Er war Bundeskanzler und Bundesminister, bewunderter CDU-Chef und richtungsweisend fr die Nachkriegszeit. Aber auch ein Konrad Adenauer war mal jung. Eine frhe Station seines Lebens war die Uni Bonn. Von 1896 bis 1901 besuchte er die Friedrich-Wilhelms-Universitt. Seine Aussagen, stets kompetent aber auch oft brisant eindeutig, lassen zustzlich einen unverwstlichen Humor durchblicken. Sie sind heute noch genauso aktuell wie zu seinen Lebzeiten. Ob Durchhalten im Studium, Koalitionsdebatte oder berufliche Erfolgsaussichten, wenn man sich Rat bei Konrad Adenauer holt, sieht alles letztendlich nicht mehr so schlimm aus.


cw: Herr Adenauer, Sie studierten von 1896 bis 1901 in Bonn und legten dort mit Erfolg das Referendarexamen ab, wie haben Sie die Zeit Ihres Studiums erlebt?

Konrad Adenauer: Die Atmosphre, die ich [...] insbesondere in der Arminia (Anm. Red.: katholischer Studentenverein K.St.V. Arminia zu Bonn, Konrad Adenauer war dort seit 1896 Mitglied) gefunden habe, hat fr mein ganzes Leben auf mich eingewirkt.

cw: Sie starteten Ihre berufliche Ausbildung ja auf einem ganz anderen Weg. 1894 begannen Sie eine Banklehre, entschieden sich dann aber doch fr ein Jurastudium, wechselten zweimal den Studienort und gingen letztendlich in die Politik. Wie kann man den heutigen Studierenden, die ja durch Studiengebhren, den sehr schulischen Bachelor-Abschluss und magere Zukunftsvisionen eingeschrnkt sind, Mut machen sich ebenso selbst neue Wege zu erschlieen und sich nicht von diversen Vorgaben verwirren und behindern zu lassen?

Konrad Adenauer: Man darf niemals zu spt sagen. Auch in der Politik ist es niemals zu spt. Es ist immer Zeit fr einen neuen Anfang. Man kann immer seinen Standpunkt ndern, weil dir niemand verbieten kann, klger zu werden. Wenn die anderen glauben, man ist am Ende, so mu man erst richtig anfangen. Fallen ist weder gefhrlich noch eine Schande. Liegenbleiben ist beides.

cw: Also einfach sein eigenes Ding durchziehen, egal ob man damit jemanden vor den Kopf stt ...?

Konrad Adenauer: Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen.

cw: Momentan herrscht in Deutschland ja ein zwiespltiger Geist, was die politische Ausrichtung angeht, bundesweit wird nun durch Schwarz-gelb regiert, in Bonn entschied man sich aber beispielsweise fr einen Brgermeister aus den Reihen der SPD ...

Konrad Adenauer: Keine Experimente. Die Weltgeschichte ist auch die Summe dessen, was vermeidbar gewesen wre.

campus-web: Eine recht eindeutige Antwort, die sie durchaus unbeliebt machen knnte ...

Konrad Adenauer: Ich bin, wie ich bin. Die einen kennen mich, die anderen knnen mich.

cw: Meinen Sie, dass durch die Koalition zwischen CDU/CSU und FDP eventuell der soziale Aspekt, der ja gerade von der oft linksorientierten Studentenschaft stark betont wird, auf der Strecke bleibt? Oder hat die Opposition noch Chancen mit in die Politik einzugreifen?

Konrad Adenauer: Ich bin nicht der Auffassung, da es den Interessen der Gesamtbevlkerung, den Interessen Deutschlands besser gedient htte, wenn man etwa eine Koalition zwischen CDU/CSU und der Sozialdemokratischen Partei eingegangen wre. Ich bin der Auffassung, da die Opposition eine Staatsnotwendigkeit ist, da sie eine staatspolitische Aufgabe zu erfllen hat, da nur dadurch, da Regierungsmehrheit und Opposition einander gegenberstehen, ein wirklicher Fortschritt und eine Gewhnung an demokratisches Denken zu erzielen ist.

cw: In der Uni ist momentan auch die Rede von der finsteren Zukunft, geringe Aufstiegschancen, die Wirtschaftskrise ist ein groes Thema, viele Studenten leiden unter Existenzangst ...

Konrad Adenauer: Es gibt zwei Wege fr den [...] Aufstieg: Entweder man pat sich an oder man legt sich quer.

cw: Also sehen Sie fr jeden eine Chance auf Aufstieg und Erfolg? Ist das nicht etwas unrealistisch?

Konrad Adenauer: Mit kleinen Jungen und Journalisten soll man vorsichtig sein. Die schmeien immer noch einen Stein hinterher - es geht nicht darum, recht zu haben, sondern recht zu behalten.

cw: Wie haben Sie denn diesen unerbitterlichen Willen zum Erfolg und dem eigenen Weg entwickelt?

Konrad Adenauer: Es gibt Dinge, ber die spreche ich nicht einmal mit mir selbst.

cw: Noch einen abschlieenden Rat, der Ihnen besonders wichtig erscheint?

Konrad Adenauer: Nehmen Sie die Menschen, wie sie sind, andere gibt`s nicht.

cw: Herr Adenauer, wir danken Ihnen fr das Gesprch.


Artikel drucken