Wer mehrfach Probleme damit hatte missliebige Personen aus seinem Haus zu bekommen, der tendiert dazu eben jene gar nicht erst wieder einzulassen. Auf genau diesen Gedanken kamen am vergangenen Wochenende wohl auch einige Leute in Rektorat und Hausverwaltung der Uni Bonn. Zwei Wochen haben sie sich jetzt schon mit Studierenden herumgergert, die partout nicht aufhren wollen, den Hrsaal I im Hauptgebude zu besetzen. Drei Mal wurden sie von der Polizei hinauskomplimentiert beim letzten Mal des Nachts, in Verbindung mit je einer Strafanzeige pro Person.

Unter den Protestlern jedoch machte sich durch die letzte Rumung eine Jetzt erst Recht-Stimmung breit und schon wenige Stunden spter kndigten sie an wiederzukommen. Alles deutete darauf hin, dass der Montag an der Uni Bonn hnlich verlaufen wrde wie der letzte: Nach einer polizeilich verordneten Wochenendpause kommen die verbliebenen Bildungsstreiker zurck und setzen sich im Laufe des Vormittags im Hrsaal I fest. Diesmal jedoch wurde der Plan durch die Hausverwaltung durchkreuzt, die den von den Streikenden bevorzugten Raum verschlossen lie. Die Schlsser wurden verklebt, die Vorlesungen in die Aula verlegt.

Hatte man den Besetzern in der vergangenen Woche noch den nchtlichen Zugang zu den Toiletten verwehrt oder eben die Polizei gerufen, sollten sie diesmal gar nicht erst sesshaft werden. Doch jene Studierenden, die auch nach der dritten Rumung noch nicht genug haben, lieen sich auch von verschlossenen Tren nicht abhalten. Sie schlugen ihr Lager einfach im Gang vor dem Hrsaal auf. Der Infotisch, sonst im Eingangsbereich des Hrsaals positioniert, wurde aufgestellt und Plne fr ein weiteres Vorgehen geschmiedet. Immer unter den misstrauischen Blicken von Mitarbeitern der Hausverwaltung.

ber den gesamten Nachmittag wurde dann fieberhaft getwittert. Ab 16 Uhr Vollversammlung in Hrsaal X !!!, hie es zuerst. Vollversammlung 16 Uhr in Hrsaal 9, wenig spter. So ging es munter weiter. Ein Wettlauf um leer stehende Hrsle im Hauptgebude entbrannte. Das Wachpersonal der Universitt verfolgte die Tweets der Besetzer und sicherte die Tren der genannten Rume. Unterdessen wurde die Vollversammlung im Zeitschriftenleseraum abgehalten, wenige Meter vom Hrsaal I entfernt.

Um dem stndigen Hin und Her ein Ende zu bereiten, haben sich alle Parteien inzwischen auf eine friedliche Lsung geeinigt. Von nun an darf der prestigetrchtige Hrsaal I von den streikenden Studierenden tagsber benutzt werden, bernachtungen soll es allerdings nicht mehr geben. Eine gute Lsung fr alle Beteiligten. Den Streikenden bleiben Rckenschmerzen vom Nchtigen auf harten Hrsaalbden erspart und die Hausverwaltung muss nicht mehr tagelang Falschmeldungen auf Twitter hinterher laufen.

Aussperren hat also nicht funktioniert. doch scheint sich langsam ein Weg gefunden zu haben, der eine Duldung des Protests innerhalb der Uni mglich macht. Das dachten jene Studierenden, die nun wegen Hausfriedensbruch angezeigt sind, allerdings schon letzte Woche.

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