Es lief nicht alles gut fr den Arbeitskreis Bundesweiter Bildungsstreik 2009 in Kln. Viele Studierende und SchlerInnen haben sich bereits im Vorfeld der Streikwoche ber mangelnde Informationsvermittlung und schleppende Mobilisierung beschwert. Da ist es um so bewundernswerter, wie gut und erfolgreich die letzte Woche dann letztendlich abgelaufen ist.

Doch werfen wir zunchst einen Blick in die Vergangenheit. Das landesweite Bndnis, das zum Bildungsstreik aufgerufen hat, ist bereits im Sommer in Erscheinung getreten. In der Woche vom 15. bis zum 17. Juni gingen deutschlandweit 250.000 Menschen auf die Strae, um fr bessere Bildungsbedingungen zu demonstrieren. So auch in Kln: Eine Demonstration mit 5000 TeilnehmerInnen fand statt, es gab ein Protestcamp auf dem Campus und den Versuch einer Hrsaalbesetzung, die aber nur einen Tag lang gehalten werden konnte.

Plakatieren, Flyern, und kein Ende in Sicht...

Damit es nicht bei einer einmaligen Aktion blieb, wurde fr den jetzigen Monat eine Fortsetzung des Protestes angesetzt. Beginnend mit einer Vollversammlung in der Aula am 10. November, bei der Rckblicke und Perspektiven angesprochen wurden, wurde die konkrete Mobilisierung gestartet. Dabei stand eine Frage im Mittelpunkt: Wie erreicht man die Mehrheit der Studierenden?Genau dort lag auch diesmal der Knackpunkt. Es wurde sptestens nach dieser Vollversammlung offensiv mobilisiert, es wurde plakatiert und geflyert, bis der Campus zugedeckt war mit grellgelben Plakaten.

In noch offensiverer Form sind AktivistInnen auch in Vorlesungen gegangen und haben dort die Standpunkte des Bildungsstreiks deutlich gemacht. Doch vor allem diese Vorgehensweise war auch mit Problemen verbunden. Whrend sowohl Dozierende als auch Studierende sich in einigen Vorlesungen durchaus mit dem Anliegen des Bildungsstreiks identifizieren konnten, wurden die AktivistInnen in anderen Vorlesungen verhhnt und ausgelacht.

Die Vollversammlung endete schlielich mit dem Hinweis auf ein Konzert, das am selbigen Abend stattfinden sollte und dessen Erls denjenigen zugute kommen soll, die beim Bildungsstreik im Juni beim Ausben ihres Protestes in Form einer Sitzblockade in Konflikt mit der Staatsgewalt gekommen sind. Praktische Solidaritt zwischen Studierenden funktioniert also trotz Ellenbogen-Studium.

Studierenden-Proteste?

Nach einer Woche war am 17. November schlielich der Tag der bundesweiten Grodemonstrationen gekommen. Ein kalter, regnerischer Tag, doch der Spruch Regen ist der grte Feind des Demonstranten bewahrheitete sich nur zum Teil. Als sich ab halb Zehn Uhr morgens die DemonstrantInnen auf dem Albertus Magnus-Platz versammeln wurde klar, dass sich zwar fr den Moment weniger Menschen als im Sommer zusammengefunden haben (nach Angaben der Veranstalter zu Beginn der Demonstration ca. 3000), dies aber in Anbetracht der Wetterverhltnisse und dem in Kln ansonsten eher wenig ausgeprgten Demonstrationskultur trotzdem durchaus beachtlich war.

Auf den ersten Blick fiel sofort auf, dass der grte Teil der DemonstratInnen nicht aus Studierenden, sondern aus Schlerinnen und Schlern bestand, die schtzungsweise zwei Drittel der anwesenden Menschen ausmachten. Es war ein beraus buntes Bild, das sich da prsentierte: Menschen jeder Altersgruppe, von Fnftklsslern, die sich ber das Abitur in Acht Jahren und den damit verbundenen, schon frh vorhandenen Lernstress beschwerten, bis hin zu BWL-Studenten, denen die Hrsle zu berfllt sind und denen die Malus-Creditpoints der WiSo-Fakultt zu schaffen machen.

Doch als der Demonstrationszug anfing, sich in Richtung Innenstadt zu bewegen, bewiesen gerade die Schlerinnen und Schler ein gehriges Ma an Aktionismus. So wurde wenige Minuten nach Beginn der Demonstration die Mensa von einer Masse aus ungefhr 300 Schlern gestrmt, in der Hoffnung, dort Menschen anzutreffen, die man dazu bewegen kann mit zu demonstrieren. Dieser Vorgang wiederholte sich an jeder Schule, an der die Demo vorbeizog, deren Route bewusst darauf angelegt war mglichst jede Schule im Innenstadtbereich zu kreuzen und offenbar den Aktionismus der SchlerInnen nutzen wollte.

Dabei kam es schlielich auch zu kleinen Reibereien sowohl mit Lehrerinnen und Lehrern als auch mit der Polizei, die den Demonstrationszug konsequent begleitete. Am Humboldt-Gymnasium hinderte die Polizei die Demonstrierenden daran, das Schulgelnde zu betreten, offenbar auf Anordnung des Rektors. An einer anderen Schule schlossen mehrere LehrerInnen ihre Schlerinnen und Schler in den Klassenrumen ein, um sie daran zu hindern sich an der Demonstration zu beteiligen.

An vielen Schulen stie man jedoch auf groe Resonanz, und so wuchs der Demonstrationszug zwischenzeitlich auf ungefhr 5000 Menschen an. Nachdem die vollkommen friedlich verlaufene Demo schlielich auf dem Bahnhofsvorplatz am Dom endete trieb es jedoch viele Menschen in die U-Bahn nach Hause, was wohl der langen Route und dem Wetter verschuldet war. Ungefhr 40 Menschen lieen es sich aber nicht nehmen, nach der Abschlusskundgebung geschlossen eine Spontandemonstration in Richtung Universitt durchzufhren, untersttzt von Transparenten und einem Soundsystem, um dort in die auf 16 Uhr angesetzte Vollversammlung in der Aula 1 zu ziehen. Dort waren sich alle einig, dass die Aula besetzt werden sollte.

Weiter zum zweiten Teil.

Artikel drucken