Jetzt sitzen sie im sonnendurchfluteten Raum I des Historischen Seminars. Zwlf Fachschafter haben alles vorbereitet fr die groe Erffnungsveranstaltung der dreitgigen Erstitage. Sekt, Kekse und Orangensaft stehen auf den Tischen bereit. Die Atmosphre ist gelst.
Einige unter den Fachschaftlern wissen noch zu gut, wie es den Erstis gehen wird. Noch vor einem Jahr saen sie selbst an den Tischen und blickten auf die alten Hasen. Sie wissen von dem Wechselbad der Gefhle, von kommender Frust und Freude.

Ein paar der Neuen warten unten, trauen sich noch nicht nach oben. Als erste betritt schlielich Juli den Raum. Die dreiunzwanzigjhrige ist vor einem Jahr aus Braunschweig hergezogen, hat in Gttingen schon auf BA studiert. Nervs ist sie nicht, sondern blickt freudig den Tagen entgegen.

Eine halbe Stunde spter lernen sic 50 Studenten schnatternd kennen. Das ist auch Ziel der Veranstaltung, teilt uns FS - Ratsvorsitzender Jan mit. Er ist noch keine vier Monate im Amt. Vor zwei Jahren sa er selbst noch an einem dieser Tische. Dort hinten rechts. Da hockt jetzt Dany. Der Zwanzigjhrige kommt aus Niederkassel und freut sich ber das Angebot der Fachschaft und wei jetzt schon, dass er an allem Teil nehmen wird.

Fr viele der Fachschaftler war bereits whrend der Tage klar, dass sie in der Fachschaft mitmachen wollten. Es war schon eine verdammt coole Truppe, die uns da gegenberstand, erzhlt uns Jens. Und ich dachte mir, hey, das was die knnen, kann ich auch. Das macht auch die ganze Mhe wert, die hinter der Planung der Tage stehen. Es ist interessant, welche Einblicke man gewinnen kann in die Interna, in das, was hinter den Kulissen abluft. Jeremy schaut in die Runde und bemerkt dabei: Sehr schchtern, dieser Jahrgang. Erst nach wiederholter Aufforderung trauten sich die Neulinge an die Sektflaschen heran.

Fr den Abend ist noch ein Dozentenabend angesetzt. In festlicher Atmosphre stellen sich den angehenden Historikern die Professoren und Lehrkrfte vor. Dann begegnen und trinken sie mit ihren neuen Dozenten ein Glschen Bier, unterhalten sich gemtlich.

Was halten die Neuen vom Bachelor? Dany sieht keine Vorteile. Fr ihn bedeutet es nur mehr Inhalt auf kurzer Zeit und den Wegfall jeglicher Eingewhnungszeit. Man hat von Anfang an zu funktionieren. ber den Wert des BA hat er hingegen keine Angst. Erst einmal das Studium beenden, und dann kann man weitersehen, so die positive Antwort. Auch bei anderen Erstsemester sind die Meinungen eher geteilt. Im Tenor aber heit es: Augen zu und durch.

Einen Tag spter treffen wir unsere Erstsemester vor der Kneipentour wieder. Bevor es los geht, wird noch das beste Rallyeteam prmiert. Bei der Rallye, einer Art Schnitzeljagd, sollten die Erstsemester Fragen beantworten. An die Gewinnergruppe wurden Preise verteilt. Ein Team stellte sich besonders kreativ an. Die Aufgabe, ein Heft der Bundeszentrale fr politische Bildung zu besorgen, hat sie geschickt gelst: Ein UNICUM Heft, eine gratis Campuszeitschrift, wurde via Kugelschreiber mit einem BPB-Logo versehen.

Auch bei der Kneipentour, einem Rundgang durch die Pubs der Stadt, steht das Kennenlernen im Vordergrund. Juliet, zwanzig, war in ihrem Leben vorher noch nie in Bonn. Sie hat sich einfach eingeschrieben und ist jetzt froh, neue Menschen so einfach treffen zu knnen.
Fr die Fachschaftler gilt die eiserne Regel: Die Fachschaft geht zuletzt. Und so stehen sie noch an der Theke oder tanzen mit den restlichen Erstis, whrend eine Erstsemesterin bereits auf der gemtlichen Toilette des Carpe Noctems eingeschlafen ist.
Dass sie morgen frh das Katerfrhstck vorbereitet haben mssen, gehrt dazu. Dass am nchsten Morgen nur fnf Erstsemester auftauchen werden, um die Erlebnisse der letzten Tage zu reflektieren, auch. Aber so ist das einfach, wenn man Dienst an der ffentlichkeit tut, sagt Alex mit mden Augen scherzhaft.

Fr die Fachschaft ist das alles alltglich, fr die Erstsemester eine neue Welt. Vielleicht werden auch einige der Neuen dafr gewonnen, sich zu engagieren. Nachwuchsbedarf besteht immer. Denn angesichts der verkrzten Studienzeiten finden sich immer weniger Erstsemester, die sich fr ehrenamtliche Arbeit interessieren. Keine Zeit ist die gewhnliche Entschuldigung.

Erwartungsvoll stehen die Fachschaftler am Fenster. Auf den Tischen stehen Brtchen und Belag. Und die Sonne strahlt wieder durch die hohen Fenster des Raum I.

Artikel drucken