„Lisa“: David Gossow und Andreas Mützel mit Lisa (homer@Uni Koblenz)
   
 

„Jonny Jackanapes“: Jan Paulus und Ronny Hartano (b-it-bots, HS Rhein-Sieg)
   
 

„Nao“: Der Nao-Roboter
   
Bald ist es endlich soweit: die Fußball-Weltmeisterschaft in Singapur startet! Moment mal – Singapur? Ja, richtig gehört! Vom 19. bis 24. Juni findet eben dort (und nicht in Südafrika) der diesjährige RoboCup statt, der unter anderem auch eine RoboCup Soccer – Competition beinhaltet. Im letzten Jahr wurde die Uni Bonn dabei in der „Standard Platform Liga“ Weltmeister (campus-web berichtete).

In einer anderen Liga, der „RoboCup@Liga“, muss an dieser Stelle nachträglich noch eine weitere Gratulation verschickt werden: der amtierende Weltmeister ist nämlich niemand anderes als die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg! Vom 15. bis 20. März fand nun in der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg im Fachbereich Informatik zum ersten Mal ein RoboCup@Home-Camp statt, bei dem sich vier Teams zum Ideenaustausch trafen.

RoboCup@Home ist eine der jüngsten Ligen des RoboCup. Es geht dabei um die Entwicklung von einsatzfähigen Robotern als Haushaltshilfen. Das hat zwar mit Fußball spielen nicht mehr viel am Hut, jedoch dreht sich auch hier alles um die Weltmeisterschaft und wenn man sich die Roboter einmal genauer betrachtet, scheint es, dass doch auch ein bisschen Spiel geblieben ist.

Bei den vier anwesenden Teams handelt es sich neben dem hochschuleigenen „b-it-bots“-Team um den Lokalkonkurrenten der Uni Bonn, „Team NimbRo“, die „homer@Uni Koblenz“ sowie die „Radical Dudes“, ein internationales Team mit Nachwuchswissenschaftlern aus Frankreich, USA und den Niederlanden. Gemeinsam tüfteln sie nun eine Woche lang an neuen Entwicklungen.

Die besondere Herausforderung für die RoboCup@Home-Liga besteht darin, die Roboter „autonomer“ werden zu lassen, wie Prof. Dr. Dipl.-Math. Paul Plöger, der Chef des „b-it-bots“-Teams von der HS Rhein-Sieg, es nennt. Das Ziel soll sein, Roboter der "Service Robotic" so zu konzipieren, dass sie tatsächlich praktisch einsetzbar sind. Das heißt im Klartext: sie müssen fähig sein, sich in unterschiedlichsten Umgebungsbedingungen selbstständig zu recht zu finden und gleichzeitig muss eine Kommunikationsmöglichkeit mit Menschen bestehen, damit eine Interaktion überhaupt erst entstehen kann.

Neben dem gemeinsamen Forschen dient das Camp den Gastteams auch als erster Testlauf: Im April wird in Magdeburg die Deutsche Meisterschaft des RoboCup ausgetragen, hier in Sankt Augustin haben drei Teams nun erstmals die Möglichkeit, ihre Entwicklungen auch in einem ungewohnten Umfeld austesten zu können. Die Bedingungen sind dabei natürlich realitätsgetreu nachempfunden worden: im „Camp“ findet sich ebenso eine Küchenzeile wie ein Wohnzimmerbereich.

So können „Jonny Jackanapes“, „Lisa“ und „Kerobot3“ hier beweisen, ob sie wirklich etwas taugen. Die Entwicklungen sind seit der letzten Competition schon wieder um einiges vorrangeschritten, doch dass uns Roboter in absehbarer Zeit wirklich die Haushaltsführung abnehmen werden, hält Prof. Dr.-Ing. Gerhard Kraetzschmar, der Initiator des Camps, für realitätsfern. Und „Lisa“ hat ohnehin wenig Lust zum Putzen, wie sie selbst über das integrierte 3D-Gesicht mitteilt: „Hello. I’m bored. Please entertain me.“

Andreas Mützel vom Team homer@Uni Koblenz versichert jedoch, dass die Roboter aufgrund ihrer Ausstattung einsatzfähig seien: etwa kann „Lisa“ durch den Einsatz von Kameras Gesten erkennen und „Jonny Jackanapes“ kann mithilfe eines Greifarmes bereits 500 Gramm stemmen. Da erscheint die Science-Fiction-Utopie dann doch nicht mehr vollkommen abwegig.

Neben der Suche nach Forschungsansätzen, die langfristig einen sinnvollen Nutzen nach sie ziehen könnten, ist der pure Spaß doch nicht ganz verloren gegangen: das „Racing Dudes“-Team hat den Nao-Roboter mitgebracht, der zum Fußball-Spiel in der „Standard Platform Liga“ eingesetzt wird. Im Gegensatz zu den echten Spielern kennt der kleine Kicker keinen Schmerz wenn er umfällt, sondern steht selbstständig wieder auf. Und das Gestikulieren mit den Armen passend zur Schimpftirade beherrscht er auch schon.

RoboCup erfreut sich bei den Studenten und wissenschaftlichen Mitarbeitern des Fachbereiches Informatik immer größerer Beliebtheit, was dazu geführt hat, dass von 33 Bewerbern letztlich für Singapur nur 26 Teams zugelassen werden konnten. Die HS Rhein-Sieg rechnet sich gute Chancen aus, den Titel in der RoboCup@Home-Liga verteidigen zu können, „doch die Konkurrenz ist auch stark und wächst vor allem auch sehr rege.“ weiß Plöger.

Wir werden nun erst einmal gespannt die Deutschen Meisterschaften verfolgen, bei denen die HS Rhein-Sieg übrigens auch als Titelverteidiger an den Start geht. Und wer weiß – vielleicht werden wir ja tatsächlich auf die ein oder andere Weise 2010 mal wieder Weltmeister…


Weitere Informationen gibt’s auf der offiziellen Seite des RoboCup 2010


Hier geht’s zur German Open 2010


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