Sie haben Demos organisiert, Hörsäle besetzt und sich so lautstark für eine Verbesserung der Lehre eingesetzt: im Zuge der Bundesweiten Protestaktionen Ende letzten Jahres hat die Bildungsstreikbewegung auch in Bonn für einige Furore gesorgt. Aus ihr ist nun die OL:B! (Offene Liste der Bildungsproteste) hervorgegangen, die sich zur diesjährigen SP-Wahl stellt. Für campus-web fasste Spitzenkandidat Hagen Schmitz (1.Semester, Politik&Gesellschaft, Philosophie, Sprachl.Kommunikation) noch einmal die Ansichten und Forderungen des Bildungsstreiks zusammen.

cw: Was läuft Deiner Meinung nach gerade schief an der Uni Bonn und bedarf dringender Änderung?

Hagen: Die Missachtung studentischer Interessen seitens des AStA stellt in meinen Augen die größte Schieflage dar. Damit meine ich, dass der Bildungsstreik vom AStA abgelehnt, diskreditiert und nicht unterstützt wurde. Zudem war die Abschaffung der Referate ein Fehler.

cw: Wie wollt ihr von der OL:B diese Veränderungen voran treiben?

Hagen: In Zukunft muss studentisches Engagement beim AStA Gehör finden. Wir wollen Initiativen wie den Bildungsstreik unterstützen und uns nicht an Parteipolitik orientieren.
Zudem müssen die Referate wieder eingeführt werden. Insbesondere das Referat für politische Bildung muss mit interessanten Veranstaltungen z.B. zur Bildungspolitik widerbelebt werden.

cw: Welche konkreten Veränderungen dürfen wir von Euch erwarten?

Hagen: Wir wollen mit dem Studi-Rat die Beteiligungsmöglichkeiten an Veränderungen mitzuwirken, stärken, durch ein Gremium an dessen Entscheidungen sich unsere Abgeordneten halten. Wir werden also monatlich eine Vollversammlung einberufen in der über die Themen der SP-Sitzungen diskutiert und über Entscheidungen abgestimmt wird.
Alle sind eingeladen sich an der Idee zu beteiligen. Selbstverständlich auch die anderen Hochschulgruppen und Listen.

cw: Wie steht ihr zu den Top-Themen des Bildungsstreiks- Studiengebühren, Bologna-Prozess, Hochschulrat- und wie zum Bildungsstreik allgemein?

Hagen: Da wir aus dem Bildungsstreik hervorgegangen sind ist unsere Position recht eindeutig.
Studiengebühren lehnen wir ab. Am Bologna-Prozess kritisieren wir insbesondere die Verknappung, Modularisierung und Verschulung der Studiengänge. In Kombination mit dem Hochschulfreiheitsgesetz, stellt dieser eine Ökonomisierung der Hochschullandschaft dar.
Den Hochschulrat lehnen wir als ein intransparentes, nicht-öffentliches und undemokratisches Gremium ab.

cw: Die Wahlbeteiligung ist traditionell eher gering. Wie wollt ihr die Studenten zur Wahl animieren?

Hagen: Wir rufen Vollversammlungen in den einzelnen Fachbereichen über die Fachschaften zum Thema SP-Wahlen und Wahlbeteiligung ein. Zudem versuchen wir die Leute direkt anzusprechen oder in Vorlesungen zu Wahl aufzurufen.

cw: Mit welchem Wahlergebnis rechnet ihr?

Hagen: Ich hoffe es wird ein Gutes für uns werden.

cw: Wer kommt für euch als Koalitionspartner in Frage?

Hagen: Erstmal konzentrieren wir uns auf uns selbst. Nach der Wahl werden wir dann weiter sehen.

cw: Ihr seid im Bildungsstreik auch durch kreative Aktionen aufgefallen, wie z.B. dem Bau einer Bildungsmauer. Darf man derartige Aktionen auch im Wahlkampf erwarten?

Hagen: Vielleicht, wenn jemand Lust hat sich in dieser Form zu engagieren. Der Kreativität setzen wir dort keine Grenzen.

cw: Warum hast Du Dich als Spitzenkandidat zur Wahl gestellt?

Hagen: Ich habe mich angeboten, weil ich Lust habe mich zu engagieren, und weil ich glaube mit der OL:B! an einer guten Sache mitzuhelfen.

cw: Du bist erst im ersten Semester. Ist es nicht sehr gewagt, schon als Spitzenkandidat anzutreten?

Hagen: Nein, das denke ich nicht. Ich glaube jeder motivierte Student, der sich in eine solche Sache reinhängt, kann das schaffen.

Artikel drucken