Mit einer Spontandemonstration der noch verbliebenen protestierenden Studenten durch die Innenstadt endete am Freitagabend auch in Bonn eine ereignisreiche Woche im bundesweiten Bildungsstreik (campus-web berichtete). Das Fazit der Woche: Sehr viel protestiert, weniger produziert und noch weniger erreicht. Dem Hauptanliegen um ein direktes Gesprch mit dem Rektor der Universitt, Dr. Jrgen Fohrmann, kam eben jener bis zuletzt nicht nach. Weitere Proteste in dieser Woche waren also absehbar.

Entsprechend unbeeindruckt zeigte man sich am Montagmorgen, als pnktlich um 11 Uhr wieder Protestierende in der Universitt erschienen und erneut einen Hrsaal (diesmal allerdings Hrsaal 10, da der zuletzt besetzte Hrsaal 1 verschlossen blieb) besetzten. Die schon bekannte Androhung einer polizeilichen Rumung folgte prompt, wurde jedoch trotz Nicht-Rumung am Abend nicht umgesetzt. Die Studenten blieben auch die Nacht ber.

Im Verlauf des Tages kam es jedoch zu einem ersten Dialog zwischen dem Reaktor und zwei Vertretern der Studenten. Im Zuge dieses Gesprches brachten die Studenten offenbar noch einmal ihre in der Vollversammlung ausgearbeiteten Forderungen vor, zu denen der Rektor jedoch keine weitere Stellung beziehen wollte.

Eines der wichtigsten Anliegen war ihnen dabei die Forderung, dass am Tag der Kultusministerkonferenz in Bonn (10. Dezember), zu der schon im Vorfeld grere Protestaktionen angekndigt wurden, die allgemeine Anwesenheitspflicht aufgehoben wird. Den Beteiligten zufolge wurde dem jedoch eine Absage erteilt und Dr. Fohrmann empfahl den Studenten stattdessen, sich an die Dozenten zu wenden und das Verfahren in dieser Angelegenheit mit Ihnen zu besprechen. Auch fr den Dies Academicus (2. Dezember) stellte der Rektor in Aussicht, dass zumindest fr einen gewissen Zeitraum den Protestierenden ein Hrsaal zur Verfgung gestellt werden knne. Dies ist jedoch noch unbesttigt. Fr den Dies Academicus seien jedoch so oder so grere Aktionen in Planung, verlautete es aus internen Kreisen der Studierenden.

Dass die gegrndeten Arbeitskreise der Streikenden keineswegs unttig sind, kann man schon seit der letzten Woche an den Infostnden um den besetzten Hrsaal erkennen. Hier knnen sich alle Studierenden ber die Forderungen und aktuellen Entwicklungen im Bildungsstreik informieren.

Andere studentische Einrichtungen meldeten sich in dieser Woche ebenfalls zu Wort. So gab der AStA beispielweise Anfang der Woche eine kommentierte Version des Forderungskataloges der Protestierenden heraus. Bereits letzte Woche hatte man sich auf der eigenen Homepage gegen den Streik und insbesondere gegen die Besetzung des Hrsaals ausgesprochen und sich mit dem Rektor der Uni solidarisiert. Am Freitagabend uerte sich der AStA-Vorsitzende Wolfgang Schoop in einem Interview mit dem Uni Radio- Sender RADIO 96 ACHT Bonn in gleicher Hinsicht, bot jedoch den Streikenden auch den offenen Dialog oder die Anmietung eines Hrsaals fr die Vollversammlung an.

Eben diese Vollversammlung findet nach wie vor tglich um 18 Uhr statt, nun allerdings wieder in Hrsaal 1. Die Protestierenden zogen am Dienstag nochmals um und verweilen seitdem wieder Tag und Nacht im Hauptgebude. Mittlerweile wurden die Aktivitten auf Frhstcks-Plena und einen T-Shirt-Verkauf mit Aufdrucken des Bildungsstreik-Logos ausgeweitet. Auch zum Kaffetrinken sind alle Interessierten eingeladen: Solange Bildung noch nicht gratis ist, wirds wenigstens der Kaffee bei uns sein, verknden die Streikenden in ihrem stndig aktualisierten Internet-Blog.

Am Mittwochmittag veranstaltete eine kleine Gruppe von Protestierenden auerdem einen so genannten Flash-Mob: mit knapp 30 Leuten begab man sich in eine U-Bahn und fuhr einige Zeit in der Gegend umher. Dabei machte man mit lauter Musik auf sich aufmerksam und lud die anderen Fahrgste in den besetzten Hrsaal ein. Nach eigenen Angaben waren die Reaktionen zum grten Teil positiv.

Ein kleines Highlight konnte fr Donnerstagabend (26. November) arrangiert werden: im Rahmen des abendlichen Plenums um 18 Uhr werden erstmals auch Dozenten der Fachbereiche Musikwissenschaft und Germanistik zugegen sein. Sie bekundeten bereits ihre Solidaritt mit den Studenten und wollen nun das Plenum zu einer Diskussionsteilnahme nutzen.

Man sieht: Der Bildungsstreik ist in Bonn noch keineswegs ad acta gelegt, sondern scheint im Gegensatz endlich erste fassbare Ergebnisse zu erbringen. Ob diese nun schon als Erfolg bezeichnet werden knnen, liegt in der Sache des Betrachters. Fr die Protestler ist nach eigenen Angaben noch so gut wie gar nichts erreicht. Wir knnen uns also auf weitere Tage mit Turbulenzen und ungewissen Entwicklungen einstellen.

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