Stimmengewirr aus unzhligen Sprachen. Menschen aus allen Teilen der Erde und aller Altersgruppen sind am letzten Samstag nach Bonn gekommen um sich im Forum Sd der Beethovenhalle ber den Arbeitsmarkt in der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) zu informieren. Bereits zum dritten Mal veranstaltete der Arbeitskreis Lernen und Helfen in bersee e.V. (AKLH), untersttzt vom Bundesministerium fr wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ), die deutschlandweit einzige Fachmesse ber die Arbeit von Fachkrften in Entwicklungslndern.

Insgesamt 60 nationale und internationale Aussteller suchten nach Fach- und Fhrungskrften, informierten ber EZ-spezifische Qualifizierungsangebote sowie Internationale Freiwilligendienste und stellten die Beratungs- und Informationseinrichtungen vor. Die EZ-Beschftigungszahlen steigen und da liegen wir momentan deutlich vor der Automobilindustrie, sagte Michael Schneider, Projektleiter Entwicklungspolitik bei InWent. Dies besttigte Dr. Thomas Fuss vom Deutschen Institut fr Entwicklungspolitik. In den nchsten 30 bis 40 Jahren msse die Weltwirtschaft komplett umgekrempelt werden, unabhngig von den Ergebnissen der Klimakonferenz in Kopenhagen. Man werde sich noch umschauen, in welcher Grenordnung in den nchsten Jahrzehnten Finanzfonds aufgelegt werden um die notwendige strukturelle Transformation umsetzen zu knnen. Also gute Aussichten fr die Messebesucher?

Diese Frage lsst sich nicht so leicht beantworten. Gesucht werden im Durchschnitt eher Leute um die 40 Jahre. Dies liegt nicht an der mangelnden Qualifizierung jngerer Bewerber sondern an der Persnlichkeitsentwicklung, die erforderlich ist um die schwierigen Situationen im Entwicklungsland, bewltigen zu knnen. Junge Studenten und Absolventen, die den grten Anteil der Messebesucher ausmachen, fhlen sich auf der Messe daher reichlich Fehl am Platz.

Yvonne ist extra aus Mnchen angereist. In Freiburg hat sie eine Ausbildung zur Internationalen Touristik Management Assistentin gemacht und danach erst mal zwei Jahre gearbeitet. Anschlieend absolvierte sie an der Uni Passau ein internationales Kulturwirtschaftsstudium. Ich wrde gerne in der Demokratiefrderung arbeiten, auf jeden Fall im politischen Bereich. An den Qualifikationen kann es also nicht liegen: ihr perfektes Spanisch, Franzsisch und Englisch hat sie sich im Studium, bei Praktika und Auslandsaufenthalten zum Beispiel in Frankreich und Sdamerika angeeignet jedoch fehlt einfach die Berufserfahrung. Einige Organisationen wie die Konrad-Adenauer-Stiftung oder die GTZ haben ganz interessante Trainee-Programme. Ich habe Bewerbungsunterlagen dabei aber hier ist es so voll, dass man kaum nach vorne durchkommt. Gleich versuche ich es zum dritten Mal bei der GTZ.

Tatschlich ist die Messe sehr gut besucht. So unterschiedlich wie die Besucher, so unterschiedlich sind auch die Aufgaben und Anforderungen in den verschiedenen Organisationen. Aber nicht jeder sucht hier einen Job. Auch die Nachfrage nach Weiterbildungsangeboten ist sehr gro, gerade weil viele, hnlich wie Yvonne, nicht wissen, wie sie sonst rein kommen. Ulrich Heise, Leiter des Kompetenzzentrums der Gesellschaft fr Technische Zusammenarbeit (GTZ), rt: Ein Studium im Bereich Internationales Management alleine ist zu generalistisch. Wir brauchen Experten, daher sollte ein Fachstudium die Grundlage bilden und dann ein Aufbaustudium fr Internationale Organisationen draufgesetzt werden. Dort bekommt man die Kompetenzen im Projektmanagement vermittelt, die man bei der Arbeit vor Ort braucht.

Wer die Messe verpasst hat findet alle Infos zu sozialem und beruflichem Engagement im Entwicklungszusammenhang sowie aktuelle Stellenanzeigen aller Organisationen auf der Webseite des Entwicklungsdienstes.

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