Einer der Klassiker, und trotzdem eine Art Neuling: nachdem bei den letzten SP-Wahlen keine Hochschulgruppe der Grnen angetreten war, hat sich im Sommersemester 2009 campus:grn wieder neu gegrndet und tritt nun auch wieder zu den diesjhrigen SP-Wahlen an. Ihre Spitzenkandidatin ist Alice Barth (6.Semester, Master Gesellschaften, Globalisierung und Entwicklung). Fr campus-web hat sie sich Zeit fr ein Interview ber Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ihrer HSG an der Uni Bonn genommen.

1. Was luft Deiner Meinung nach gerade schief an der Uni Bonn und bedarf dringender nderung?

Es muss sich einiges ndern. Im Hinblick auf die kommenden Wahlen ist aber die Abwahl des RCDS/ULF-AStA unsere Prioritt. Dessen Blockadehaltung gegenber dem Bildungsstreik und anderen Gelegenheiten zeigt, dass die Interessen der Studierenden vom jetzigen AStA nicht adquat vertreten werden. Dazu kam die Abschaffung essentieller Referate wie kologie, LesBiSchwul, Gleichstellung und Politische Bildung. Das mchten wir von der GHG-campus:grn ndern und die Uni wieder bunter, toleranter und interessanter machen.
Um alle Missstnde an der Uni aufzuzhlen reicht die Zeit gar nicht. Exemplarisch sei auf die schleichende Ersetzung der finanziellen Grundfrderung des Landes durch Studiengebhren, das Sterben kleiner Fcher, die geringe Quote an Professorinnen, befristete Vertrge in der Lehre sowie die Altersgrenze fr wissenschaftliche Mitarbeiter hingewiesen.

2. Wie wollt ihr von der Grnen-HSG diese Vernderungen voran treiben?

Wir wollen auf eine nderung der bestehenden Verhltnisse hinwirken und im Falle einer Regierungsbeteiligung natrlich auch aktiv im AStA mitarbeiten. Auch auerparlamentarisch werden wir weiter arbeiten, Vortrge, Filmabende oder hnliches zu unseren Themengebieten veranstalten und politische und allgemeine Bildungsarbeit betreiben.

3. Welche konkreten Vernderungen drfen wir von Euch erwarten?

Konkrete Forderungen sind die Wiedereinfhrung der abgeschafften Referate, allen voran das kologiereferat, sowie die Wiederherstellung der Autonomie des LesBiSchwulenreferats und des Gleichstellungsreferats. Wir setzen uns fr eine regenerative und nachhaltige Nutzung der Ressourcen an der Uni ein. Die Ausstattung aller Kopierer mit Recyclingpapier, die Versorgung der Uni mit kostrom und die Einfhrung eines Bio-Mens in der Mensa. Letzteres ist in greifbarer Nhe nach Gesprchen mit Vertretern der Grnen Hochschulgruppe wird das Studentenwerk ab dem WS 2010/11 biologische Essenskomponenten anbieten!
Auch wollen wir die Anschaffung eines Studi-Transporters fr Umzge initiieren. Das ist fr die Studierenden bequem, kostengnstig und schont auerdem die Umwelt. Der Weg muss nur einmal statt mehrmals mit einem normalen Auto zurckgelegt werden, der Spritverbrauch wird so minimiert. Auerdem wollen wir den Fahrradmarkt und service des AStA ausbauen und eine Bcherbrse zum Tausch von Lehrbchern einrichten.


4. Wie steht ihr zu den Top-Themen des Bildungsstreiks- Studiengebhren, Bologna-Prozess, Hochschulrat- und wie zum Bildungsstreik allgemein?

Die Grne Hochschulgruppe campus:grn steht hinter den Zielen des Bildungsstreiks, viele von uns waren mit auf der Strae und im besetzten Hrsaal. Wir sind klar gegen Studiengebhren, da wir diese fr eine sozial ungerechte Manahme halten, die Kindern aus finanziell schwcher gestellten Familien den Zugang zur Hochschule erschwert.
Der Hochschulrat ist abzulehnen, weil er ohne jegliche studentische Mitbestimmung gewhlt wird. Auerdem bietet er Wirtschaftsvertretern eine Einflussmglichkeit an der Universitt. Wir sind gegen eine weitere konomisierung des Studiums und fordern die Abschaffung des Hochschulrates sowie eine Reform der B.A./M.A.-Studiengnge.

5. Die Wahlbeteiligung ist traditionell eher gering. Wie wollt ihr die Studenten zur Wahl animieren?

Wir wnschen uns nicht nur eine hhere Wahlbeteiligung, sondern allgemeine politische Bewusstseinsbildung. Daher war es ein vllig falsches Signal des RCDS, das Referat fr politische Bildung abzuschaffen. Der Bildungsstreik hat gezeigt, dass ein groer Wunsch nach Vernderung in der Studierendenschaft besteht Studierendenparlament und AStA mssen das ernst nehmen und an einer Verbesserung der Studienbedingungen arbeiten. Ich hoffe, dass so wieder mehr Studierende einsehen, dass ihre Stimme in der Hochschulpolitik zhlt.

6. Mit welchem Wahlergebnis rechnet ihr?

Unser Ziel ist es, in einer Koalition linksgerichteter Gruppen eine Mehrheit im SP zu erreichen und so den Rechts-AStA zu strzen.

7. Wer kommt fr euch als Koalitionspartner in Frage?

Ich kann nur sagen, dass wir den RCDS definitiv als Koalitionspartner ausschlieen knnen, da sich die Positionen als zu unterschiedlich erwiesen haben. Wir wollen nicht mit einer Gruppe zusammenarbeiten, die sich gegen die Interessen der Studierenden stellt, siehe Bildungsstreik. Alles Weitere wird sich nach der Wahl entscheiden.

8. Die Grne Hochschulgruppe-campus:grn hat sich erst im Sommer 2009 wieder neu formiert, vorher gab es lngere Zeit eine Zersplitterung in ein linkes und ein rechtes Lager. Ist nun ein Konsens zwischen beiden Lagern gefunden wurden, oder hat sich ein Lager mehr oder weniger komplett zurckgezogen?

Das ist nicht ganz richtig; die ehemalige GHG hat sich 2007 aufgrund interner Streitigkeiten aufgelst. 2008 grndeten sich dann zwei Gruppen (GHG und campus:grn), die beide zur Wahl 2008 antraten und auch ins SP kamen. Nach der Legislaturperiode lsten sich beide Gruppen wieder auf, woraufhin 2009 gar keine Vertretung der Grnen Hochschulgruppe im SP war. Kurz darauf, bildeten sich dann wieder campus:grn und GHG, die sich auf Grund der gemeinsamen Positionen aber bald zusammenschlossen. So gibt es seit dem SS 2009 wieder eine einzige und auch sehr mitgliederstarke grne Hochschulgruppe mit dem Namen GHG campus:grn. Gemeinsam lsst sich eben mehr erreichen!

9. Wie kam es zur dieser Zersplitterung und was wird in Zukunft anders laufen, um dem vorzubeugen?

Ich war zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Bonn und kann zu der Zersplitterung daher nur sagen, dass es sich um persnliche Differenzen der damaligen Mitglieder handelte, die es in dieser Form nicht mehr gibt. Die jetzige Gruppe erlebe ich als sehr harmonisch, etwaige Differenzen werden im Plenum offen diskutiert und wir finden gemeinsam einen Konsens.

10. Warum hast Du Dich als Spitzenkandidatin zur Wahl gestellt?

Ich finde es wichtig, als StudentIn nicht nur passiv zu konsumieren, sondern die Universitt aktiv mitzugestalten, daher engagiere ich mich schon seit drei Jahren in Grnen Hochschulgruppen. So habe ich gerne den Vorschlag der Gruppe angenommen, den traditionell weiblich besetzten ersten Listenplatz zu bernehmen. Fr eine grne und sozial gerechte Uni Bonn!

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