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Es ist eine der größten barocken Schlossanlagen in Deutschland. Einst Residenzschloss der Erzbischöfe zu Köln, steht es seit 200 Jahren im Dienste der Wissenschaft, und gehört mit seinen vier charakteristischen Haubentürmen zu den Fixpunkten des Landschaftsbildes: „Das kurfürstliche Schloss in Bonn“. So hat der Herausgeber, Prof. Georg Satzinger, sie genannt, die knapp 200 Seiten starke, erste umfassende Darstellung der barocken Schlossanlage. Wenn sie im Oktober erscheint, blickt der Bonner Kunsthistoriker auf jahrelange intensive Forschungsarbeit zurück. Die Ergebnisse aus drei Projektseminaren mit fortgeschrittenen Studierenden sind in Form wissenschaftlicher Aufsätze in die Publikation eingeflossen. Mehrere Magisterarbeiten und ein Dissertationsprojekt sind daraus entstanden und zeugen von der nachhaltigen Begeisterung der Nachwuchswissenschaftler, die sich weder von der Fülle des bereits existierenden Materials noch von den komplizierten Recherchen abschrecken ließen. Immerhin reichen die ersten Dokumente über das damalige Bonner Schloss bis ins 16. Jahrhundert zurück. Besonders eindrucksvoll ist das mit annähernd 140 Zeichnungen, Kupferstichen, Gebäudeplänen, Karten und Fotos überaus reiche Bildmaterial. Ein mühevolles Puzzlespiel, wie sich Satzinger erinnert: Das verstreute Material musste aus halb Europa zusammen getragen werden und sollte schließlich auch in modernster Qualität zur Verfügung stehen. Denn gerade mit der Fülle an Bildmaterial wollen Satzinger und seine Studenten ein möglichst breites Lesepublikum ansprechen. Schließlich, so der Professor, sei das Gebäude eines der schönsten und bekanntesten in Bonn, dessen wechselvolle Geschichte viele Menschen fasziniere. Und so vermitteln die Beiträge der Studenten chronologische Einblicke in vierhundert Jahre Bau- und Ausstattungsgeschichte, machen die vielen Epochen, Stile und Einflüsse anschaulich und transparent. Besonderes interessant sind die Beiträge zur „Kurfürsten- Zeit“: Die Kölner Erzbischöfe aus dem Hause Wittelsbach formten aus dem ursprünglich recht kleinen Schloss ein barockes Prunkstück nach den internationalen Maßstäben des Münchner Hofes. Einschließlich mehrerer Kapellen, eine von ihnen mit privatem Zwischengeschoß eigens für den Kurfürsten - auf Augenhöhe mit dem Allerheiligsten. Vielleicht ein kleiner Trost dafür, dass auf die geplante Orangerie wie auf so manchen anderen Luxus, wie einen imposanten Kanal Richtung Poppelsdorfer Schloss, verzichtet werden musste. Den Erzbischöfen fehlte es im Bonner Exil schlichtweg an Geld. Immerhin verfügte der geistliche Herr über einen großzügigen Privatflügel samt eigenem Lustgarten, in dem sich heute ein Teil des kunsthistorischen Seminars befindet. Prof. Satzingers Arbeitszimmer liegt in einem der ehemaligen Ruhe- und Gebetsräume des Erzbischofs, gleich neben einer der damaligen Kapellen, deren eine übrigens dem heiligen Florian geweiht. Der, eigentlich ja „zuständig“ für Feuerprävention, hat seines Bonner Amtes jedoch schlecht gewaltet: 1777 stand nahezu das ganze Schloss in hellen Flammen! Von der prächtigen Innenausstattung blieb nicht viel übrig, und das zerstörte oberste Stockwerk wurde in die Wiederaufbaupläne gar nicht erst einbezogen. Sie liegen, ebenso wie das imposante Ölgemälde der Brandkatastrophe, dem Aufsatz zu dieser Epoche bei. Überaus lesenswert sind auch die Beiträge zu den frühen Universitätsjahren: Vier Fakultäten, Kliniken, Bibliothek, Fechtsaal und Reitbahn – alles unter einem Dach! Mehrfach vergrößert, aus- und umgebaut, wurde die barocke Innenausstattung durch moderne Elemente ersetzt. Wandfresken der Nazarener, Treppenhaus und Aula im Art- Déco- Stil – aus dieser Zeit stammen die ersten schwarz- weißen Fotoaufnahmen des Gebäudeinneren. Besonders eindrucksvoll: Ein im Abstand von etwa 30 Jahren aufgenommenes Motiv der Aula mit Treppenhaus. Das jüngere Bild datiert auf 1945 und dokumentiert die massiven Gebäude- und Ausstattungsschäden des Zweiten Weltkriegs. Und was heutige Studenten im jetzigen Hauptgebäude sehen und vielleicht noch für original halten, ist dem Barock- Faible der Wiederaufbaujahre zu verdanken, wie Prof. Satzinger weiß: Vom geschnörkelten Treppengeländer bis zu den vergoldeten Stuckarbeiten in den Hörsälen Zwei bis Acht sei alles den alten Vorbildern bis ins Detail nachempfunden. Nur die Raumaufteilung, die änderte sich gewaltig in dem Maße, in dem die Uni sich vergrößerte. Und so wurde aus einem kurfürstlichen Ballspielhaus der Hörsaal Eins… „Das kurfürstliche Schloss in Bonn“ Hrsg. von Georg Satzinger Deutscher Kunstverlag Ca. € 29.90 ISBN 978-3-422-06721-9
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