Am gestrigen Mittwoch war es mal wieder soweit: die Universitt Bonn lud zum Dies Academicus. Dieser akademische Feiertag, der obligatorisch einmal pro Semester stattfindet, soll den Universittsangehrigen und der ffentlichkeit im Rahmen eines gro angelegten Programmes einen Einblick in die verschiedenen Fachbereiche der Hochschule gewhren. Auerdem wird der Tag traditionell dazu genutzt, neue Dozenten in den Universittsbetrieb aufzunehmen bzw. alte in einer neuen Position zu begren, was im Rahmen einer jeweiligen Antrittsvorlesung stattfindet.

In der Praxis heit das: die Uni wartet mit einem bunten Potpourri an Veranstaltungen auf, das allen interessierten Menschen einen Einblick in die Arbeit der einzelnen Institute bieten soll. Dazu gehren dann Vortrge, Ausstellungen und Fhrungen sowie ein breit gefchertes Kulturprogramm.

Auch dieses Mal hatte man wieder eine exotische Mischung aus nahezu allem zusammen gestellt, was man zu bieten hat: Da standen in den Vortrgen Erkenntnisse ber explodierende Sterne neben einem Einblick in das Innere der Fettzelle oder neben der Frage, ob Urotherapie der Weg zur trockenen Nacht sei. Im Robert-Schuman-Institut fand ein Wein-Quiz statt und im Arithmeum erfuhr man, warum Zahlen nicht langweilig sind.

Wer eher an den Geisteswissenschaften interessiert war, wurde im breiten Angebot der Philosophischen Fakultt fndig: da gab es diverse literaturwissenschaftliche Vortrge, das Bonner Mittelalterzentrum wartete gleich mit einem ganzen Vortragsblock zu verschiedenen Aspekten der Mittelalterforschung auf und die Erziehungswissenschaften stellten die Frage, wie eine Schule heute Werte von morgen vermitteln knne.

Auch seiner Funktion als Informationsplattform fr interessierte Schler oder Studenten kam der Dies natrlich wieder nach: So stellte sich das Bonner Asienzentrum mit Einblicken in einige der Forschungsbereiche vor, der Master-Studiengang North American Studies wurde prsentiert und im Arkadenhof hatten sich verschiedene Hochschulgruppen (wie zum Beispiel die Gruppe vegActiv, die vegane Hochschulgruppe) mit Infostnden niedergelassen. Auch die protestierenden Studenten waren wie angekndigt vor Ort und fhrten ihren Bildungsstreik fort.

Viel Resonanz erhielten sie- zumindest von studentischer Seite- heute jedoch nicht. Wie bereits erwhnt, bedeutet Dies Academicus wrtlich bersetzt soviel wie akademischer Feiertag, was die meisten Studenten denn auch wortwrtlich nahmen und wie immer durch Abwesenheit glnzten. Das Durchschnittsalter der Besucher bewegte sich eher jenseits des Rentenalters. Doch lassen Vortragsthemen wie die Aktuelle und zuknftige Therapie der Alzheimer Krankheit, das Gelenkrheuma oder Der knstliche Knie- und Hftersatz- wann ist welche Prothese indiziert? vermuten, dass man diesen Umstand bereits bei der Planung einkalkuliert hatte.

Neben diesen doch eher auf die ltere Generation abzielenden Themen, gab es jedoch auch das ein oder andere Highlight, welche das allgemeine Interesse weckten. Eines davon war ohne Frage die Antrittsvorlesung von Dr. Conrad Schetter, der im Rahmen des Dies seine Habilitation empfing. Unter dem Titel Die Taliban Lifestyle zwischen Stammeskultur, Islamismus und Globalisierung gab der Referent einen Einblick in die Geschichte, die Lebensweise sowie das Selbstverstndnis der radikal-islamischen Gesellschaftsgruppe.

Fr die kulturelle Untermalung des Dies sorgte wie immer der universittseigene Jazzchor mit einem Konzert am Mittag, sowie das Orchester des Collegium musicum, dass mit seinem obligatorischen Sinfoniekonzert am Abend den Tag zu einem fulminanten Abschluss fhrte. Der Andrang war den Erwartungen entsprechend wieder einmal enorm, weshalb dieses Mal auch direkt ein Wiederholungskonzert fr den folgenden Donnerstag-Abend angesetzt wurde.
Wer also gestern zu spt gekommen ist, hat heute um 20:15 Uhr noch einmal die Chance, sich den Ohrenschmaus zu Gemte zu fhren.

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