Bonding ist die wohl beeindruckendste Studenteninitiative Deutschlands. 1988 von Studenten der RWTH Aachen gegrndet, sind mittlerweile in 11 deutschen Stdten Bonding-Gruppen an Universitten zu finden.

Sie organisieren in erster Linie Messen, die beispielsweise dieses Jahr an neun Standorten innerhalb Deutschlands stattfinden. Darber hinaus veranstalten sie auch Workshops und Seminare.

Ziel der Initiative ist es, Studenten der technisch-naturwissenschaftlichen Fcher mit Unternehmen in Kontakt zu bringen. Sie haben dadurch die Mglichkeit, direkte Kontakte zu knpfen und den Arbeitsmarkt berhaupt erst kennenzulernen.

Dadurch erhalten die Unternehmen Zugang zum potentiellen Nachwuchs und locken mit Angeboten: egal, ob ein Praxissemester ansteht, in den Semesterferien ein Praktkumsplatz gesucht wird, oder aber die Diplomarbeit direkt vor Ort im Schoe des Konzernes geschrieben werden soll die Studenten stoen berall auf offene Ohren.

Studenten machen hier die Regeln

hnlich wie beim Absolventenkongre profitieren hier also beide Seiten voneinander. Doch auffllig ist, wie offensichtlich die Firmen sich den Belangen der Studenten unterzuordnen scheinen: Beeindruckten dort groe Namen mit groen Stnden und gaben so optisch vor, wer was zu bieten hat, so haben hier alle nahezu denselben Platz zur Verfgung: alle Kojen sind in etwa gleich gro.

Dazu kommt, da die Besetzung der Firmen tglich wechselt. Somit werden unterschiedliche fachliche Schwerpunkte gesetzt. Die Firmen mssen also zusehen, da sie an ihrem Tag auch wirklich vor Ort sind.

Die Pltze sind begehrt, Namen zhlen aber nicht. Lufthansa Technik reiht sich genauso ein wie VW, Daimler genauso wie Unilever, Sennheiser genauso wie Vorwerk; alle haben dieselbe Chance.
Und alle nutzen sie fleiig. Die Messe ist im Wachsen begriffen, die Resonanz der Firmen ist gro, die meisten sind schon seit Jahren regelmig dabei, wei Messeleiter Christoph Glde. Hier im vorgegebenen Takt zu marschieren, scheint sich also zu lohnen.

Gute Orientierung dank eindeutiger Ausrichtung

Natrlich: Wer Maschinenbau studiert und aufs Diplom zusteuert, wird schon klarere Vorstellungen von einer zuknftigen Beschftigung haben als ein Altnordist kurz vorm Examen. Vorderhand ist es also nur logisch, da die Studenten, die sich auf der Messe umsehen, durchweg positive Bilanz ziehen. Dennoch ist es beeindruckend, wie sehr alles auf die Belange der Studenten ausgerichtet ist.

Insgesamt loben die Besucher vor allem, da die Mglichkeit zur Orientierung enorm ist, da der Kontakt direkt und unkompliziert stattfindet. Erstsemester wie Diplomanden sind sich hier einig, es gibt eigentlich niemanden, der keine lobenden Worte fr die Messe hat.

Die starke Orientierung am Studenten zeigt sich auch an der Prsenz von A.S.I.: Der Wirtschaftsberater ist an allen drei Tagen mit einem Stand vor Ort, an dem Bewerbungsunterlagen geprft werden. Wer also schon genau wei, wohin er will, aber nicht sicher ist, sich auch wirklich gut zu prsentieren, erhlt hier die ntige Untersttzung.

Das Land braucht den Nachwuchs eigentlich berall

Bonding schafft es, die Industrie zu einer eindeutigen Stellungnahme zu bewegen: Sie braucht den Nachwuchs, sie ist interessiert an Studenten. Dafr stellt sich so manches Unternehmen auch gerne mal hinten an und verzichtet auf groe Messestnde und exklusive Aufmachung.

Das ist schon ein Statement. Und da es letztlich eine Studenteninitiative ist, die professionell hinter allem steht und unermdlich organisiert, versorgt (fr das leibliche Wohl der Aussteller wird beispielsweise stndig gesorgt) und die Fden zieht, unterstreicht die Rolle der Unis nicht nur fr die nationalen Unternehmen.

Wohlgemerkt: die Rolle der technischen Unis. Nicht von ungefhr grndete sich die Initiative in Aachen, und es wundert nicht, da alle Bonding-Standorte technische Universitten sind. So nimmt es nicht wunder, da der Kulturwissenschaftler auf der Messe nicht zu finden ist.

Gerade er ist es aber, der immer mehr auch in der Industrie gefragt ist, wenn auch auf ganz anderen Gebieten dort als der Ingenieur. Dieser Trend zur Ganzheitlichkeit schlgt sich aber nicht zwingend in Initiativen wieder, die mit Bonding vergleichbar wren. Grund genug, vielleicht auch einmal an Universitten mit dezidiert nicht-technischer Ausrichtung in die Hnde zu spucken.

Denn es kann ja klappen: die Unternehmen lassen sich von Studenten schon etwas vorschreiben und wenn es nur Messetermine sind. Und bei Lichte betrachtet, ist das gar nicht wenig.



Mehr zur Initiative unter http://bonding.de.




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