Seit Montag knnen die Studenten der Uni Bonn ein neues Studierendenparlament sowie neue Gremien whlen. An den verschiedensten Orten sieht man seitdem die Wahlstnde mit ihren Urnen und Kabinen stehen. Und mit den Wahlhelfern, die bei jedem Studenten genauestens berprfen, ob er oder sie denn auch tatschlich ordentlich eingeschriebener Student ist und die richtigen Papiere vorlegt. Wie sieht eigentlich so ein Tag als Wahlhelfer aus? Zeit fr einen Selbsttest!

Schon im Dezember flatterte mir der Bewerbungsbogen entgegen: Wahlhelfer/-innen gesucht! und kurz darunter eine nicht zu verachtende Entlohnung fr die Beaufsichtigung des Wahlvorganges und den Transport der Wahlurnen. Einem Sprichwort entsprechend sollte man ja bekanntlich alles einmal mitgemacht haben. Also auf zum Wahlbro und Bewerbung abgeben.

Im Januar dann, exakt eine Woche vor der Wahl, findet die Wahlbelehrung durch den Wahlausschuss statt. Hier erfhrt man, was man bei der Beaufsichtigung des Wahlvorganges beachten muss, welche Dokumente man sich zeigen lassen muss, wie der Wahlvorgang an sich von Statten geht.

Grbste Arbeit vor der Arbeit

Eine Woche spter, neun Uhr morgens: mit der Kollegin fr diesen Tag mssen die Wahlunterlagen im Bro des Wahlausschusses in der Nasse-Mensa abgeholt werden. Eine Stofftasche mit der entsprechenden Urnennummer darauf wartet schon, dass sie ausgepackt und berprft wird.

Alles da, was da sein sollte? Wahlbelehrung, Stifte, Locher, Wahlzeitungen? Die Negativliste, auf der alle diejenigen aufgelistet sind, die nur mit Zweitausweis oder aus etwaigen Grnden gar nicht whlen drfen? Das hochheilige Urnenbuch, in das jede Aktivitt um die Urne herum im mindestens halbstndigen Rhythmus eingetragen werden muss? Und nicht zu vergessen: die Stimmzettel?

Ja, alles da, die bergabe wird mit Unterschrift der Wahlhelfer besttigt. Tasche wieder einpacken und los zum Einsatzort: der Wolfgang-Paul-Hrsaal im physikalischen Institut. Die Urne bringt der Transporter.

Am Einsatzort angekommen muss erst einmal aufgebaut werden: im zentralen Aufenthaltsort wird der Tisch positioniert, die Unterlagen werden angeordnet, die Wahlkabine aufgestellt. Halb zehn, die Wahlurne ffnet. Jetzt heit es also warten.

Die ersten zwei Stunden bleibt genau das der Dauerzustand. Da sitzen und warten. Kaum ein Student scheint hier berhaupt unterwegs zu sein, ein paar sitzen um uns herum und sind in ihre Bcher vertieft. Schon Gewhlt? Was denn? Das Studierenden-Parlament! Hab ich schon heit es, oder Keine Zeit! und ein charmantes Augenverdrehen dann eben nicht.

Es geht auf den Mittag zu, so langsam kommt Leben ins Institut. Da endlich! Ein junger Herr steuert genau auf unseren Tisch zu. Kann ich hier die Gremien whlen? Ein fragender Blick von Seiten des Herrn, ein enttuschter trifft ihn zurck. Nach kurzem Hinweis darauf, dass er hier leider nur das SP whlen kann, zieht er von dannen.

Als die Hoffnung schon fast gnzlich ber den Jordan gegangen ist, passiert denn doch noch das Wunder: eine Gruppe von drei Studenten nhert sich dem Tisch und zckt die Studentenausweise! Ja, sie wrden gerne whlen.

Wahlzeit!

Also ran an die Arbeit: Stimmen Studentenausweis und Personalausweis berein? Sieht der Mensch auf dem Pass genauso aus wie die Person, die vor einem steht? Ist der Name auch nicht auf der Negativliste vermerkt? Wenn alles stimmt, wird der Studentenausweis gelocht, Name und Martikel-Nummer ins Urnenbuch aufgenommen, der Student bekommt den Wahlzettel und verzieht sich in die Kabine. Hat er gewhlt, wirft er den Zettel ordnungsgem in die Urne, unterschreibt im Urnenbuch und bekommt seine Ausweise zurck- Wahlvorgang abgeschlossen!

Es kommt nun tatschlich noch etwas Trubel auf und eine weitere Gruppe von Studenten zieht gleich nach, sowie noch einzelne weitere. Die Euphorie hlt an bis kurz nach zwlf, dann ist sie auf einmal verflogen. Genau so pltzlich wie sie aufgetaucht waren sind die Studenten wieder verschwunden, der Raum wirkt wieder wie leer gefegt.

Kurz vor halb eins tauchen zwei Mitglieder des Wahlausschusses auf und wollen uns abholen. Die Urne wird ordnungsgem versiegelt, das Urnenbuch bekommt fr heute seinen letzten Eintrag und die Unterlagen werden wieder zusammen gesammelt. Die Urne macht sich auf den Weg zurck in die Zentrale, immer unter den gestrengen Augen des Wahlausschusses.

Neun Wahlwillige an einem Vormittag die Ausbeute lsst zu wnschen brig. Das Fazit des Tages? Ich kam, sa und ging und bin gespannt, wie die Wahlbeteiligung allgemein ausgefallen ist


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