|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
Nach wie vor sind die Hörsäle im Juridicum der Universität Bonn überfüllt und der bittere Kampf um einen Sitzplatz geht weiter. Doch der größte Trubel hat sich etwas gelegt, vergleicht man die aktuellen Verhältnisse mit denen zu Semesterbeginn. Ursache des Chaos war der Entschluss der Verwaltung der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn die Zulassung zum Fach Jura erstmals selbst zu übernehmen. Als Resultat erschienen weit mehr Studienanfänger als geplant. Vorgesehen waren 350, jetzt sind es knapp 600 Erstsemester. Grund für die Fehlkalkulation war, dass die Universität sich gegen die kostenpflichtige ZVS Vergabe entschied und es stattdessen auf eigene Faust versuchte. Der Mangel an Erfahrung machte sich jedoch schnell bemerkbar. So gab es diesmal kein Auswahlverfahren unter den Bewerbern. Weder wurde ein Abiturschnitt festgelegt, noch eine sonstige Qualifikation, wie etwa eine spezielle Fächergewichtung, gefordert. Die Verwaltung hat sich selbst überschätzt und nicht damit gerechnet dass jeder seinen Platz in Anspruch nimmt. Aber genau das ist eingetreten und beinah jeder zugelassene Bewerber möchte nun auch tatsächlich seine juristische Karriere beginnen. Dies löste in der Uni-Verwaltung den Ausnahmezustand aus, bei dem Nachtschichten eingelegt werden mussten, um die Anmeldungen für die obligatorischen Arbeitsgemeinschaften durchzuarbeiten. In unzähligen Überstunden versuchten die Mitarbeiter der Fakultät den Fehler des Studiensekretariats auszubügeln. Trotzdem konnten die Arbeitsgemeinschaften für Studenten erst wesentlich später beginnen und auch die Vorlesungen mussten umorganisiert werden. Um das Problem zu lösen, werden Veranstaltungen derzeit simultan von zwei Dozenten gehalten und die Studenten nach dem Alphabet aufgeteilt. Eine konkrete Stellungnahme oder Entschuldigung der Universität gibt es nicht, nur das Statement des Pressesprechers Andreas Archut, der in einem Bericht von Spiegel Online erklärt, dass eine „rheinische Lösung“ gefunden werde. Was immer das bedeuten mag! Die Studenten selbst sind entnervt. “Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben” lautet das gängige Motto in den Hörsälen. Denn wer zu spät kommt, hat tatsächlich keine Chance mehr auf einen Sitzplatz, trotz Simultanvorlesungen. Aufgrund mangelnder Sitzgelegenheiten wären viele Erstis mit einer neuen Campingausrüstung sicherlich besser beraten, als mit der Anschaffung des BGB. Auch Lara W. findet es schade, dass es zu so einem Chaos kommen musste und vor allem, dass die Professoren immer noch mit der Situation überfordert sind. Doch bekannterweise werden sich nach einigen Semestern die Hörsäle wieder leeren, in denen in der Anfangsphase Erstsemester ihren Nachbarn schon quasi auf dem Schoss saßen und sich oft näher kamen als ihnen lieb war. So fürchten sich Suzan und Nimra jetzt schon vor den sogenannten „Aussiebklausuren“. Die Prüfungen sollen noch schwerer werden, um somit wieder Platz zu schaffen. Dieses Gerücht belastet die Studenten sehr und erst nach den Prüfungsergebnissen wird man feststellen können, inwieweit es sich bloß um ein Gerücht handelt. Das ungute Gefühl wird durch die Professoren geschürt, die die Studenten auch als “Systemfehler” bezeichnen. Eine Studentin beklagt sich über diese Einschätzung und findet sie nicht gerecht, da das Verschulden doch auf Seiten der Universität liege. Auch die große Zahl ausländischer Studienanfänger wird von den Professoren stark bemängelt. Ihnen werden schlechte Deutschkenntnisse unterstellt. Dabei mussten diese, wie alle anderen auch, für eine Zulassung die Hochschulreife erlangt haben. Zudem sind vorwiegend sie der Meinung, dass die Professoren sich über das große Interesse an Jura freuen sollten. Viele finden den Juraandrang aber auch sehr hilfreich, da sie in den neu gewonnen Freunden viel Unterstützung und mögliche Lernpartner gewinnen konnten. Die Erstsemester, die Jura allerdings nur als Begleitfach studieren, sind über die derzeitige Situation verärgert. Sie kritisieren vor allem, dass das Studium nun nicht mehr Studentenspezifisch absolviert werden kann. Dies bedeutet, dass die Professoren bei einer solchen Flut an Studenten nicht mehr auf den einzelnen eingehen können. Auch sie befürchten eine Auslesung. Hinzukommend leiden Studenten aus höheren Semestern unter der Überfüllung, da sie als Gasthörer keine Chance mehr haben Vorlesungen wiederholt zu besuchen. Die derzeitige Situation spricht für sich. Mit Hängen und Würgen konnte das Chaos bewältigt werden. So bleibt wenigstens die Hoffnung, dass die Verantwortlichen aus diesen Fehlern gelernt haben und es in Zukunft besser machen werden. Dennoch beschäftigt viele der jüngeren Jura-Studenten nach all den Entbehrungen und der Häme dann doch eine entscheidende Frage: “Wofür zahlen wir eigentlich Studiengebühren, wenn es trotzdem nicht genügend Sitzplätze gibt?”
|