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Die LHG war für einige Zeit vom Campus der Uni Bonn verschwunden. Dieses Jahr tritt sie mit einigen Kandidaten zur Wahl des Studierendenparlaments an. Wie es zur Wiedergeburt der Hochschulgruppe kam, was ihre Meinung zur studentischen Hochschulpolitik in Bonn ist und welche Ziele die LHG verfolgt, darüber sprach campus-web mit Christoph Jäger. Der Jurastudent im dritten Semester erklärte auch, wo er sich und seine „Partei“ verortet: in der Mitte. Die LHG-Bonn ist einige Zeit nicht zu den SP-Wahlen angetreten. War eure Hochschulgruppe aufgelöst oder nur nicht aktiv? Christoph Jäger: Da kann ich selbst gar nicht so viel zu sagen, weil ich selbst ja erst im dritten Semester bin. Ein Kollege von mir kommt aus Viersen und war da im Kreisvorstand von den Jungliberalen. Als er hier nach Bonn gekommen ist, haben wir uns zusammengetan, weil wir meinen, dass die Studienbedingungen hier, auf gut deutsch, einfach k***e sind. Daran wollen wir was ändern. RCDS, Jusos und die ganz Linken repräsentieren aber alle nicht so richtig was wir wollen. Also dachten wir, dass wir unser eigenes Ding machen sollten. Wir haben uns dann entschlossen die LHG wieder zu reaktivieren. Wie habt ihr nach der Neugründung dann die Kandidaten für die Liste zusammengetrommelt? Teilweise kommen die Leute aus dem Freundeskreis, wir haben uns aber auch bei Ersti-Veranstaltungen vorgestellt und da viel Zuspruch erhalten. Danach war es fast ein Selbstläufer, wir haben die Internetseite wieder hochgefahren und mit einem Mal waren ganz viele Leute dabei. Sind dann überhaupt noch „Alte Hasen“ übrig, die die letzte Wahl mit Beteiligung der LHG erlebt haben? Bei uns sind schon noch Leute dabei , die damals in der LHG und auch schon im Studentenparlament waren, aber die sind jetzt eher als Berater aktiv. Meist sind sie mittlerweile in so hohen Semestern, dass sie sich vor allem auf ihren Abschluss konzentrieren. Von Loriot stammt die Erkenntnis, dass „im liberalen Sinne liberal nicht nur liberal“ heißt. Was bedeutet für dich Liberalismus in der studentischen Politik und was die „liberale Universität“, für die ihr euch einsetzen wollt? Liberale Politik an der Hochschule heißt vor allem, dass die Studenten selber entscheiden können, wofür die Studiengebühren eingesetzt werden. Das ist ein ganz zentraler Punkt, mit dem auch viele andere Parteien überein stimmen: Studenten sollen frei über das Geld entscheiden, das sie in die Uni stecken. Ihr geltet als eine Vororganisation der FDP, das Farbspiel auf eurer Homepage deutet auch ein bisschen darauf hin, wie nahe steht ihr der Partei? Sind nach eurer quasi-Neugründung Leute dabei, die in der FDP Mitglied sind? Wir haben einige dabei, die bei den JuLis aktiv sind. Man muss allerdings ganz klar sagen, dass wir weder von der FDP noch von den JuLis eine richtungsweisende Ansage bekommen haben. Das sind alles unsere eigenen Ideen und das, was wir durchsetzen wollen. Wie bewertest du denn die Arbeit, die in SP und AStA ohne Beteiligung der LHG stattgefunden hat, besonders im letzten Jahr? Der größte Fehler war wohl die Abschaffung des Referats für politische Bildung. Nach einer Wahlbeteiligung von 17 Prozent im letzten Jahr, ist das wohl das blödeste was man machen konnte. Wenn man Leute an die Urne kriegen will, dann müssen die auch Bescheid wissen. Auch bei den Studentenprotesten wurden Fehler gemacht: Von vornherein zu sagen, das sei alles Blödsinn. Wobei wir uns da natürlich auch nicht mit allem identifizieren können was gelaufen ist. Und was siehst du positiv an der geleisteten AStA-Arbeit? Recht gut hat es der RCDS hinbekommen, den AStA wieder wahrnehmbar zu machen. Die anderen Parteien mögen da anderes behaupten, ich selbst wäre aber wohl nie auf die Idee gekommen in der studentischen Politik aktiv zu werden, wenn der AStA nicht ab und zu mal die Stimme erhoben hätte. Ein konkretes Ziel, das ihr euch selbst setzt, ist die Verbesserung des BASIS-Systems. Wie stellt ihr euch das genau vor? Wir richten uns damit an die Uni-Verwaltung, was der RCDS im letzten Semester auch schon getan hat. Die haben ein Konzept vorgelegt, nach dem es angeblich möglich sein soll, konkrete Verbesserungen innerhalb von zwei Jahren zu erreichen. Das dauert uns eindeutig zu lange. Unserer Ansicht nach sollte das bereits zum nächsten Wintersemester umsetzbar sein. Wir haben an der Uni Bonn eine riesige Abteilung für Informatik, da ist es ein Armutszeugnis so ein schlecht organisiertes Kurswahlsystem nutzen zu müssen. Wir wollen also die Informatiker an der Uni ansprechen, dass sie mithelfen BASIS zu verbessern. Auch für die viel diskutierte Uni-Card setz ihr euch ein. Da hat es ebenfalls bereits einen Vorstoß des RCDS gegeben. Auch dieses Vorhaben wurde von der Verwaltung ausgebremst. Wie wollt ihr das angehen? Ich denke, das Sponsorenmodell, das der RCDS vorgeschlagen hat, ist schon ganz sinnvoll. Zum Beispiel könnte man einen Geldchip der Sparkasse in die Karte integrieren und deren Namen drauf schreiben. Ein Großteil der Kosten, mit denen die Verwaltung die Ablehnung immer begründet, könnte damit gedeckt werden. Allerdings glaube ich dem Argument sowieso nicht so ganz, dass die Produktion so einer Karte teurer ist, als die der zwanzig verschiedenen, die wir im Moment haben. hr wollt laut eigener Aussage „weder rechts noch links“. Setzt ihr euch damit nicht zwischen alle Stühle oder strebt ihr doch eine bestimmte Koalition an? Im Moment sind wir für alles offen und warten das Wahlergebnis ab. Was die Aussage „weder rechts noch links“ angeht: Auch das ist vor allem vor dem Hintergrund der Studentenproteste zu verstehen. Protest ist eine legitime Form der Meinungsäußerung, man sollte das nicht rundweg ablehnen. In der Form wie es sich die neue linke Partei „OL:B!“ (Offene Liste: Bildungsproteste)vorstellt, finden wir es allerdings zu radikal. Denn durch Hörsaalbesetzungen und ähnliches bekommt man die Professoren nicht ans Arbeiten und Nachdenken. Die gehen einfach nach Hause und das war es dann. Und wenn man jetzt sagt „Servicemaschine“ oder „Vorbereitung der Weltrevolution“: Wo fühlst du dich da eher hingezogen? Eben das Mittelding. Der Service im AStA wurde zwar tatsächlich verbessert, wobei da natürlich noch einiges mehr gehen sollte. Auf der anderen Seite ist „Weltrevolution“ zwar der falsche Begriff, aber schon ein stückweit an der Wahrheit dran. Die Abschaffung des Referats für politische Bildung oder des Gleichstellungsreferats sind Sachen, die gehen nicht. Beides sind grundsätzliche Dinge, die an jeder Universität vorhanden sein müssen. Wenn schon Kosten eingespart werden sollen, dann an anderen Ecken. Um mitreden zu können, wärt ihr aber schon bereit euch auf eine der Seiten einzulassen. Natürlich.
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