Wie bekannt wurde, ermittelt die Staatsanwaltschaft Kln auch gegen Angehrige der Universitt Bonn, die im Verdacht stehen, sich im Zusammenhang mit Promotionen rechtswidrig verhalten und Zahlungen entgegen genommen zu haben. Nhere Informationen zu Zahl, Stellung oder Identitt der Verdchtigten gibt die Staatsanwaltschaft derzeit nicht preis. Rektor Professor Dr. Jrgen Fohrmann drngt auf eine rasche Aufklrung und hat den Ermittlern die volle Untersttzung der Universitt zugesagt.

Unter Verdacht stehen bundesweit rund 100 Flle, darunter 16 an Universitten in Nordrhein-Westfalen, wie das Wissenschaftsministerium heute bekannt gab. Rektor Fohrmann erwartet nun rasch nhere Informationen von Seiten der Staatsanwaltschaft Kln. In einer ersten Reaktion sagte er: "Wir dulden an unserer Universitt keine kriminellen Machenschaften. Sollte sich der Verdacht erhrten, werden wir das Fehlverhalten mit all unseren Mglichkeiten ahnden - schon allein im Interesse der berwltigenden Mehrheit der anstndigen und aufrichtigen Wissenschaftler und Hochschullehrer." Gleichzeitig betonte der Rektor, der Fall sei im Universittsbetrieb nicht zuletzt dank transparenter Promotionserfahren und flankierender qualtittssichernder Manahmen eine absolute Ausnahme.

Professor Fohrmann ruft die Bonner Fakultten und Hochschullehrer dazu auf, die hohe Qualitt der Promotionsverfahren einer international operierenden Forschungsuniversitt weiter zu steigern. An der Universitt Bonn gelten schon heute strenge Qualittsstandards. Die sieben Bonner Fakultten bringen jhrlich rund 600 Promotionsverfahren zum Abschluss. Die konkrete Ausgestaltung obliegt der jeweiligen Fakultt und trgt den verschiedenen Fcherkulturen Rechnung. "Unabhngig von der Disziplin gelten aber diesselben akademischen Spielregeln", sagt der Rektor. So sorge das Mehr-Augen-Prinzip ebenso fr mehr Transparenz im Promotionsverfahren wie verpflichtende Erklrungen zur Eigenstndigkeit der Forschungsleistung und die Verffentlichung jeder Dissertation.

Mehr-Augen-Prinzip

An der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultt beispielsweise, an der jede dritte Bonner Promotion vollzogen wird, leitet ein Promotionsausschuss unter dem Vorsitz des Dekans alle Promotionsverfahren, entscheidet ber die Zulassung von Kandidaten und setzt fr jedes Verfahren vierkpfige Promotionskommissionen ein. Sie besteht aus dem Betreuer, einem Zweitgutachter sowie einem fachnahen Mitglied und einem Mitglied eines benachbarten Fachs.

Ausdrcklich lobt der Rektor die Initiative der Philosophischen Fakultt, dem Promotionsverfahren einen gesichterten Rahmen zu verleihen. Hier werden schriftliche Betreuungsvereinbarungen zwischen den Promovenden und ihren Betreuern geschlossen und von der Fakultt dokumentiert. In den Vertragswerken sind Rechte und Pflichten beider Seiten klar festgelegt. Jeder Vertrag wird von Promotionsbros geprft und vom Dekan genehmigt; dabei ist die Einhaltung der in der Promotionsordnung vorgesehenen Regeln Voraussetzung.

Verbund von Graduiertenschulen etabliert

Auch die strukturierte Doktorandenausbildung nimmt an der Universitt Bonn einen immer breiteren Raum ein. Bereits heute werden zahlreiche Nachwuchswissenschaftler im organisatorischen Rahmen von Graduiertenschulen zur Promotion gefhrt. Zu ihren vielen Vorteilen zhlen ein transparentes Verfahren von der Aufnahme des Kandidaten bis zum Abschluss der Promotion, strenge Auswahlverfahren, ein geregeltes Betreuungsverhltnis und ergnzende, themenbergriefende Lehrprogramme. Die Bonner Graduiertenschulen sind zur weiteren Qualittssicherung im universittsweiten Verbund "Bonn International Graduate Schools" (BIGS) zusammengefhrt worden. Ein Sprecherrat wirbt fr die Einrichtung von weiteren Graduiertenschulen und gibt die bereits gesammelten Erfahrungen an andere Fcher weiter. ber die Aufnahme einer Graduiertenschule in den Verbund BIGS entscheidet das Rektorat.

Artikel drucken