Zehn Jahre ist es nun her, dass der Bachelor-Studiengang in Deutschland ins Leben gerufen wurde. Wenige Jahre spter erblickte auch der kleine Bruder, der Master-Studiengang, das Licht der Welt. Sehr stolz war man damals. Besonders darber, dass beide bei den Nachbarn so anerkannt waren. Um diese Anerkennung beizubehalten und nebenbei auch die grtmglichen Chancen im harten Wettkampf um zuknftige Jobs zu ermglichen, wurde beiden eine auerordentliche Strebsamkeit verordnet.

Zwar wre es nicht abwegig gewesen, wenn Bachelor und Master ein Engagement im sozialen, knstlerischen oder sportlichen Bereich mit befrdern wrden. Der strenge Stundenplan der beiden lie dies aber einfach nicht zu. Die Studenten der jungen Studiengnge waren darber untrstlich. Sie htten sich gerne abseits der ausgetretenen Bildungswege weitergebildet und auch mal mit Studenten anderer Studiengnge gespielt. Die Kultusminister, die in der Geburtsurkunde als Eltern von Bachelor und Master eingetragen sind, schenkten dem akademischen Nachwuchs jedoch wenig Gehr und berlieen dem neuen Rund-um-die-Uhr-Bildungssystem die Aufzucht.

Das tat seine Sache eigentlich gar nicht so schlecht. Es vermittelte Praktika, schrieb Stundenplne, vermittelte stndig prsente Studienkameraden und zwang zum zielgerichteten Lernen. Was gut gemeint war, machte die Jungakademiker aber zunehmend abhngiger und unselbststndiger. Schlielich wurden die Heranwachsenden der zunehmenden Seltsamkeit der neuen Hochschulprogramme gewahr, begehrten gegen die absonderlichen Bildungsmethoden ihrer Schpfer auf und traten letztlich sogar in den Streik.

Nachdem auch die Nachbarn die Fhigkeiten des deutschen Wissenschaftssystems in Frage stellten, einige Unternehmen mit den merkwrdigen Zglingen wenig anzufangen wussten und die Studenten, wegen zu hohem Stressaufkommen, den Psychiatern reihenweise die Tren einrannten oder gleich ihr Studium abbrachen, fhlten sich die sonst so sturen Verantwortlichen nun zu nderungen in der Ausrichtung der neuen Studiengnge gentigt.

Resultat war die am 15. Oktober veranstaltete Sitzung der Kultusministerkonferenz der Lnder. Hier wurde verabredet in Zukunft doch vielleicht nicht mehr so streng zu den Studierenden zu sein. Diese sollen sich nun gegebenenfalls - lnger Zeit lassen drfen. Auch sollen sie sich wieder etwas mehr persnlich ausleben. Von mehr Wahlmglichkeiten ist die Rede. Zu guter letzt sollen den Hochschulen auch Mglichkeiten zur Reduzierung der Stoffflle und des Verschulungsgrades gegeben werden.

Das sind so ehrbare wie berfllige Vorhaben, die Studenten und Rektoren bereits seit Jahren fordern. Umso mehr gilt es fr die Verantwortlichen von Bachelor und Master sich die gettigten nderungsbekundungen im Sinne einer nachhaltigen und vertretbaren Hochschulpolitik nun auch wirklich zu Herzen nehmen.

Denn erst dann kann man dem derzeitigen Studiensystem zu neuem Leben verhelfen und aus den Problemkindern Bachelor und Magister vielleicht doch noch Vorzeigekinder machen mit denen sich Studenten, Rektoren und Politker gerne sehen lassen.


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