Prof. Dr. Harald Lesch studierte in Bonn Astronomie Dieses Jahr hat er den IQ-Preis erhalten.
Im Interview erklrt der Wissenschaftler, wie sein Leben einen Haken von Bonn zum Fernsehen schlug, welche Star Trek-Serie er am besten findet und was er ganz besonders an seiner Lehrttigkeit schtzt.

cw: Bevor Sie Ihr Studium in Bonn begannen, haben Sie in Gieen studiert. Wie kam es zu diesem Wechsel?

Harald Lesch: Das hatte einen ganz pragmatischen und einfachen Grund. In Bonn konnte man damals Astronomie studieren, in Gieen nicht. Also haben meine Frau, bzw. zu diesem Zeitpunkt noch Freundin, und ich uns eine Weile mit mglichen Studienorten auseinandergesetzt und uns schlielich fr Bonn entschieden. Hier habe ich dann auch am Max-Planck-Institut promoviert.


cw: Und spter dann in derselben Stadt habilitiert. Also haben Sie einen besonderen Bezug zu Bonn?

Harald Lesch: Unbedingt. Nachdem ich zwischenzeitlich in Heidelberg und auch in Toronto gelebt und gearbeitet habe, bin ich schlielich doch wieder nach Bonn gezogen. Auch heute noch habe ich einen sehr engen Bezug zu der Stadt. Einige meiner besten Freunde wohnen dort oder in der nheren Umgebung. Ich habe mich auch einmal um einen Lehrstuhl an der Uni Bonn beworben. Es war ein sehr harter Schlag fr mich, dass man ihn nicht mit mir besetzen wollte.


cw: Wie haben Sie dann im weiteren Verlauf Ihrer Karriere den Bogen zum Fernsehen geschlagen? Waren Sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort oder haben Sie gezielt darauf hin gearbeitet?

Harald Lesch: Ich war damals so geknickt, als mich die Bonner nicht eingekauft haben, das kann man sich nicht vorstellen. Etwa zur gleichen Zeit erhielt ich dann jedoch einen Anruf vom BR (Bayrischen Rundfunk). Ein Bekannter sollte eigentlich eine Sendung bernehmen, war jedoch besorgt sich im Fernsehen zu blamieren. Also hat er die Verantwortlichen an mich verwiesen. Die haben dann schnell gemerkt, dass ich offenbar recht kamerafest bin. Nach Probeaufzeichnungen hie es dann: Haben Sie nicht Lust fr uns eine Astronomie-Sendung zu machen?. So bin ich also zum Fernsehen gekommen. Ich lehre heute theoretische Physik und Astrophysik an der LMU (Ludwig-Maximilians-Universitt Mnchen) und Philosophie an der Hochschule fr Philosophie. Zusammen mit der Beschftigung mit Physik im Fernsehen ergibt dies, was ich mein persnliches Bermuda-Dreieck nennen wrden. Ich war damals total enttuscht, nicht nach Bonn zurckgekommen zu sein. Doch letztlich stellte sich heraus: Fr mich war offenbar vorgesehen hier in Mnchen zu bleiben, Fernsehen zu machen und Philosophie und Physik zu unterrichten.

cw: Einer Ihrer TV-Serien, Star Trek Science vs. Fiction, differenzieren Sie wissenschaftlich plausible und fiktionale Elemente der Erfolgsserie. Wie haben Sie zu dieser Thematik gefunden?

Harald Lesch: Das ist letztlich daraus entstanden, dass ich relativ viel mit Schlern zusammengearbeitet habe, bzw. es auch immer noch tue. Es gibt zwei Schulen hier in Mnchen, mit denen ich eng zusammenarbeite. Da habe ich gemerkt, dass das Thema Science-Fiction bei den Schlern unglaublich gut ankommt, auch bei denen, die sich gar nicht fr Physik interessieren. ber diese Schiene kann ich einfach unglaublich viele Menschen heranziehen, die sonst eigentlich gar nichts mit Naturwissenschaften zu tun haben wollen.
Irgendwann wurde ich dann eben von diesem Science-Fiction-Kanal gefragt, ob ich das nicht machen kann. Und das kann ich. Ja, ich denke, das kann ich ganz gut aus dem rmel schtteln (lacht).


cw: Zuvor hatten Sie also gar nichts mit Star Trek und Konsorten am Hut?

Harald Lesch: Also, ich bin Jahrgang 1960. Das heit, ich bin aufgewachsen mit Enterprise, mit Captain Kirk, Scotty und mit Spock. Das war ja eine der ersten, groen, tollen, amerikanischen Serien, die in Deutschland gelaufen sind. Und ich habe natrlich sowas geguckt. Aber ich bin da ein Mann der ersten Generation, wie es so schn heit. Also mit dem Picard und den ganzen Kameraden spter, das ist nicht mehr so mein Ding. Aber natrlich kannte ich die Serie ganz genau, klar.

cw: Der Warp-Antrieb, das Beamen von Menschen wir kennen diese Zukunftsideen alle. Inwieweit sind diese Fantasiegebilde auch in der Realitt vorstellbar?

Harald Lesch: Es gibt ein paar Dinge, die man mathematisch wirklich ganz gut als mglich ausrechnen kann. De facto sieht es aber danach aus, dass alle Wurmlcher und alle Mglichkeiten den Raum durch irgendeine Art und Weise zu krmmen, eher Quatsch sind. Man kann das zwar machen, aber das war es dann auch. Man kann sich ja auch, im Prinzip, fliegende Elefanten denken. Man knnte sich vorstellen, dass sie mal geflogen und dann abgestrzt sind, sich deshalb nicht vermehren konnten und es sie daher heute nicht mehr gibt.
Und so ist es auch ein wenig mit Science Fiction: Man kann sich viele Sachen erdenken und errechnen, doch dann stellt sich raus, aha!, wenn das tatschlich so wre, dann mssten wir in einem ganz anderen Universum leben. Insofern braucht man sich da, denke ich, ber viele Dinge keine Gedanken machen. Man kann sich hchstens gut berlegen, wie es denn eigentlich wre, wenn es tatschlich Mglichkeiten zur interstellaren Raumfahrt gbe. Man kann das alles als Gedankenexperiment immer wieder verwenden und richtig viel dabei lernen. Nach unserem momentanen Kenntnisstand ist es jedoch einfach nicht mglich.


cw: Das wird nun vermutlich vielen die Hoffnung auf endlose Reisen durch das All nehmen.

Harald Lesch: Naja, oder wir arbeiten dran. Ich habe zum Beispiel neulich einen Vortrag im Audimax gehalten. Da sagte ein Student zu mir, er habe nur angefangen Physik zu studieren, weil ich im Fernsehen gesagt htte der Warp-Antrieb wrde nicht funktionieren. Er wolle beweisen, dass ich Unrecht habe. Darauf sagte ich: Jawoll, genau das ist die richtige Haltung!
Ich bin ein ziemlich leidenschaftlicher Lehrer und wenn mir jemand sowas sagt, dann wei ich, ich bin auf dem richtigen Weg.


cw: Dieses Jahr haben Sie den IQ-Preis fr Ihre Arbeit erhalten und stehen damit in einer Reihe mit Gnther Jauch, Dieter Nuhr und der Sendung mit der Maus. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Harald Lesch: Ich habe mich sehr gefreut. Dass jemand meine Arbeit so wahrnimmt und mir zu verstehen gibt Mensch, das was Du da machst ist aber gut!, das finde ich sehr angenehm. Ich bin ja, wie jeder Mensch, davon abhngig, dass man mir sowas ab und zu mal sagt. Und so war das bei dem IQ-Preis natrlich auch. Die Leute, die das vergeben haben, verfgen schlielich alle ber einen sehr hohen Intelligenzquotienten. Ich kenne meinen eigenen nicht, aber ich wrde sagen, dass ich formal nicht dazu gehren wrde. Scheinbar hab ich eine Arbeit gemacht, die eben diese Leute gut finden und ja, das freut mich schon sehr.


cw: Woran arbeiten Sie im Moment?

Harald Lesch: Was ich momentan wissenschaftlich tue, gehrt zu meinen alten Steckenpferden: Magnetfelder in Galaxien. Da habe ich schon in meiner Habilitation dran gearbeitet und das fhre ich nun weiter fort. Ich habe eine Doktorandin und mehrere Studenten, die mich dabei untersttzen. Das ist ein altes Thema und liegt auch an meinen Bonner Wurzeln, denn in Bonn am Max-Planck-Institut fr Radioastronomie werden eben Magnetfelder in Galaxien beobachtet. Ein ziemlich kompliziertes Problem, mit dem wir sicherlich noch eine Weile zu tun haben werden.


cw: Planen Sie derzeit auch neue Projekte fr das Fernsehen?

Harald Lesch: Ab Januar gibt es eine neue Sendung von mir, die heit Lesch Kosmos. Das ist die Fortsetzung von alpha-Centauri (Sendereihe im BR, 1998 -2007) und luft im ZDF und ansonsten auf dem neuen ZDF-Sender Neo. Die wird dann im Grunde genauso sein wie alpha-Centauri, d.h. ich werde 15 Minuten in aller Gemtsruhe vom Leder ziehen. Es gibt nur einen Kameramann, den kenne ich sehr gut, und wir werden uns gemeinsam ein groes Vergngen daraus machen durch den Kosmos der Physik und Astrophysik zu fhren.

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