Die ULF hat sich im Lauf der letzten Jahre fest im Studierendenparlament der Uni Bonn etabliert. Im vergangenen Jahr stellte sie, zusammen mit dem RCDS und der Re(h)-Partei, die Regierungskoalition. Sie war somit an der Bildung eines AStA mit Seltenheitswert beteiligt einem brgerlichen. ber die Ausrichtung der ULF, die Erfahrungen im letzten Jahr und die Erwartungen fr die anstehenden Wahlen, sprach campus-web mit dem Spitzenkandidaten Jonathan Lasse Schulz, Jurastudent im neunten Semester.

Die ULF hat nun ein Jahr zusammen mit dem RCDS den AStA gestellt. Von der Opposition gab es Vorwrfe, dass ihr nur Stimmvieh des groen Koalitionspartners wrt. Wie siehst du das?

Jonathan Lasse Schulz: Ich sehe das ganz und gar nicht so. Aus Sicht der Opposition ist es natrlich leicht, solche Vorwrfe vorzubringen, aber die waren ja auch nicht bei internen Verhandlungen dabei. Bei den Koalitionsverhandlungen beispielsweise haben wir uns bitterbse geschlagen und es gab einige Punkte, wo wir unseren Willen durchgesetzt haben.

Wo zum Beispiel?

Der Erhalt der Arbeit des Schwulen- und Lesbenreferats. Es besteht jetzt zwar nicht mehr als eigenstndiges Referat was mit auf unsere Kappe geht aber der RCDS htte es gerne komplett eingestampft.

Habt ihr solche Dinge dann nicht offensiv genug nach auen vertreten?

Ich kann mir gut vorstellen, dass leicht der Eindruck entsteht, dass von der ULF nicht so viel kommt. Man sieht ja auch jetzt gerade, dass wir keinen aktiven Wahlkampf betreiben. Wir sind ein bunt zusammen gewrfelter Haufen und haben keine bergeordnete Ideologie, an der wir uns entlang hangeln knnen.

Und woher stammt dieser bunte Haufen?

Wir haben alle einen Fachschaftshintergrund. Jeder und jede bei uns sa mal in einem Fachschaftsgremium, oder tut es noch immer.

Eine offizielle Vertretung der Fachschaften seid ihr aber nicht.

Nein, das darf man nicht missverstehen. Es existiert ja eine autonome Struktur der Fachschaften auf Universittsebene. Die Interessen aller Fachschaften vertritt schon immer und auch weiterhin die Fachschaftskonferenz, in die Vertreter aller Fachbereiche entsandt werden. Die Whlen dann nochmal das Fachschaftenkollektiv, in dem ich als aktueller Fachschaftsrefernt des AStA auch sitze. Aber nicht alle die dort arbeiten sind bei der ULF und wrden sich in Teilen wohl auch stark dagegen wehren, wenn wir behaupten wrden, dass wir ihre uniweite Vertretung wren. Das wre auch anmaend.

In der Wahlzeitung entsteht der Eindruck, dass ihr euch ein wenig vom Koalitionspartner RCDS, distanziert bleibt er dennoch der bevorzugte Partner, oder ist das offen?

Das ist alles vllig offen. Es gibt natrlich innerhalb der ULF ganz unterschiedliche persnliche Vorlieben, aber als die hochschulpolitische Gruppe, als die wir auftreten, ist die politische Ausrichtung des Partners erstmal egal. Unser Interesse ist es ja, praktische Arbeit zu leisten. Wir nehmen ja auch nicht an diesem ideologischen Wettbewerb teil, der jedes Jahr den Wahlkampf zum SP prgt.

Ihr gebt euch ideologiebefreit und fhrt keinen aktiven Wahlkampf. Dieses Jahr stellen sich zehn Hochschulgruppen zur Wahl. Habt ihr keine Angst da etwas unterzugehen?

Nein, so eine Angst existiert in keiner Weise, da wir in vielen Fachbereichen einen sehr guten Rckhalt haben. Durch die gestiegene Anzahl von Listen, von denen einige auch aggressiv Wahlkampf machen, kann es natrlich sein, dass wir Stimmen verlieren. Das mssten wir dann zwar hinnehmen, bin aber sicher, dass wir ins Parlament einziehen werden.

Die Liberale Hochschulgruppe tritt seit langer Zeit wieder zur Wahl an. In vielen ihrer Ziele scheinen sie euch recht hnlich. Seht ihr die LHG als Chance oder eher als Gefahr?

Ich sehe sie als Chance, kenne viele ihrer Kandidaten auch persnlich. Der Hauptbeweggrund wieder anzutreten, war auch fr sie die Ablehnung der jhrlichen Schlammschlacht im Wahlkampf, ohne dass im AStA wirklich etwas vorangeht. Natrlich ist im Fall der LHG eine parteipolitische Vorprgung da, aber der Grundantrieb scheint tatschlich zu sein, etwas bewegen zu wollen.

Ihr habt im letzten Jahr ja einige Initiativen angestoen, die frs erste in der Verwaltung hngen geblieben sind die Unicard zum Beispiel. Falls eure Koalition bestehen bleibt, wie wollt ihr vorgehen, um das zu ndern?

Man muss da eben Druck auf die Verwaltung der Uni ausben. Ich persnlich kann einfach nicht verstehen, woran es hngt. Fr die Unicard haben wir ein tragfhiges Konzept erarbeitet, das wei auch das Rektorat und steht der Sache positiv gegenber. Vielleicht kann man es also dem Rektorat ankreiden, dass es nicht weitergeht. Dass Rektor Fohrmann sich nicht um alles kmmern kann, ist klar, aber die Verwaltung ist sein Team und dann sollten eben auch mal klare Worte kommen.

Glaubst du, dass da mit der aktuellen Koalition mehr mglich ist, als mit anderen?

In diesem speziellen Fall wrde ich sagen, nein. Die Unicard ist durch fast alle politischen Lager gewollt auch wenn einige Leute immer noch datenschutzrechtliche Bedenken zu haben scheinen.

Ein weiteres Ziel ist die bessere Vernetzung von Gremien. Wie soll das laufen?

Diese Initiative luft bereits, ist technisch allerdings noch nicht ganz umgesetzt. Der Plan ist, dass sich die Gremienvertreter aller Fachbereiche regelmig treffen und ein reger Informationsaustausch stattfinden kann. Es soll auch eine Software-Lsung geben, durch die man sich vernetzt. Grundidee war, dass es hnlich wie Studi-VZ funktioniert. Es scheint schon relativ weit zu sein, braucht aber wohl noch ein bisschen, um an den Start zu gehen.

Wer soll da dann genau einbezogen werden und wo steht das Studierendenparlament in diesem Netzwerk?

Natrlich wre es schn bld, dass SP nicht mit einzubeziehen, das ist klar. In erster Linie sollen aber die Gremienvertreter aktiv werden und Input liefern, die in Kommissionen sitzen, die es an jedem Institut gibt, die in den Fakulttsrten oder Fachschaftsrten sitzen. Eben solche Leute, die aktive Arbeit vor Ort leisten. Die SP-Mitglieder knnten sich dieses gesammelte Wissen dann zunutze machen, wrden die Probleme vor Ort kennen und auch die Personen, die damit befasst sind. Das wrde viele Diskussionen im Parlament auf festere Fe stellen.

Wahlumfragen gibt es ja nicht zur SP-Wahl. Mit was fr einem Wahlergebnis rechnest du allgemein und besonders fr eure Liste?

Es wird wohl ein sehr zersplittertes Parlament geben. Ich rechne mal damit, dass alle zehn Gruppen reinkommen werden, in welcher Strke auch immer. Dadurch wird es natrlich schwierig eine neue AStA-Koalition zu bilden. Worauf ich sehr gespannt bin, ist, wie die Groen, also RCDS und Jusos, damit umgehen, dass viele kleinere Gruppen neben ihnen vertreten sind. Die ULF wird wie gesagt ins SP einziehen und vielleicht ein paar Sitze verlieren damit werden wir dann leben mssen.

Wie glaubst du, wird es sich auf die Wahlbeteiligung auswirken, dass jetzt so viele Gruppen antreten?

Die Hoffnung ist natrlich, dass die Beteiligung steigt. Es ist wohl illusorisch eine Wahlbeteiligung von 40 Prozent anzupeilen, das wissen auch alle, die in der studentischen Hochschulpolitik aktiv sind. Aber ein Herumdmpeln bei 16-17 Prozent wie beim letzten Mal, ist ein Zustand, der gendert werden muss.

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