Lange wurde darauf hingearbeitet, nun kam es wirklich dazu: Ein Dozent und eine Dozentin der Uni Bonn besuchten den Hrsaal 1. Sie folgten damit einem Aufruf der Studierenden, die seit beinahe zwei Wochen den Hrsaal besetzt halten, um ihren Forderungen nach fundamentalen Reformen in der Hochschulpolitik Nachdruck zu verleihen. Die Dozenten der Universitt waren dazu aufgefordert worden im Rahmen eines Plenums Stellung zu den Protesten zu beziehen und sich einer Diskussion zu stellen. Dieser Bitte kamen am Donnerstagabend Dr. Martin Booms, Lehrbeauftragter am Institut fr Philosophie und die Professorin fr Musikwissenschaft Bettina Schlter nach.

Dr. Booms zog in seiner kurzen Ansprache durchaus Stellung fr das Anliegen der protestierenden Studierenden. Zwar knne er sich nicht mit allen Forderungen identifizieren, dass an der Universitt aber etwas grundstzlich falsch laufe, knne kaum bestritten werden. Er wies mit Nachdruck darauf hin, dass nicht nur die Studierenden, sondern auch das Lehrpersonal stark von Einsparungen und Fehlleistungen im Management der Hochschulen in Deutschland betroffen seien. Seiner Ansicht nach kme die Aufnahme einer wissenschaftlichen Karriere dieser Tage schon persnlichem Heldentum gleich. Besonders im Mittelbau des Lehrkrpers an Hochschulen, seien prekre Arbeitsverhltnisse viel zu oft eher Regel als Ausnahme.

Aus eigener Erfahrung knne er sagen, dass eine Beschftigung im Hochschulbetrieb oft einfach nicht mehr diskutabel sei. Durch Zeitvertrge, Unterbezahlung und das Risiko mit Ende 30 auf der Strae zu stehen, liee sie sich allzu oft nicht mit privaten Lebensentscheidungen vereinbaren. Booms stellte abschlieend fest, dass es ihm weniger um die Untersttzung des Protests eine Gruppe Studierender gehe, vielmehr sei ihm wichtig, dass der Schulterschluss aller an der Universitt Beschftigten gehe. Er beobachte mit Sorge, dass die Unterschiedlichen Gruppen Studierende, Lehre und Verwaltung gegeneinander ausgespielt wrden. Dabei kme es doch darauf an, gemeinsam Flagge zu zeigen, um das Prinzip Universitt zu retten. Hierzu msse eine angstfreie Atmosphre geschaffen werden, damit Dozenten wieder ohne Furcht vor dem Jobverlust Kritik uern knnten. Diese sei nmlich durchaus vorhanden.

Dem Philosophen Booms, der mit langanhaltendem Applaus bedacht wurde, folgte Bettina Schlter. Die Dozentin der Musikwissenschaft war gekommen, um weniger die eigenen Probleme zu schildern, als vielmehr das Gesprch mit den Studierenden zu suchen. In der Diskussion wies sie darauf hin, dass sich die Studierenden nicht allzu sehr auf die groe Reform fokussieren sollten. Viel wichtiger sei es, im direkten Gesprch mit den Dozenten auf Fehler im System hinzuweisen, die schnell behoben werden knnten. So sei in vielen kleinen Schritten sicher eine sprbare Verbesserung der Lage mglich. Auch sei aus ihrer Sicht keinesfalls alles schlecht am Studium im System von Bachelor und Master.

Nach Hinweisen aus dem Plenum, dass Beschwerden, die im Fachbereich direkt geuert wurden, oftmals ins Leere gelaufen seien, ruderte Schlter ein Stck weit zurck. Es sei ihr durchaus bewusst, dass auch das groe Ganze einer Reform bedrfe. Trotzdem sei der beste Ansatzpunkt fr Studierende nach wie vor die Vernderung vor Ort voran zu treiben.

Vor allem Martin Booms gelang es an diesem Abend eindrucksvoll zu beweisen, dass nicht nur Studierende unglcklich mit dem Zustand ihrer Hochschulen sind. Doch ob die Unzufriedenheit unter den Studenten ausreichend gro ist, damit sich noch mehr von ihnen zu Wort melden, ist fraglich. Es wird also spannend, ob noch mehr Dozenten in den Hrsaal 1 kommen werden.

Artikel drucken