Eine "Bildungsrepublik Deutschland" will die CDU/CSU-FDP-Koalition in den nchsten vier Jahren erschaffen. Im Zuge dessen hat man sich unter anderem darauf verstndigt, das deutsche Stipendiensystem in der Hochschullandschaft auszubauen und mehr Leistungsstipendien zu vergeben. Dabei sollen mittelfristig zehn Prozent eines Jahrganges unabhngig von Einkommen der Eltern und Bafg-Leistungssatz eine monatliche Frderung von 300 Euro erhalten. Finanziert wird das Ganze jeweils zur Hlfte von Lndern und Hochschulen, die dafr Wirtschaftsunternehmen als Sponsoren anwerben sollen.

Als einer der groen Befrworter und Untersttzer der neuen Leistungsstipendien fiel von Beginn an NRW-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart auf. Umgehend schuf er fr NRW als erstes Bundesland das so genannte NRW-Stipendienprogramm, bei dem das Land gemeinsam mit privaten Stiftern begabte Studierende frdert.

Aktuell sind die Unis in NRW jedoch noch wenig vom Erfolg berzeugt, da sich die Suche nach engagierten Unternehmen schwierig gestaltet: Zwar konnten schon zum Wintersemester 2009/10 rund 1400 Stipendiaten mit einer Zusatzfrderung von 300 Euro monatlich bedacht werden, doch macht das gerade einmal 0,3 Prozent der insgesamt gut 470.000 Studenten in NRW aus.

Knapp die Hlfte der bisher ausgeteilten Stipendien wurden in den Fchern Ingenieur-, Wirtschafts-, Rechts- und Sozialwissenschaften vergeben. Besonders bedacht wurde dabei die RWTH Aachen mit 190 Stipendiaten, die Universitt Kln erhielt 103, die Universitt Bonn 66. Ausgewhlt wurden die Stipendiaten laut den Hochschulen von Ihnen selbst.

Ist es wirklich sinnvoll, das Stipendiensystem auszubauen? Brauchen wir mehr Stipendien fr begabte Studenten? Oder wre eine grundstzliche Erhhung und Erweiterung des Bafg nicht sinnvoller? Sollte nicht erst einmal die Grundversorgung aller Studenten gewhrleistet werden, bevor man sich in Richtung einer Art Exzellenzfrderung orientiert?

Fr das Erzielen von guten Leistungen bedarf es bestimmter Grundvoraussetzungen. Man braucht gengend Zeit, um sich intensiv mit einzelnen Fragestellungen auseinandersetzen zu knnen und dadurch tiefgrndige Einblicke in ein spezielles Fachgebiet zu erlangen. Und man braucht Geld. Viel Geld.

Zuerst einmal muss das Studium an sich bezahlt werden, was in Zeiten von Studiengebhren und stetig steigendem Sozialbeitrag nicht mehr mal eben vom Sparbuch abgehoben werden kann. Dann wollen entsprechende Studienhilfen bezahlt werden: Kopierkarten, Bromaterialien und nicht zu vergessen die empfohlene Sachliteratur, wovon der ein oder andere Titel schlichtweg unumgnglich ist, wenn das Studium langfristig Erfolge einbringen soll.

Hinzu kommen dann noch die allgemeinen Lebenskosten, wobei vor allem die Unterkunft gerade in greren Uni-Stdten wie Kln, Bonn, Mnster und anderen tiefe Lcher in den Geldbeutel reit.

Dass ein Studentenleben kein Luxusleben ist, steht vllig auer Frage. Abhilfe schafft die Anfrage an die Geldbrse von Mama und Papa. Und wenn die auch nicht viel her gibt? Dann gibt es Bafg- unter bestimmten Bedingungen und in vorgegebenem Mae. Und das will nach dem Studium auch noch zurckgezahlt werden. Die Alternative ist traditionell der Nebenjob oder der klassische Semesterferienjob fr die Generation Praktikum in Zeiten von Anwesenheitspflicht oftmals eine Herausforderung neuer Dimension.

Gerade die Studenten, die Untersttzung so dringend ntig htten, weil sie eben nicht den reichen Vater im Hintergrund haben, gerade sie sind auch nicht jene mit all den entsprechenden Voraussetzungen. Zu viel Zeit geht nebenbei durch Arbeit in Form von zeitweilig zwei bis drei Jobs verloren.

Sich auf einem bestimmten Gebiet als Spezialist zu empfehlen, bleibt dank Bologna heute auch oftmals ein Wunschtraum, da in den meisten Studiengngen gerade in den ersten beiden Semestern Wert auf einen allgemeinen berblick gelegt wird. Exzellente Leistungen in allen Bereichen eines Studiums?

In der ganzen Flut von Prfungen, die am Ende eines jeden Semesters auf die Studierenden hereinbricht sollen Bestnoten erzielt werden? In Seminaren, in denen teilweise 30 Studenten und mehr auf einen Dozenten kommen, sollen sich einzelne durch besondere Kenntnisse hervortun knnen? Kann ein Dozent da wirklich noch die Besten erkennen?

Schlielich bleibt noch die Frage, wer gefrdert werden wird, wenn Unternehmen aus der freien Wirtschaft die Sponsoren spielen sollen. Haben Wirtschaftsriesen ein Interesse daran, junge Geisteswissenschaftler zu frdern? Sind sie nicht eher bereit, Geld in die Ausbildung junger Wirtschaftswissenschaftler zu investieren?

Schaut man einmal auf die Fcher, die im Wintersemester 2009/10 vorrangig mit Stipendien bedacht wurden, bleibt zu befrchten, dass mit dem Einsatz von privaten Finanzierungshilfen eine Einflussnahme selbiger auf die Vergabekriterien der Stipendien einhergehen wird, was wiederum zur Benachteiligung einzelner Fachbereiche fhren knnte.

Die Stipendien werden wohl nur die paar Privilegierten erreichen, die sich die richtigen, sprich: zukunftsweisenden, Studienfcher ausgesucht habe. Denen Wissen sprichwrtlich zufliegt oder die gengend Zeit haben, sich vollkommen auf ihr Studienfach zu konzentrieren und nicht durch etwaige Nebenjobs vom Lernen und Forschen abgehalten werden.

Als Reaktion auf den Bildungsstreik, kndigte krzlich Bildungsministerin Annette Schavan an, ab Oktober 2010 das Bafg nun doch erhhen zu wollen. Sollte diese Ankndigung tatschlich in die Realitt umgesetzt werden, wre es ein erster Schritt in eine sinnvollere Richtung. Der Ausbau des Stipendiensystems ist es dagegen mit Sicherheit nicht.


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