Nach der Wahl ist vor der Wahl. Wie sich die SPD nach der Wahlschlappe aufstellt ist noch nicht abschlieend geklrt. Viel spricht aber dafr, dass die ehemalige Bonner Studierende Andrea Nahles hierbei eine tragende Rolle spielen wird. Im Campus-Web Interview gibt sie Auskunft ber das Bonner Nachtleben, den Bologna-Prozess, den RCDS und warum die Linkspartei nicht regierungsfhig ist.


cw: Frau Nahles, welche spontanen Erinnerungen an Ihre Studienzeit berkommen Sie bei einem Spaziergang ber den Hofgarten?

Andrea Nahles: Ich habe dort oft gelegen, mir die Sonne auf die Nase scheinen lassen, Freunde getroffen. Die Zeit war entspannt und einfach schn. Heute beneide ich mich fast ein bisschen selbst.


cw: Wie stehen Sie zu der infamen Behauptung, dass Bonn eine Abkrzung fr Bundesstadt ohne nennenswertes Nachtleben sei?

Andrea Nahles: Wer nicht feiern kann, soll es nicht auf Bonn schieben, kann ich da nur sagen. Ich hatte jedenfalls kein Problem.


cw: Eigentlich wollten wir in unserer Alumni-Rubrik ja auch nur ebensolche interviewen. Aber so ganz abgeschlossen mit Ihren Studien haben sie ja noch nicht. Wie steht es denn um Ihre Promotion?

Andrea Nahles: Die habe ich nach der Entscheidung, die Bundestagswahl 2006 um ein Jahr auf 2005 vorzuziehen, aufgegeben. Leider. Ich schaffe es neben meinem Job aber nicht mehr.

cw: Sie lieen sich, verglichen mit den neuen Bachelor und Master-Studenten, bei ihrem Studium ausgiebig Zeit. Wie beurteilen Sie die heutige Studiensituation, bei der die Studierenden einem besonders groen Zeitdruck ausgesetzt sind und nebenbei noch Studiengebhren erjobben mssen?

Andrea Nahles: Zunchst einmal mssen die Studiengebhren abgeschafft werden, um Bildung unabhngig von der finanziellen Situation der Eltern mgliche zu machen. Wir wollen zudem ein modernes BAfG mit Rechtsanspruch, das der Lebensrealitt der Studierenden gerecht wird. Der Bologna-Prozess ist ja grundstzlich zu begren. Wir mssen ihn jedoch kritisch berprfen und dafr sorgen, dass Fehlentwicklungen korrigiert werden. Wir wollen fr die Studierenden mehr Wahlfreiheit, entschlackte Studienordnungen und eine verbesserte Praxisorientierung ermglichen. Wir wollen, dass nationale und internationale Mobilitt im Studium Realitt wird. Alle Bachelor-Absolventen, die dies wollen, sollen auch ein Master-Studium machen knnen. Und schlielich muss auch politisches Engagement mglich sein, auch auf die Gefahr hin, dass individuelle Studienzeiten dadurch lnger werden.

cw: Aus Ihrer Erfahrung als ehemalige Bonner Studierende und als arbeitsmarktpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. Wie stehen denn die Chancen nach einer Ausbildung an einer der Bonner Hochschulen einen guten Job zu finden, der das kostenreiche Studium rechtfertigt?

Andrea Nahles: In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass Hochschulabsolventen gegenber anderen Qualifikationsgruppen auf dem Arbeitsmarkt klar im Vorteil sind: Die Zahl der arbeitslosen Akademiker ging 2008 das fnfte Jahr in Folge zurck. Neben dem deutlich geringeren Risiko arbeitslos zu werden, bieten sich Akademikern im Vergleich zu geringer Qualifizierten in der Regel bessere Verdienstmglichkeiten. Auch wenn der Einstieg ins Berufsleben fr Akademiker nicht immer leicht ist, ein Studium abzuschlieen lohnt sich also. Seit Jahren haben wir es mit einem Trend zur Hherqualifizierung im Beschftigungssystem zu tun und dieser wird sich auch in den nchsten Jahren fortsetzen

cw: Als ehemalige Studentin der Universitt Bonn haben Sie sicher auch viele AstAs kommen und gehen sehen.
Wie sehr grmt es Sie, als berzeugte Sozialdemokratin , dass nach langer Zeit der RCDS wieder das Szepter im Studierendenausschuss der Universitt Bonn schwingt?

Andrea Nahles: Wenn der RCDS immer noch so ist, wie zu meiner Zeit: Sehr!

cw: Auf AStA-Ebene sind Koalitionen von JuSo und linken Gruppierungen nichts Auergewhnliches. Wie stehen die Chancen, dass es in Zukunft zu einer hnlichen Koalition auf nationaler Ebene kommt?

Andrea Nahles: Wir haben auf Bundesebene eine klare Festlegung, dass es nach dem 27. September kein Regierungsbndnis mit der Linkspartei geben wird. Das hat vor allem inhaltliche Grnde, etwa in der Europapolitik. Die Linke hat gerade gegen den Lissabon-Vertrag geklagt, obwohl dieser viele demokratische Fortschritte bringt. Bei allen seinen Schwchen ein wichtiger Schritt fr Europa. brigens, es gibt bei denen intern lngst keine Einigkeit darber, dass die berhaupt regieren wollen. Also die Zeit ist dafr auf Bundesebene nicht reif.

cw: Frau Nahles, wir danken Ihnen fr das Gesprch.


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