„Weg mit den Studiengebühren!!“ propagierten die Flyer der linken Hochschulgruppen, die einem am Donnerstagmorgen in die Hand gedrückt wurden. Ein letzter Versuch der Bildungsstreik-Fürsprecher, die Studenten zur öffentlichen Senatssitzung zu bewegen, die am gleichen Morgen um 10 Uhr im Senatssaal stattfand. Der Senator der Studenten, Christopher Paesen, hatte im Vorfeld einen Antrag eingebracht, der angeblich die Abschaffung der Studiengebühren zum Inhalt haben sollte.

Im Laufe der Senatssitzung offenbarte sich jedoch schnell, dass die Formulierung im Antrag alles andere als konkret ausgefallen war und keineswegs auf eine direkte Abschaffung der Studiengebühren ausgerichtet war. Vielmehr ging es darum, dass der Senat in Zusammenarbeit mit den Studierenden Arbeitsgruppen gründen solle. In diesen sollte dann ein Konzept gefunden werden, wie man ohne Studiengebühren eine adäquate Lehrsituation gewährleisten könne.

Dieser Punkt stand jedoch erst ganz am Ende der Senatssitzung auf dem Tagesplan. Das Topthema war eher ein von der Universitätsleitung unterschriebenes Memorandum, in dem es um die Einrichtung einer neuen Verwaltungsstelle geht. Zu Unmut führte die Tatsache, dass diese Stelle aus zentralen Mitteln finanziert wird, was konkret bedeutet, dass auch Geld aus den Studiengebühren dafür eingesetzt wird.

Vor allem die vier studentischen Vertreter zeigten sich aufgebracht über die Handlungsweise des Rektorates und griffen sie scharf an. Genauso spitzzüngig fielen auch manche Reaktionen aus, eine knappe halbe Stunde lang lieferte man sich einen Schlagabtausch, der im Grunde müßig war.

Die Stelle werde aufgrund des enormen Mehraufwandes, der unter anderem auch durch den Bologna-Prozess entstanden ist, dringend benötigt, und wenn kein Geld im dezentralen Teil des Universitätsetats mehr zur Verfügung stünde, müsse man eben in den zentralen Topf greifen. Dafür seien diese aber nicht vorrangig gedacht, merkten auch wenige Senatsmitglieder an. Letztlich drehte man sich sprichwörtlich im Kreis und beendete die Diskussion ohne Ergebnis.

Universitäts-Rektor Jürgen Fohrmann erklärte zum Stand der Veränderungen im Bologna-Prozess, dass man bis Ende Februar einen Manteltext beim zuständigen Ministerium einreichen werde. Dieser wird sich mit den zentralen Problemen im Universitätsalltag befassen wird: Anwesenheitspflicht, Stundenzahl und Prüfungssituation. Er rechne damit, dass man ab Ende März/Anfang April mit ersten konkreten Ergebnissen bei der Umgestaltung der Bologna-Reformen rechnen könne.

Auch gab er eine Erklärung zum Austritt der Uni Bonn aus dem CHE-Ranking ab (campus-web berichtete). Offenbar hat man mittlerweile ein konstruktives Gespräch mit Vertretern des Instituts geführt und ihnen Verbesserungsvorschläge mit auf den Weg gegeben, die nun intern beraten werden sollen. Sollten die Anregungen der Uni Bonn Anklang finden und umgesetzt werden, werde man wieder in das Hochschulranking-Ranking-System eintreten.

Dann kam man endlich zu dem Antrag Christopher Paesens. Der studentische Vertreter pochte auf die Landtagswahl, bei der sich die politische Situation mutmaßlich ändern könne. Er forderte deshalb vehement bis dahin in Arbeitsgruppen ein Konzept erarbeitet zu haben, wie man als Hochschule eine exzellente Bildung gewährleisten könne – auch ohne Studiengebühren.

Im Zuge der Diskussion herrschte bei den Senatoren der allgemeine Tenor, dass man die Studiengebühren nicht sofort abschaffen könne. Das Land würde für keinen Ersatz sorgen und somit sei man dem Untergang geweiht. Rektor Fohrmann wies zudem darauf hin, dass man durch die Abschaffung der Studiengebühren ein falsches Signal an die Regierung senden würde: Nämlich, dass man auch ohne zusätzliche finanzielle Mittel auskomme, was jedoch keineswegs der Fall ist.

Die abschließende Abstimmung sorgte für Ernüchterung bei den anwesenden Studierenden: lediglich fünf der 22 Senatsmitglieder stimmten für den Antrag, die übrigen sprachen sie geschlossen dagegen aus. Die Zuhörer, größtenteils altgediente Aktive des Bildungsstreiks, verließen daraufhin mehrheitlich und voller Unmut den Saal.

Für sie und die Studierenden allgemein brachte die Senatssitzung keinerlei positive Ergebnisse, vielmehr fühlte man sich danach wieder einmal missverstanden und nicht genügend beachtet. „Das war ja jetzt mal wieder zum Vergessen“ fasste es ein Student prägnant zusammen. Es bleibt also beim Streit um die Bildung. Die Fronten zwischen Studierenden und Entscheidungsträgern dürften sich nach dem heutigen Ergebnis noch einmal verhärtet haben.

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