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Die Frau an der Spitze der Juso-HSG ist die 23-Jährige Magdalena Möhlenkamp. Die Jura-Studentin im siebten Semester. Die ersten fünf Semester ihres Studiums absolvierte Magdalena an der Universität Passau. Da sie erst 2009 nach Bonn gezogen ist, kandidiert sie in diesem Jahr das erste Mal für das Studierendenparlament. Cw: Bitte benenne die Eckpunkte eures Wahlprogramms. Magdalena: Wir als Juso-Hochschulgruppe stehen für eine gerechte Uni und ein solidarisches Miteinander. Das mag sich jetzt, wie der RCDS es immer so schön abtut, nach linkem ideologischem Kampfgeist anhören. Mir ist aber wichtig, dass konstruktive Hochschulpolitik eben nicht die Augen verschließt vor gesellschaftlichen Fehlentwicklungen und diese als solche benennt. Diverse Studien wie HIS oder die OECD-Studie belegen, dass die Einführung der Studiengebühren extrem die Ungerechtigkeit im Bildungssystem fördert und die Herausbildung einer Zweiklassengesellschaft begünstigt. Dieser Grundsatz lässt sich auch in unseren konkreten Forderungen wiederfinden. Dazu gehört natürlich zuforderst die Abschaffung der Studiengebühren, die Reformierung des Bologna-Prozesses, was unter anderem bedeutet: Die Reduzierung der Prüfungsleistungen, die Abschaffung der Anwesenheitspflichten natürlich, die Erleichterung des Hochschulwechsels, also die Flexibilität, die immer gefordert wird. Was wir damit erreichen wollen ist, dass ganzheitliches Lernen wieder möglich wird an der Universität. Als dritten Punkt haben wir in unserem Wahlprogramm die Wiedereinführung der autonomen Referate stehen, denn wir wollen Minderheiten Vertreten und Frauen eine starke Stimme geben an der Universität. Cw: Auch wenn du noch nicht so lange in Bonn wohnst: Wie hast du das Jahr in der Opposition miterlebt? Magdalena: Also ich muss sagen, dass im Großen und Ganzen die Kritik zutrifft, die eher unbeteiligte Studierende üben. Nämlich, das im SP viele Schlammschlachten ausgetragen werden zwischen Opposition und Regierung. Ich finde, gerade wenn man sich die Wahlkampfforderungen des RCDS anguckt oder auch die sogenannten „Was haben wir schon geschafft“- Zielerreichungsformulierungen, dann empfinde ich diese als Unverschämtheit und kann verstehen, dass es weniger beteiligten Studierenden wie eine überflüssige Auseinandersetzung vorkommt. Opposition heißt aber auch dem AstA auf die Finger schauen. Ich denke da an Formulierungen des RCDS wie „Wir haben 10 000 Euro mehr für studentische Initiativen aufgebracht“. Das ist letztendlich eine glatte Lüge, denn diese Erweiterung des Etats für studentische Initiativen war schon im Vorgänger-Juso-AStA angedacht, die damals aber von der RCDS-Fraktion im Studierendenparlament verweigert wurde. Cw: Was könnt und wollt ihr im Falle eines Wahlsieges besser machen als der gegenwärtige AStA? Magdalena: In diesem Sinne kann ich sagen: Wir werden einiges besser machen. Wir werden das Service-Angebot erweitern und es nicht nur groß ankündigen. Dazu gehört zum Beispiel die Studienberatung, die gerade für Studenten mit finanziellen Schwierigkeiten extrem wichtig ist sowie auch die Einführung einer Mieterberatung. Was wir darüberhinaus besser machen wollen, ist die Stimme der Studierenden wirklich zu vertreten gebührend zu vertreten. Denn wie die Bildungsproteste gezeigt haben, ist eben doch ein Großteil der Studierendenschaft gegen Studiengebühren und wir möchten diese Position auch so vor dem Rektorat vertreten und nicht, wie der RCDS das getan hat, gegen die Proteste hetzen. Cw: Magdalena Hermes meinte im campus-web Interview, dass sie die Differenzen von RCDS und Jusos als nicht allzu hoch einschätzt. Auch im SP hätte es von eurer Seite keine so massive inhaltliche Kritik gegeben wie befürchtet. Kannst du das so bestätigen? Magdalena: Dem würde ich wiedersprechen. Ich will nochmal auf diese allgemeinen politischen Zielvorstellungen zu sprechen kommen. Es ist schließlich auch gesetzlich fixierte Kernaufgabe einer Studierendenschaft, so etwas wie einen politischen Bildungsauftrag wahrzunehmen. Dazu gehört, dass man sich mit allgemeinpolitischen Themen auseinandersetzt und sich eben auch Gedanken darüber macht, wie ein gerechtes Bildungssystem aussehen soll. Da muss ich ganz ehrlich sagen, dass in Zeiten einer schwarz gelben Landesregierung, Exzellenzinitiativen und Studiengebühren die Vorstellungen der Juso-HSG nicht zu vereinbaren ist mit den bildungs- und hochschulpolitischen Vorstellungen des RCDS. Ich denke, vor allem beim Thema Studiengebühren - daran sind im Übrigen auch die letzten Koalitionsverhandlungen gescheitert - sind Juso und RCDS Positionen nicht unter einen Hut zu bringen. Cw: Thema Koalition. Mit wem würdet ihr koalieren? Gibt es Hochschulgruppen, die du von vorne herein ausschließen würdest? Magdalena: Also ich glaube, man kann meiner letzten Antwort entnehmen, dass ich eine Koalition mit dem RCDS für ausgeschlossen halte. Ich werbe natürlich in erster Linie für unser Wahlprogramm, mache mich aber für eine linke Koalition stark, die diesem sozialen Anspruch gerecht wird. Wir sind mit allen anderen Hochschulgruppen zu Gesprächen bereit. Man muss auch darauf verweisen, dass die U.L.F. selbst nicht mit allen Verfahrensweisen der Regierung einverstanden war und auch die Einstellung ihres Koalitionspartners zu den Bildungsprotesten stark kritisiert hat. Cw: Wie sieht im Falle eines Wahlsieges eure Personalplanung aus. Welcher Juso würde AStA-Vorsitzender werden wollen? Magdalena: Es ist noch nichts entschieden. Erstmal müssen wir die Wahl gewinnen. Cw: In diesem Jahr treten neben den altbekannten Hochschulgruppen auch die neukonstituierten Grünen (Campus: grün) und die Offene Liste der Bildungsproteste (O:LB) zu SP-Wahl an. Wie ist eure Haltung gegenüber diesen Gruppen? Magdalena: Das Wiederantreten der Grünen begrüßen wir außerordentlich. Ich freue mich persönlich auch sehr darüber, da die Zusammenarbeit mit den Grünen immer gut funktioniert hat. Was die Offene Liste der Bildungsproteste angeht, bin ich ein wenig zwiegespalten. Wir haben uns mit den Protesten solidarisiert und auf der Straße gekämpft mit den Bildungsstreiklern, dennoch muss ich sagen, dass die Zielvorstellungen der O:LB sich eins zu ein mit unserem Programm decken, ich es also für begrüßenswert gehalten hätte, wenn Bildungsstreikler sich auch vermehrt bei uns engagiert hätten. Das ist nun nicht der Fall, dennoch denke ich, dass auch hier eine Zusammenarbeit gut funktionieren würde. Cw: Eine eurer Versprechungen ist das Vorantreiben der Diskussionen vom Rektorat mit der Studierendenschaft. Die Gesprächsrunden, die während der Bildungsproteste entstanden sind, haben keinen direkten Bezug zur Hochschulpolitik und sind basisdemokratisch geprägt. Könnte diese potenziell sehr einflussreiche Instanz euch nicht ein Dorn im Auge sein, wenn viele wichtige Entscheidungen in Zukunft vielleicht nicht mehr im SP gefällt werden? Magdalena: Nein, ganz im Gegenteil. Jede Verlautbarung studentischer Interessen, jeder Aufschrei, der durch diese Universität geht, muss gehört werden. Wir haben uns in den letzten Jahren immer stark gemacht für eine starke studentische Beteiligung in den universitären Gremien. Oberstes Ziel ist die paritätische Besetzung. Bis dahin wird es noch ein langer Weg sein. Studentische Vollversammlungen, regelmäßig stattfindende Gespräche mit dem Rektorat auch außerhalb schon bestehender Gremien mit studentischer Beteiligung, sind bis zu diesem Zeitpunkt notwendig und absolut förderlich, um das Ziel einer stärkeren studentischen Beteiligung innerhalb der universitären Gremien zu erreichen. Wir begrüßen diese Entwicklungen außerordentlich und hoffen darüber hinaus natürlich, dass der Anteil der Studierenden, der gerade durch den Bildungsprotest auf die Missstände aufmerksam geworden ist sich nun auch traut, wählen zu gehen.
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