Der seit Dienstag andauernde bundesweite Bildungsstreik hat auch Bonn nach wie vor voll im Griff. Bereits am Dienstag-Vormittag hatten protestierende Studenten den Hörsaal 1 der Universität besetzt. Noch am gleichen Abend kam es zu einem ersten Eklat, als die Hausverwaltung zur Räumung des Saales polizeiliche Hilfe anforderte und den Studenten mit einer Strafanzeige wegen Hausfriedensbruches drohte. Erst nachdem die Polizei den Saal bereits gesperrt hatte, kam es doch noch zu einer friedlichen Einigung und die Studenten verließen die Uni freiwillig. Doch schon am nächsten Vormittag wurde der Hörsaal erneut besetzt. Diesmal gestattete die Universitätsleitung den Protestierenden, auch die Nacht im Gebäude zu verbringen. Zu einem Gespräch mit dem Rektor der Universität, Professor Dr. Jürgen Fohrmann,- welches von Studentenseite gefordert wurde- über die in diversen Diskussionsrunden in der Vollversammlung ausgearbeiteten Forderungen kam es jedoch nicht. Auch am folgenden Donnerstag war von dieser Dialogbereitschaft noch nichts zu spüren, lediglich eine Pressemitteilung wurde herausgegeben (campus-web berichtete). Die Studenten wandten sich daraufhin erneut an das Rektorat und forderten einen Gesprächspartner zur näheren Erläuterung der Pressemitteilung. Nach einer weiteren Nacht der Besetzung kam man dieser Forderung am Freitag schließlich nach und kündigte für elf Uhr den Besuch eines Rektoratsvertreters an. Um kurz vor elf dann die Ernüchterung: der Termin müsse sich leider auf 14 Uhr verschieben. Die streikenden Studenten reagierten zwar enttäuscht, nutzten die Zeit jedoch, um das Universitätsgelände zu durchstreifen und weitere Studenten für die Vollversammlung (die somit auf 14 Uhr verschoben worden war) zu gewinnen. So waren um kurz vor zwei denn auch tatsächlich rund 300 Studenten im Hörsaal 1 anwesend und warteten gespannt, ob die Universitätsleitung den Termin diesmal wahrnehmen würde. Tatsächlich betrat dann pünktlich um 14 Uhr ein Vertreter des Rektorats in Begleitung der Hausverwaltung den Raum und stellte sich den Studenten. Was dann folgte war jedoch weniger produktiv als eher Zeitverschwendung: Nachdem die Studenten der Vertretung eine schriftliche Ausarbeitung ihrer 15-Punkte umfassenden Forderungen übergeben hatten, wurden eben diese noch einmal in kurzer Zusammenfassung für das Plenum vorgetragen, was zu lautem Applaus unter den Protestierenden führte. Danach übergab man das Mikro an die Rektoratsvertretung. Der Vertreter stellte als erstes klar, dass er mit den inhaltlichen Aspekten und Formalien eines Dialogs zwischen Studenten und Universitätsleitung nicht befasst sei und daher auch nicht zur Diskussion bereit stände. Danach zitierte er die tags zuvor veröffentliche Pressemitteilung des Rektorats und kommentierte diese in knapper Form. Hierbei betonte er vor allem das Angebot an die Studierenden, sich einmal im Monat zusammenzusetzen und gemeinsam an konkreten Vorschlägen zur Verbesserung der Lehre zu arbeiten. Schließlich forderte man die Protestierenden auf, den Hörsaal bis 16 Uhr desselben Tages wieder frei zu geben, andernfalls drohe erneut die Räumung durch die Polizei inklusive Strafanzeige. Unter den Anwesenden machte sich daraufhin lautstarker Unmut breit, da für 18 Uhr eine weitere Vollversammlung geplant war. Der Infrastrukturelle Facility Manager (Chef der Hausverwaltung) wiederholte darauf noch einmal, dass die Duldung der Besetzung um 16 Uhr beendet sei und man von diesem Moment an mit Anzeigen wegen Hausfriedensbruch rechnen müsse. Unter lautem Pfeifen und Buh-Rufen verließen die Vertreter danach den Saal. Die zurückbleibenden Studenten zeigten sich aufgebracht und stimmten mit lautem Applaus einer Aufrechterhaltung der Besetzung zu. Ein Mitglied des Organisationsteams des Streiks kündigte an, die Vollversammlung aufgrund der gegebenen Gefahr der Räumung vorzuziehen, was im Plenum allgemeine Zustimmung fand. Die sich nun unmittelbar anschließende Diskussion über mögliche Reaktionen auf diese „Abspeisung“ von Seiten des Rektorats brachte jedoch keine neuen Ideen hervor. Sie beschränkte sich stattdessen auf den Beschluss, den Status Quo aufrecht zu erhalten. Im Verlauf des Nachmittags bekam die Studentenschaft erstmals auch Unterstützung von einer Lehrperson der Universität, welche den Studenten offen ihre Solidarität bekundete. Um 16 Uhr schließlich erklärte die Hausverwaltung die Besetzung wie angekündigt zum Hausfriedensbruch. Da sich die protestierenden Studenten jedoch nach wie vor nicht zum Verlassen des Gebäudes bewegen ließen, wurde wieder die Polizei angefordert. Gegen 17 Uhr wurde den Besetzern so erneut die polizeiliche Räumung angedroht. Wie schon bei der ersten Zwangsräumung am Dienstag lenkten die Studenten letztlich ein und räumten den Saal freiwillig. Vor dem Gebäude dann versammelten sich die rund 200 noch anwesenden Studenten und starteten einen spontanen Demonstrationszug durch die Bonner Innenstadt. Am Bertha-von-Suttner-Platz wurde der Streik dann erst einmal beendet. Nach eigenen Angaben erfuhren die Protestierenden auf dieser Abschlusskundgebung großen Zuspruch von der Bonner Bevölkerung. In einer Abschlusserklärung wurde noch einmal darauf hingewiesen, dass die Forderungen der Studenten noch in keinster Weise erfüllt seien und man sich daher auch weiterhin aktiv für eine Verbesserung der Lehre einsetzen werde. Man kann also davon ausgehen, dass die Streikwelle auch weiterhin nicht vor Bonn Halt machen wird und die nächsten Wochen noch einiges an Turbulenzen mit sich bringen werden.
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