|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
Ende letzten Jahres erst gegründet und schon wird kräftig mitgemischt: erstmals stellt sich in diesem Jahr auch eine Hochschulgruppe der „Piraten-Partei“ zur Wahl um den Einzug ins Studierendenparlament. campus-web traf die Spitzenkandidatin Angela Yvone Kilian (9.Semester, Molekulare Biomedizin) und die Listenkandidatin Julia Schramm (9.Semester, Politik/Amerikanistik/Staatsrecht/Neueste Geschichte) und sprach mit Ihnen über die aktuelle Lage der Uni. cw: Was läuft Eurer Meinung nach gerade schief an der Uni Bonn und bedarf dringender Änderung? Angela: Was besonders schief läuft im Moment, ist der amtierende AStA. Die Haltung des AStA gegenüber den Studierenden beim Bildungsstreik war absolut nicht in Ordnung. Da muss sich dringend etwas ändern. Julia: Ich komme von den Geisteswissenschaften, da ist eines der vorrangigen Probleme der Personal- und Lehrstuhlmangel. Natürlich läuft darüberhinaus noch vieles mehr schief an der Uni. Der Ausverkauf der Uni ist zum Beispiel ein akutes Problem, oder die Tatsache, dass die Eigenständigkeit der Studierenden völlig verloren geht. Die Exzellenzinitiative ist eine schöne Sache, aber wir müssen auf die Ausbildung aller achten. Das Stipendiensystem ist genau der falsche Weg, vor allem weil es elternunabhängig funktioniert. Gerade hier wäre jedoch eine einkommensabhängige Regelung angebracht, damit auch wirklich die Stipendien bekommen, die sie als finanzielle Unterstützung brauchen. cw: Wie wollt ihr von den Piraten diese Veränderungen voran treiben? Angela: Wir wollen versuchen, konstruktiv zu diskutieren. Julia: Genau, wir wollen diese anstrengenden Grabenkämpfe überwinden und pragmatisch an die Sache ran gehen. Dann können wir vor Ort viel erreichen. cw: Welche konkreten Veränderungen dürfen wir von Euch erwarten? Julia: Wir sind für eine sinnvolle Auseinandersetzung mit Technologien. Stichwort Open Access: Wir wollen einen Antrag stellen für ein uniinternes Netz, in welchem Hochschulmitglieder die Publikationen der Uni oder wissenschaftliche Arbeiten frei einsehen können. Außerdem wollen wir, dass in der gesamten Uni Open-Source-Software verwendet wird, anstatt dass teure Software angeschafft wird. Die RFID-Chips, die im Juridicum verwendet werden, mögen als Türöffner ganz sinnvoll sein, dass die Studenten sie jedoch benutzen, um ihre Laptops einzuschließen, ist sinnlos und unsicher. Gegen die Chipkarte haben wir generell nichts einzuwenden, aber sie muss noch einmal genau überdacht werden. Dem jetzigen SP mangelt es an entsprechendem Sachverstand, da muss man dann auch einmal Experten zu anhören. Angela: Der Ausbau der psychologischen Beratung für Studenten liegt mir auch sehr am Herzen, denn ich kenne einige, die dringend Bedarf hätten, aufgrund der miserablen Beratungszeiten jedoch keine Möglichkeit haben, sich Hilfe zu suchen. Vor allem die Naturwissenschaftler können mit Angeboten am Morgen oder Mittag nicht viel anfangen, das Angebot muss hier schnellstens ausgebaut werden. cw: Ihr spezialisiert euch hauptsächlich auf die Themen, die Technologien in der Uni betreffen. Ist das nicht etwas einseitig? Angela: Diese speziellen Themen verschaffen uns eine gewisse Alleinstellung und heben uns von den anderen HSG’s ab. Da wir zum ersten Mal antreten und viele von uns vorher noch nie in Hochschulgruppen engagiert waren, haben wir noch keine Ahnung, was auf uns zukommt. Wir müssen in die Arbeit erst noch hineinwachsen und uns orientieren. cw: Wie steht ihr zu den Top-Themen des Bildungsstreiks- Studiengebühren, Bologna-Prozess, Hochschulrat? Julia: Studiengebühren lehnen wir klar ab. Und wenn wir sie nicht abschaffen können, müssen sie zumindest sinnvoll, gerecht und transparent eingesetzt werden. Es muss nachvollziehbar und einsehbar sein, was wofür eingesetzt wird. Außerdem müsste es die Möglichkeit geben, das Geld gewissermaßen anzusparen. Besonders kleinere Fachschaften könnten davon profitieren, wenn sie langfristig planen könnten. Natürlich müsste das zur allgemeinen Abstimmung gestellt werden und kann auch nur funktionieren, wenn es entsprechende Kontrollinstrumente gibt. Die Ideen von BA und MA sind nicht verkehrt, wir sind da zukunftsgewandt. Aber die Umsetzung des Prozesses ist katastrophal. Dinge wie die Anwesenheitspflicht empfinde ich als Magister-Studentin als absurd, diese ganze Verschulung ist total verrückt. Nebenbei arbeiten oder gar ins Ausland zu gehen ist de facto nicht mehr möglich, man kann keine zwei Studiengänge mehr nebeneinander studieren. Die Zeit ist einfach zu knapp bemessen. Fakt ist doch, dass man erst einmal ein paar Jahre braucht, um sie in das Studieren einzuleben. Um das sechste Semester rum kommt doch erst dieser Knackpunkt, an dem man langsam aber sicher in sein Studienfach einsteigt. Angela: Es muss auch gesichert sein, dass für alle Master-Plätze zur Verfügung stehen. Ich denke, dass man mit dem Bachelor allein gar nichts anfangen kann. Somit wird vollkommen umsonst ein enormer Druck aufgebaut. Studenten sind kein Humankapital. Zum Hochschulrat gibt es eigentlich nur noch zu sagen, dass dieser Ausverkauf der Bildung, dieser immer größer werdende Einfluss der öffentlichen Wirtschaft auf die Uni, ohne Beteiligung studentischer Vertreter die Krone des Lobbyismus darstellt. Wissen ist ein Wert an sich, das kann nicht in Dollar oder Bruttoinlandsprodukt angegeben werden. Die Uni hat einen Bildungsauftrag und keinen Ausbildungsauftrag. cw: Wie steht ihr zum Bildungsstreik allgemein? Julia: Den Bildungsstreik fanden wir gut. Angela: Ich war auf der KMK- und anderen Demos und hab auch im Hörsaal übernachtet. Der Bildungsstreik hat auf jeden Fall Aufmerksamkeit gebracht. Vor allem hier in Bonn war er sehr konstruktiv, gute Leute haben gute Aktionen durchgeführt, ohne Zwischenfälle. cw: Die Wahlbeteiligung ist traditionell eher gering. Wie wollt ihr die Studenten zur Wahl animieren? Julia: Ich habe die Hoffnung aufgegeben. Angela: Die Studenten werden einfach zu wenig informiert. Ohne eigenes Engagement bekommt man nichts mit, besonders die Naturwissenschaftler sind total abgekapselt. Ich komme nie in die Mensa hier, so musste ich mich selber informieren, wann die Wahlen stattfinden. Das gleiche Problem besteht auch beim SP an sich: die Studenten müssen einfach mehr über die Aufgaben und Befugnisse informiert werden, damit sie wissen, dass auch wirklich was entschieden werden kann, dass ihr Stimme wichtig ist. cw: Mit welchem Wahlergebnis rechnet ihr? Julia: Es wird eine spannende Wahl werden, mit zehn HSG’s, die sich zur Wahl stellen. Das Ergebnis ist absolut offen. Ich denke schon, dass wir mit 2,3 Mann ins Parlament einziehen werden. Wir haben eine feste Basis, vor allem bei Studenten und Erstwählern sind wir sehr beliebt, nur die Frage ist: gehen die wählen? Wir haben noch keine vorherigen Werte, also lassen wir uns einfach mal überraschen. cw: Wer kommt für euch als Koalitionspartner in Frage? Angela: Genaue Aussagen wollen wir da noch nicht machen. Nur eines steht fest: auf ideologische Grabenkämpfe haben wir keine Lust. Wir sind für jeden offen, der zielorientiert und pragmatisch diskutieren will. cw: Angela, warum stellst Du Dich als Spitzenkandidat zur Wahl? Angela: Wenn ich eine Sache mache, mache ich sie richtig. Außerdem ist dies mein letztes Semester an der Uni, es ist also meine letzte Chance, noch aktiv etwas zu verändern und die will ich nutzen. Julia: Du kannst die Welt zwar nicht verändern, aber man kann sie besser organisieren! Also: Klar machen zum Entern!
|