Das CHE-Ranking ist eines der wohl bekanntesten Rankings Deutschlands (campus-web berichtete). Und seit kurzem auch eines der umstrittensten. Immer wieder traten in der Vergangenheit einzelne Fachbereiche von Universitten aus. Nun zog auch unsere Uni Bonn nach und sorgte mit ihrem vollstndigen Ausstieg aus dem gesamten Ranking fr Furore.

Angst vor den Ergebnissen und ihren Konsequenzen oder ein Versuch, sich von der Masse abzusetzen? Laut Pressesprecher Andreas Archut seien die Grnde fr den Austritt nicht in schlechten Ergebnissen bei der Beurteilung zu suchen, sondern vielmehr richte man sich gegen die methodische Vorgehensweise des Rankings.

Unumstritten sind derartige Rankings/Beurteilungen der Universitten nie gewesen. Stets waren da die Gegner, die behaupteten das System sei intransparent, die Beurteilungskriterien undurchsichtig und die Beurteilung an sich geschehe oft willkrlich. Demgegenber standen stets die Befrworter, die dagegen hielten, dass solche Vergleiche die Universitten anspornen wrden, sich in einzelnen Bereichen mehr hervorzutun.

Bei den Ergebnissen, welche die Uni Bonn in den letzten Jahren erzielte, offenbarte sich ein Geflle zwischen Forschungssituation und Lehrbedingungen, die im Ranking gesondert bewertet werden. Hinsichtlich der Forschungsleistungen schnitt die Uni tatschlich niemals schlecht, sondern stets positiv ab. In Sachen Lehre und Betreuung sehen die Dinge allerdings anders aus, hier rangiert die Uni stets in den bezeichnenden Ampelfarben Gelb bis gar Rot.

Die Lehrqualitt in Bonn ist demnach eher als mangelhaft zu bezeichnen und steigert die Un-Attraktivitt der Hochschule bei Studienanfngern, fr die gerade diese Indikatoren eine Rolle spielen. Versucht die Uni also, ihre desolaten Zustnde vor der ffentlichkeit zu verschleiern, um so wieder mehr Studierende anlocken zu knnen?

Es stellt sich hier die grundlegende Frage nach dem Sinn und der Leistung von Hochschulrankings, in der Art, wie sie in den letzten Jahren zunehmend hufiger erstellt werden. Handelt es sich dabei denn wirklich um reprsentative Urteile, die einen Gesamteindruck einer Universitt widergeben knnen? Oder sind sie nicht tatschlich undifferenziert und vage?

Kann man einzelne Fachbereiche tatschlich mit Hilfe von allgemeinen Kriterien beurteilen? Aufgrund der Differenziertheit, die sich innerhalb der Fchervielfalt einer Universitt automatisch ergibt, erscheint dies fraglich. Fr ein Fach der Ingenieurwissenschaften mssen naturgem andere Kriterien bei der Beurteilung gelten als bei den Geisteswissenschaften. In ersterem ist es durchaus von Interesse, wie die entsprechenden Rahmenbedingungen durch Praxisbezug geschaffen werden, in letzterem jedoch spielt die Forschungssituation der Uni eine weit erheblichere Rolle. Ein allgemein gltiges Bewertungsschema ist so wenig sinnvoll und fhrt zu Fehlinterpretationen.

Bestndige Kontrolle und Vergleiche fhren darberhinaus langfristig nicht zur einer transparenteren Hochschullandschaft an sich, in der die Unis kooperieren und so ein breiteres Studienangebot gewhrleisten knnten. Im Gegenteil steigert es das Konkurrenzdenken, jede Hochschule trachtet immer mehr danach, sich gegen andere abzusetzen und hervorzuragen. In Zeiten von Institutsschlieungen und bestndigen Krzungen keine wnschenswerte Entwicklung.

Gerade das CHE-Ranking bietet so also eine enorme Bandbreite an Kritikpunkten an und gerade aus Sicht der Hochschulen, die heute vehement um die Studenten buhlen, erscheint die Anprangerung des derzeitigen Bewertungssystems und eine langfristige berarbeitung dessen durchaus erstrebenswert. War der Ausstieg der Uni Bonn also ein richtiges Signal?

Mitnichten, bedenkt man, dass immer mehr Studienanfnger Publikationen wie den Zeit-Studienfhrer oder anderweitige Rankings gezielt bei ihrer Suche nach der richtigen Uni benutzen. Berater und Schulen empfehlen die Beurteilungslisten als erste Orientierungshilfen. Will man in der deutschen Hochschullandschaft nicht untergehen, muss man sich also profilieren und empfehlen. Ein Ausstieg aus dem Ranking-System wird da bei der Steigerung der Attraktivitt nicht helfen.

Die Beweggrnde mgen ehrenwert- und nachvollziehbar sein, in mancher Hinsicht sogar der Untersttzung wert. Doch der normale Durchschnitts-Ersti von heute kennt sich nicht gut genug im Hochschulleben aus, um zu wissen, wonach man eine Uni bewerten kann. Er ist auf die Bewertung nach allgemeinen Kriterien angewiesen und wird ohne konkrete Informationen die Uni Bonn nicht in Betracht ziehen.

Ein Ausstieg aus dem CHE-Ranking wird zumindest die Zahl der Studienanfnger nicht begnstigen, sondern eher schmlern. Statt sich auf alte Werte zu berufen und die konomische Seite der Rankings zu verteufeln, sollte man sich in der Universitt lieber einmal Gedanken darber machen, was man in Bezug auf die Lehrbedingungen tun kann, damit das Gesamturteil nicht mehr Rot sondern eher Grn heit.

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