ber drei Wochen hatte man darauf hingearbeitet, nun wurde es endlich ernst: am Freitag, 4. Dezember, trafen in der Uni Bonn erstmals hoch offiziell die nach wie vor streikenden Studenten auf die Universittsleitung.

Um 11 Uhr versammelte man sich in Hrsaal 1, der seit einer Woche den Studenten offiziell als Arbeitsplatz zur Verfgung steht. Anwesend waren neben Uni-Rektor Prof. Dr. Jrgen Fohrmann, die Prorektorin fr ffentliche Arbeit Dr. Christiane Kuhl, der Prorektor fr Lehre Prof. Dr. Volkmar Gieselmann sowie sein Referent Marcus Breyer und schlielich der Referent des Rektors Dr. Torsten Schlageter. Mit leichter Versptung erschien kurz nach Beginn der Diskussion mit Dr. Jrg Haas denn auch der Vorsitzende des Hochschulrates.

Der Redebedarf der Studenten war natrlich gro, die Stimmung erhitzt. Mglicherweise schwangen hier auch noch die letzten Frustrationen ber die Geschehnisse des Vortages mit: am Donnerstagmorgen strmte eine kleine Gruppe der Protestierenden eine Sitzung des Uni-Senats und verlangte, angehrt zu werden. Zwar erteilte man Ihnen das Wort, der Vorsitzende wies aber eindrcklich daraufhin, dass ihre Forderung nach Abschaffung der Studiengebhren kein Teil der Tagesordnung seien. Als es zu Zwischenrufen von studentischer Seite kam, wurde die Sitzung kurzerhand beendet. Den Studenten wurden empfohlen, einen formalen Antrag zur nchsten Sitzung am 4. Februar nchsten Jahres einzureichen; an diesem wird nun gearbeitet.

Zurck zum Freitag: Erffnet wurde die Diskussion von einleitenden Worten von Seiten des Rektors und der Prorektorin Kuhl, die beide betonten, dass man den Protest der Studierenden durchaus nachvollziehen knne und diesen sogar fr gut befinde. Bei vielen Forderungen sei man mit den Studenten einer Meinung und msse durch gezielte Kooperation versuchen, die entsprechenden Missstnde im Bildungssektor aufzuheben. Die mehrfache Aufforderung aus dem Plenum, sich schriftlich mit den Studenten zu solidarisieren, wurde jedoch immer wieder vehement abgelehnt. Fr das Rektorat sei dies nicht der richtige Weg des Protestes.

In der nun folgenden Diskussion waren besonders die Studiengebhren ein stetig wiederkehrendes Thema. Unentwegt beklagte man aus dem Plenum die immense finanzielle Belastung, die durch die halbjhrlichen 500 entsteht. Der allgemeine Tenor der Hochschulleitung war hierbei jedoch, dass man dieses Geld im Moment einfach bruchte, um berhaupt den Status Quo gewhrleisten zu knnen. Das Ziel msse daher sein, in einem Konsens mehr politischen Druck aufzubauen und so mehr finanzielle Aufwendungen einzufordern.

Auch beim Thema Bologna-Prozess setzte die Unileitung auf kreative Kommunikation zur Verbesserung des Bachelor-/Master-Systems. Dass es dabei groen berarbeitungsbedarf gebe, sei auch den Professoren und Lehrpersonen durchaus bekannt und vor allem auch erwnscht. Es gebe jedoch nach wie vor unterschiedliche Betrachtungsweisen auf Fachebene, Germanisten sehen das natrlich anders als Physiker, betonte Fohrmann. Hier arbeite man bereits an Lsungsmglichkeiten: nach Weihnachten will man in Arbeitsgruppen die Dispute errtern und einen gemeinsamen Konsens finden.

Aus dem Plenum kam wiederholt die Frage auf, warum die Regelstudienzeit des Bachelors nicht grundlegend auf acht Semester erhht werden knne, damit wieder mehr Zeit fr ein freieres Studium bleibe. Hier erhob nun auch ein Dozent der Griechischen und Lateinische Philologie das Wort, welcher der Diskussion beiwohnte, und wies darauf hin, dass auch von Seiten des Lehrpersonals ernsthafte Sorge um die Zukunft der akademischen Ausbildung bestehe, besonders im Hinblick auf die Tatsache, dass man in Bonn die Wiedereinfhrung des Lehramtes plant: In sechs Semestern knnen wir einfach keine solide Lehrerausbildung gewhrleisten!

Wieder einmal zeigte sich das Rektorat einsichtig und verstndnisvoll. Der allgemeine Tenor lautet jedoch erneut, dass man auch in dieser Angelegenheit nicht selbst etwas ndern knne, da die rechtlichen Vorgaben der Lnder ihnen die Hnde binde: Wir knnen nicht, wie wir wollen! sagte etwa Dr. Gieselmann.

Schlielich wollte man noch auf den Hochschulrat zu sprechen kommen, der vielen Angehrigen der Universitt Bonn aufgrund seiner Zusammensetzung sowie seines undurchsichtigen Handlungsspielraums ein Dorn im Auge ist. Das mit sieben externen und drei internen Mitgliedern besetzte Gremium wurde im Zuge des neuen Hochschulfreiheitsgesetzes zur Beratung und Wahl des Rektorats und zur Aufsicht ber dessen Geschftsfhrung geschaffen. Laut Dr. Haas bedeutet dies, dass der Rat Strategien fr zuknftige Entwicklungen an der Hochschule ausarbeitet, man sei dabei jedoch keineswegs- wie gemeinhin behauptet wird- an einer konomisierung selbiger interessiert.

Auf die Frage, warum kein stndiger studentischer Vertreter zu den Sitzungen des Hochschulrates eingeladen wrde, bekam man zu hren, dass bei der letzten Sitzung bereits drei Studenten eingeladen gewesen seien, davon jedoch nur einer erschienen sei. Da zeigt sich dann wohl die Transparenz, kommentierte nur mde der studentische Diskussionsfhrer.

Um 13 Uhr wurde die Diskussion schlielich wie geplant beendet, fassbare Ergebnisse hat sie nicht geliefert. Die angesprochenen Themenkomplexe sind einfach jedes fr sich schon so umfangreich, dass sie einer eigenen Diskussionsrunde bedrfen werden, wenn man Erfolge aus dem Dialog herausziehen will. An weiterem Redebedarf mangelt es also nicht.

Die nchste Diskussionsrunde ist fr den 18.Dezember angesetzt, genauere Informationen ber Ort und Zeit werden noch bekannt gegeben. Weiterhin tagt dienstags und donnerstags von 18-21:30 Uhr die Vollversammlung in Hrsaal 1, zu der regelmig auch Dozenten eingeladen werden. Als nchste Groaktion steht die Demonstration gegen die Kultusministerkonferenz am Donnerstag, 10. Dezember an, zu der Rektor Fohrmann entgegen vorherigen Anspielungen brigens nicht erscheinen wird - sein Terminkalender ist einfach zu voll!

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