Woche an der School of Pharmacy and Life Sciences, einer Abteilung der Partnerhochschule Robert-Gordon University (RGU) im schottischen Aberdeen. Dort bietet man schon seit mehreren Jahren den Studiengang "Forensic Sciences" an.
Die angehenden Ermittler konnten hier erstmals praktische Erfahrungen auf dem Gebiet der forensischen Untersuchung sammeln. Auf dem Stundenplan der ersten drei Tage standen das Erlernen kriminaltechnische Methoden. "Obwohl heute vieles digital bearbeitet wird, lernten wir hier das Grundhandwerk der forensischen Arbeit: das gründliche Untersuchen eines Tatorts, das Dokumentieren von Spuren, die Sicherstellung wichtiger Fingerabdrücke mittels Puder und Klebestreifen, das Anfertigen einer Tatortskizzen oder das Gießen von Fußbdrücken", berichtet David Dietrich, einer der beteiligten Studenten. Um den Studenten das Wissen so anschaulich wie möglich zu vermitteln, erprobten diese das zuvor Erlernte zum Abschluss an einer gestellten Kriminalszene. Dabei ermittelten die Studenten, so Dietrich, in einem Drogenfall, bei dem es ihre Aufgabe war, an einem präparierten Tatort Beweise wie etwa das Rauschgift oder auch das dazugehörige Geld zu finden, zu markieren und zu dokumentieren.
Neben diesen wichtigen Erfahrungen veränderte sich für David Dietrich nach dieser Exkursion auch seine Sicht auf die forensischen Krimiserien. Während er vorher noch Begeisterung für dieses neue, spannende Genre aufbringen konnte, sieht er nun, nachdem er in Schottland den wahren Alltag eines Forensikers erlebt hat, die Arbeit der TV-Ermittler mit anderen Augen. "Viele Dinge, die man als Tatortermittler zu erledigen hat, werden einfach nicht gezeigt, wahrscheinlich weil die oft sehr bürokratische Arbeit, wie das exakte Dokumentieren von Beweisen, nicht interessant genug für den Zuschauer wäre", so Dietrich. Außerdem wäre es niemals, möglich einen Tatort so wie im Fernsehen zu betreten, perfekt gestylt, in Alltagskleidung oder in High Heels. Selbst bei den Ermittlungsübungen in Aberdeen mussten die Studenten stets Schuhschoner, Mundschutz und einen Schutzanzug tragen.
Letztendlich stellten die Erlebnisse in Schottland sicherlich für alle beteiligten Studenten ein Highlight in ihrem Studentenleben dar. Doch nicht nur die Studenten profitieren von dieser Exkursion und dem guten Beziehungen zwischen der FH Bonn-Rhein-Sieg und den schottischen Kollegen aus Aberdeen. Der Fachbereich für Angewandte Naturwissenschaften kooperiert bereits in verschiedenen Fachgebieten wie Biologie, Chemie oder Materialwissenschaften erfolgreich mit der School of Pharmacy and Life Sciences. Nun möchte man dieses gute Verhältnis auch beim Aufbau des Bachelor-Studienganges "Naturwissenschaftliche Forensik" nutzen. Dieses neue englisch-deutsche Fach will die FH ab dem Wintersemester 2008/2009 erstmals in Rheinbach anbieten. Bei so viel gebündelter Kompetenz müssen sich die Verbrecher dieser Welt in Zukunft wohl warm anziehen.
















