Dass das Thema Bildungsstreik in Bonn noch keineswegs durch ist, drfte auch dem letzten in der Universitt mittlerweile klar sein. Tagtglich wird man mit Flugblttern zur aktuellen Lage und Ankndigungen ber stattfindende Veranstaltungen geradezu berhuft. Mit der Leitung der Uni hat man sich Anfang der Woche darauf einigen knnen, dass die Studenten Hrsaal 1 tagsber besetzen drfen, die Nchte jedoch auerhalb der Uni verbringen.

Eine weitere zentrale Forderung der Streikenden bestand stets darin, am Dies Academicus einen Hrsaal zur Verfgung gestellt zu bekommen, damit man auch mit der breiten ffentlichkeit in die Diskussion kommen knne. Auch dieser Forderung wurde schlielich nachgegeben, die Studenten bekamen einen Raum. Ab 9 Uhr konnte man die Protestler im Hrsaal 15 in der ersten Etage antreffen, die dort zu Kaffee, Kuchen und offener Diskussion einluden.

Ein Hhepunkt des Tages sollte der Besuch von Universitts-Rektor Jrgen Fohrmann um halb zwei sein. Da die Studenten jedoch seit Beginn des Bildungsstreiks vor rund zwei Wochen vergeblich auf einen direkten Dialog gewartet hatten, war man auch diesmal lange Zeit skeptisch, ob der Ankndigung denn auch tatschlich Taten folgen wrden.

Doch dann folgte die groe berraschung: pnktlich um halb zwei betrat der Rektor tatschlich zusammen mit dem bereits bekannten Rektoratsvertreter den Hrsaal und stellte sich erstmals den Streikenden. Die Nachricht, dass der lang ersehnte Dialog nun endlich stattfinden knne, verbreitete sich schnell, und so war der Hrsaal bald gut frequentiert.

Man stieg unmittelbar in die Diskussion ein, der Rektor stellte sich ohne Ausflchte jeder Frage aus dem Plenum. Dass es erst nun zum Zusammentreffen kommen knne, habe daran gelegen, dass er in der ersten Woche des Bildungsstreikes gar nicht im Hause gewesen sei und danach mit Terminen berfrachtet war. Nun betonte er jedoch noch einmal seine grundstzliche Bereitschaft zu einem fortlaufenden Dialogs mit regelmigen Treffen, wovon das erste wie diesen Freitag von 11-13 Uhr in Hrsaal 1 stattfinden wird.

Auch die Zusage, Hrsaal 1 drfe tagsber weiterhin zur studentischen Diskussion genutzt werden, unterstrich Fohrmann noch einmal. Solange es nicht zur Eskalation komme und die Studenten den Hrsaal wie abgesprochen nachts wieder frei geben, sei nichts gegen eine weitere Besetzung einzuwenden. Im Zuge dessen versprach er schlielich sogar, dass unter eben diesen Bedingungen auch die Strafanzeigen, die am Samstagmorgen gestellt worden waren, zurckgezogen wrden.

Darauf folgte natrlich erst einmal ein Sturm der Begeisterung, doch der Diskussion an sich gnnte es nur eine minimale Verschnaufpause. Die nun folgenden Fragen aus dem Plenum arbeiteten nacheinander die Kernprobleme im Bildungssektor ab:

Studiengebhren: Auf die Frage, wie er selbst denn zu den Studiengebhren stehe, uerte sich Fohrmann zwiegespalten: wrde die Universitt mehr Mittel zur Verfgung gestellt bekommen, wre die Abschaffung der Gebhren eine Mglichkeit, im Moment jedoch sei nur durch eben diese eine Aufrechterhaltung des Status Quo zu gewhrleisten.

Bologna-Prozess: Beim diesem Thema zeigte sich Fohrmann vllig solidarisch mit den Studierenden: Die Verschulung des Bologna-Prozesses ist fr mich genauso eine Katastrophe wie fr sie auch. Er rumte jedoch ein, dass es hierbei schon die ersten Diskrepanzen zwischen den einzelnen Studienfchern geben wrde, so betrachten wohl zum Beispiel die Vertreter der Physik die Hochschulreform mit weniger kritischen Augen.

Kultus-Minister-Konferenz(KMK): Die Studenten wollen fr den Protest an diesem Tag von der Anwesenheitspflicht in universitren Veranstaltungen befreit werden, bisher bekamen sie jedoch nur den Hinweis, sich mit diesem Anliegen direkt an ihre Dozenten zu wenden. Dies besttigte Fohrmann noch einmal, wies jedoch ausdrcklich daraufhin, dass man im Zweifelsfall an das Rektorat verweisen solle. Man werde sich auch hier bestimmt einigen knnen.

Aus dem Plenum kam schlielich die spontane Idee, dass der Rektor sich doch, um ein Zeichen zu setzen, an der geplanten Demonstration zur KMK am 10.12. in Bad Godesberg beteiligen knne. Herr Fohrmann zeigte sich zur Freude der anwesenden Studenten nicht abgeneigt: Ja, dann sehen wir uns. Er konnte zwar noch keine endgltige Zusage abgeben, da er erst seine Termine dementsprechend berprfen msse, doch versprach er, sptestens beim nchsten Treffen am Freitag eine endgltige Aussage machen zu wollen.

An dem Unternehmen zeigte sich der Universittsleiter generell sehr interessiert. So lie er sich die genauen Forderungen aufschlsseln, die er jedoch fr zu oberflchig und ungenau hielt. Er gab den Studenten den Tipp, bei ihren Formulierungen noch prziser zu werden.

Nach einer knappen dreiviertel Stunde waren die wesentlichen Punkte, ber die man nun schon so lange hatte reden wollen, abgearbeitet und so wurde die Diskussion erst einmal beendet. Weiter geht es dann am Freitagmorgen, wenn die Studenten erneut- und dann hoffentlich auch in groer Zahl- auf den Rektor treffen werden, der zu diesem Termin auch einen Vertreter des Hochschulrates mitbringen will.

Die Studenten ihrerseits hatten am Mittwoch noch zwei hbsche Aktionen in petto, die sie im Laufe des Tages durchzogen: unmittelbar nach dem Treffen mit dem Rektor wurde im Arkadenhof eine Bildungsmauer aufgebaut, die bis zum Abend stehen blieb. Um 18 Uhr dann versammelte man sich noch einmal und trug die Bildung sprichwrtlich zu Grabe: mit einem schwarzen Sarg und vielen Trauerkerzen bestckt zog man in einem Trauermarsch ber den Weihnachtsmarkt und machte dabei mit Gesngen la Wir sind hier, wir sind leise, wir begleiten die Bildung auf ihrer letzten Reise auf sich aufmerksam.

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