Ganz hoch im Kurs liegen momentan unsere Nachbarn in sterreich, denn Wien lockt nicht nur mit leckeren Schnitzeln und schner Architektur, sondern erhebt auch keine Gebhren fr das Erststudium. Und fr wen Geld kein Problem darstellt, der flieht vor dem deutschen Numerus-Clausus.

An sich ist es nichts Neues, denn deutsche Auslandsstudierende gab es schon immer. Doch momentan ist ihre Zahl so hoch wie noch nie. Dies fhrt in sterreich zu erheblichen Problemen. Die Universitten sind gnadenlos berfllt, die Studienbedingungen verschlechtern sich, da einfach der Platz fehlt, um all die deutschen Flchtlinge aufzunehmen. Deshalb berlegen die Politiker in Wien bereits auch in ihrem Land Studiengebhren einzufhren, um die Flut zu stoppen. An dieser Stelle kurz zwischengefragt: Merkt bei uns eigentlich keiner, dass irgendetwas gewaltig schief luft?

Es ist schon sehr traurig, dass sich die deutschen Studienbedingungen in letzter Zeit anscheinend so sehr verschlechtert haben, dass vielen die Lust vergeht es hier berhaupt erst zu versuchen. Die unerbittliche Bachelor Peitsche treibt uns gnadenlos durch das Programm, die anfallenden Studiengebhren fr jedes Extrasemester verstrken den Druck. Wer in Kln das Glck hatte einen Platz in einem der studentischen Wohnheime zu ergattern muss auch nach sptestens drei Jahren wieder raus. Da berlegt man es sich mit dem Master noch mal ganz genau.

Wenn ein Dozent mal ein nettes Buch zum Vertiefen empfiehlt, kann man darber nur mde lcheln. Platz zum Vertiefen ist in der neuen Studienordnung nicht vorgesehen. Anschaulicher Beweis dafr sind die immer populrer werdenden Lehrbcher Bachelor Wissen. Diese erinnern mit ihrer klaren und bersichtlichen Struktur an die Schulzeit, als die Abstze noch eigene Randberschriften hatten. So schafft es Benedikt Jeing die gesamte neuere deutsche Literaturgeschichte auf 230 Seiten zusammenzufassen. Wenn man das Buch einigermaen drauf hat, so scheint man im neuem Germanistikstudium gut bedient zu sein fr das Kennenlernen der Literatur an sich wird keine Zeit eingerumt.

Doch all diese Probleme sind nur den Glcklichen vorbehalten, die es geschafft haben ein Studium berhaupt erst anzufangen. Nicht unbedacht sollten all diejenigen bleiben, die sich die Studiengebhren einfach nicht leisten knnen, oder keine Lust haben nach dem Studium hochverschuldet dazustehen. Ganz zu schweigen von den noch vllig unbekannten Chancen des Bachelorabschlusses auf dem Arbeitsmarkt. Selbst wenn man bereit ist all diese Hrden auf sich zu nehmen manchmal reicht auch dies nicht. Ein Blick auf die NC Tabelle reicht Studieninteressierten oft, um alle Hoffnung aufzugeben. Die 1,x Werte sind mehr die Regel, als die Ausnahme und die nette Alternative von fnfzehn Wartesemester eher Hohn als Hilfe. Wer wartet auch sieben Jahre auf sein Studium?

Momentan besetzen sterreichische Studenten die Hrsle ihrer Unis. Sie kmpfen gegen die Einfhrung von Studiengebhren und die Erhhung ihrer NCs. Diese geplanten nderungen sind ein Resultat der deutschen Bildungspolitik. Beim bundesweitem Bildungsstreik nahmen in Kln kaum 2.000 Studenten an den Demonstrationen teil. Bei einer Unikapazitt von 40.000 kann dies nur bedeuten, dass wir entweder mit unserem Studium voll und ganz zufrieden sind, oder aber wir sind zu faul und zu bequem, um sich fr eine Vernderung richtig einzusetzen.

Bevor wir anderen ihr Studium vermiesen, sollten wir vielleicht doch lieber unser eigenes verbessern.

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