Einen heien Herbst hatten die Organisatoren des Bildungsstreiks versprochen. Und mittlerweile zweifelte wohl niemand mehr daran, dass dieser tatschlich eingetreten ist. Seit nunmehr knapp zwei Wochen werden in ganz Deutschland Hrsle oder (wie zwischenzeitlich zum Beispiel in der Uni Kln) sogar die Aula von streikenden Studenten besetzt. Ihre Forderungen: Abschaffung des Bachelor/Master-Systems in der jetzigen Form, Abschaffung der Studiengebhren sowie mehr Mitspracherecht in allen Hochschulbelangen.

Auch Bonn blieb nicht verschont: bereits am 18. November, dem ersten Tag des bundesweit organisierten Streiks, besetzten Studenten den Hrsaal 1 der Universitt und halten diese Besetzung seitdem aufrecht. Wenn auch mit kleinen Unterbrechungen. In der tagtglich stattfindenden Vollversammlung arbeitete man einen Forderungskatalog aus, den man mit dem Rektorat und den zustndigen Gremien offen diskutieren will.

Nach einer turbulenten Woche der Besetzung (campus-web berichtete) konnte man zumindest die Forderungen an den Rektor bergeben. Da es jedoch bisher noch keine direkten Reaktion gibt und es zu keiner offenen Diskussion kam, harren die protestierenden Studenten weiterhin im Hrsaal 1 aus. Dabei erhalten sie nach eigenen Angaben viel Zuspruch.

Als Beleg dient ihnen dabei eine Unterschriftenliste, die seit einigen Tagen im Hrsaal ausliegt und auf welcher man seine Solidaritt mit den Besetzern und ihren Forderungen ausdrcken kann. Doch nicht nur auf Seiten der Studentenschaft findet sich Untersttzung:
Bereits in der letzten Woche hatten die Protestierenden auch Solidarittsbekundungen von namhaften Organisationen wie zum Beispiel dem Ortsverband der Partei Die Linke bekommen.

Diese war es auch, die einen erneuten Hhepunkt des Streiks auslsten: Zu einer Stadtratssitzung am Donnerstagabend reichten sie einen Eilantrag ein, der forderte, dass sich der gesamte Stadtrat mit den Studenten solidarisieren solle. Am gleichen Abend fand - wie zuvor angekndigt worden war - das erste Abendplenum mit Beteiligung von Dozenten statt. Hierbei wurde deutlich, dass auch das Lehrpersonal keineswegs glcklich mit der aktuellen Situation im Bildungssektor ist und sich mglichst rasche Vernderungen wnscht.

Nach dem Plenum erreichte den Hrsaal die Nachricht, dass der Antrag auf Solidarisierung abgelehnt habe. Ein spontaner Demonstrationszug zum Stadthaus wurde organisiert, wo man mit knapp 80 Beteiligten die Stadtratssitzung aufsuchte. Die Studenten strmten friedlich in den Sitzungssaal und versuchten, eine offene Diskussion zur Bildungspolitik anzuregen. Das Wort wurde ihnen zwar nicht erteilt, dafr wurde aber spontan eine Debatte zur Bildungspolitik in die Tagesordnung aufgenommen und dem Antrag auf Solidarisierung wurde schlielich statt gegeben. Sptestens seit diesem Abend haben die Studenten auch die Aufmerksamkeit der ffentlichen Medien wieder auf sich gezogen.

Aufgrund dieses breiten Interesses ist es auch nicht verwunderlich, dass die Motivation der Besetzer nach wie vor ungebrochen ist: der Hrsaal blieb auch am Freitag weiterhin besetzt, die Arbeitsgruppen arbeiten an weiteren Aktionen. Als nchstes groes Ereignis steht nun der Dies Academicus in der nchsten Woche (Mittwoch, 2. Dezember) an. Und schlielich folgt am 10. Dezember auch noch die Kultusministerkonferenz hier in Bonn, zu der Protestierende aus ganz Deutschland erwartet werden.

Am Samstagmorgen jedoch fand die Besetzung erst einmal wieder ein jhes Ende. Die noch brigen 10 Studenten wurden in den frhen Morgenstunden (nach eigenen Aussagen ohne jegliche Vorwarnung) von der Polizei aufgesucht und mussten das Gebude ber das Wochenende rumen. Dabei wurde wohl auch Strafanzeige gestellt.

Im Internet wurde unmittelbar darauf angekndigt, dass der Bildungsstreik trotzdem in der nchsten Woche weiter gehen werde solange bis die Forderungen der Studenten Gehr finden und erfllt werden. Man kann also davon ausgehen, dass die Besetzung am Montagmorgen wieder aufgenommen wird. Der heie Herbst scheint noch lnger auf eine Abkhlung warten zu mssen

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