Die medizinische Fakultt der Uni Bonn fllt fr gewhnlich eher durch exzellente Forschungsergebnisse oder andere herausragende Leistungen im Bereich der Wissenschaft auf. Im Sommer 2009 jedoch hat der gute Ruf dieses Faches einen Dmpfer bekommen: In die damals bekannt gewordene Doktortitelaffre um gekaufte Titel durch Bestechung der entsprechenden Doktorvter sollen auch drei Mitglieder der Bonner Medizin verwickelt gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft Kln ermittelt seitdem gegen die Betroffenen, nun ist noch ein vierter Verdachtsfall besttigt worden.

Angefangen hatte die ganze Affre schon 2008, als Fahnder bei einer Durchsuchungsaktion einer dubiosen Promotion-Beratungsfirma in Bergisch-Gladbach belastendes Material ber illegal erworbene Doktortitel sicherstellten. Unmittelbar danach besttigte sich ein erster Verdachtsfall bei einem Juraprofessor der Uni Hannover. Gegen Bestechungsgeld hatte dieser eigentlich ungeeigneten Kandidaten zur Promotion verholfen.

Im Sommer 2009 wurde dann bekannt, dass es sich dabei nicht um einen Einzelfall gehandelt hatte, sondern noch weit mehr Professoren der Korruption verdchtigt wurden. Gegen rund hundert Lehrpersonen nahm die Staatsanwaltschaft Kln danach die Ermittlungen auf, drei davon gehrten der Universitt Bonn an sie waren alles Allgemein- und Zahnmediziner. Die Ermittlungen dauern zurzeit noch immer an. Anfang dieser Woche wurde bekannt, dass noch ein vierter Fall hinzu gekommen sei, wieder aus der medizinischen Fakultt.

Promotionsberater allgemein sind in der universitren Landschaft keine Seltenheit. Ihr Angebot beruht (zumindest rein rechtlich) auf der Vermittlung von Universitt und Doktorvater, die sich dem Promotionsthema annehmen wollen. Bei der Findung desselbigen ist man ebenfalls behilflich. Diesen Service gibt es jedoch noch nicht umsonst, sondern man bezahlt schnell bis zu 10.000 Euro pro Auftrag, im Fall des Unternehmens in Bergisch-Gladbach, das die Affre auslste, sollen sogar Betrge bis zu 20.000 Euro gezahlt worden sein.

Aufgrund dieser Bezahlpraxis ist ihr Ruf eher schlecht, gern wird unterstellt, diese Betrge seien weniger Aufwandsentschdigung fr die angebotenen Dienste denn mehr Bestechungsgeld. Denn Uni und Doktorvater kann sich der Promotionskandidat auch eigenstndig suchen, was fr gewhnlich auch eher der Norm entspricht.

Einzig fr schon berufsttige Absolventen mit wenig Zeit fr ausfhrliche Rechercheaktionen oder Vorstellungsgesprche stellt dies eine Mglichkeit dar, den Doktortitel neben der eigentlichen Ttigkeit zu erwerben. Dergleichen findet man hufiger im juristischen Bereich oder eben, wie auch in Bonn, in der Medizin.

In den aktuellen Fllen nun wurden die gezahlten Honorare aber entsprechend den bereits erwhnten Klischees als Bestechungsgelder verwendet. Betrge von bis zu 4000 Euro sollen an entsprechende Lehrpersonen bermittelt worden sein, die im Gegenzug auch ungeeignete Kandidaten als Doktoranden akzeptierten und ihnen zum Titel verhalfen.

Warum ausschlielich der Fachbereich der Medizin in Bonn betroffen ist, erklrt sich der Dekan Professor Thomas Klockgether damit, dass man hier im Unterschied zu anderen Fachbereichen einige auerplanmige Professoren angestellt habe, die hauptberuflich auerhalb der Universitt arbeiten. Daher fehle ihnen oftmals die Kenntnis ber die akademischen Mastbe. Bei den aktuell verfolgten Verdachtsfllen handelt es sich ausschlielich um Honorarprofessoren oder Privatdozenten.

Die Universitt reagierte umgehend auf die Vorflle: die drei Lehrpersonen, gegen die bereits im letzten Jahr die Ermittlungen aufgenommen wurden, sind mittlerweile nicht mehr an der Universitt angestellt, im jngsten Fall sei zwar ein Disziplinarverfahren eingeleitet wurden, dieses ruht jedoch bis die ersten Ermittlungen abgeschlossen sind.

Die betroffenen Doktorarbeiten werden zurzeit von der Promotionskommission der medizinischen Fakultt neu berprft und im Falle einer Verurteilung der entsprechenden Doktorvter unter diesem Aspekt neu bewertet. Auch die Aberkennung von Titeln sei dann durchaus denkbar, teilte die Universitt in einer Pressemeldung mit.

Erste Schritte, um den guten Ruf der Bonner Medizin wieder herzustellen hat man bereits jetzt eingeleitet: ab sofort soll mit jedem Doktoranden ein Promotionsvertrag abgeschlossen werden, der die akademischen Bedingungen genau festlegt und in dem der Doktorand schriftlich versichert, dass er keine Vermittlungsdienste in Anspruch genommen hat. Dekan Klockgether wrde es zudem vorziehen, knftig kritischer oder gar zurckhaltender bei der Vergabe von auerplanmigen Professuren zu sein.


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