Vor der Aula ist der Andrang bereits eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn gro. Das berwiegend sehr junge Publikum besetzt gut ein Viertel der Sitzpltze im vorderen Bereich. Daneben sind es wohl hauptschlich Familien, die sich an diesem Sonntagnachmittag zwei Stunden Zeit nehmen, um sich von physikalischen Phnomenen begeistern zu lassen und so manche Gromutter scheint auch mit dabei zu sein. Dazwischen finden sich interessierte Erwachsene, eventuell zum Teil Lehrer, die sich vielleicht Anregungen fr den eigenen Unterricht holen wollen. Wie die Organisatoren schon in der Ankndigung schreiben: die Zielgruppe sind Kinder zwischen zwlf und 99 Jahren.

Die Musik verstummt, das Licht geht aus, die Show beginnt. Die beiden Physikreisenden Martin und Ludmila treten auf, begeben sich sogleich ins Raumschiff und machen sich auf die Reise durch den Weltraum. Hierbei darf natrlich das Handtuch nicht vergessen werden, das laut Ludmila, die ja eigentlich gar kein Mensch ist, sondern Auerirdische auf jeder Weltraumreise das wichtigste Utensil darstellt. Schnell wird klar, wer hier fr die Rahmenhandlung Pate gestanden hat wie es der Titel der Veranstaltung ja auch schon mehr als deutlich vermuten lsst. Die Reiseziele werden also mittels eines elektronischen Reisefhrers ausgewhlt, der sie ber eine Leinwand vorstellt.

Jeder Planet, der angesteuert wird, hlt neue Phnomene bereit. Dabei werden physikalische Themengebiete durchschritten, indem Versuche zur Elektrodynamik, Mechanik, Akustik und Thermodynamik vorgefhrt und erklrt werden. Nicht selten wird so auch der Nutzen fr den Menschen deutlich, den er aus der Kenntnis physikalischer Prozesse zieht. So lernt Martin, dass man eine Spielkonsole allein durch eigenes Strampeln zum Laufen bringen kann, dass ein Elektronenstrahl in der Lage ist, eine Kerze auszulschen und dass sich eine Salzgurke (ja, eine Salzgurke!) wunderbar zum Leuchten bringen lsst.

Doch nicht nur die beiden Reisenden, auch das Publikum staunt und lernt. Martin und Ludmila schlpfen bisweilen in die Rolle der er- und aufklrenden Moderatoren. Beispielsweise, wenn es darum geht zu zeigen, dass man eine Metallplatte so zum Schwingen bringen kann, dass auf ihr ausgestreuter Sand ein spezifisches Muster bildet; oder wenn flssiger Stickstoff Seifenblasen haltbar macht; oder aber wenn der unermdliche Showmaster des Vergngungsplaneten Las Mechanikas den beiden weismachen mchte, dass der Ausbruch eines Geysirs auf reiner Magie beruht.

Die Show bietet also nicht nur sympathische Unterhaltung, sie fhrt auch das ein ums andere Mal beim Publikum zum Lern- oder besser noch: Aha-Effekt. Und das Material ist so aufbereitet, dass man auch als naturwissenschaftlicher Laie gut dahinter steigt. In der Pause gibt es die Mglichkeit, vor der Aula einige Versuche selbst durchzufhren. Besonders die Kinder ben sich hier als Physikernachwuchs, und das mit groer Begeisterung, denn obwohl so mancher Versuch vielleicht auch in der Schule seinen Platz findet, so ist es doch hier auerhalb des Unterrichtes etwas anderes: wo erhlt man schlielich schon einmal die Chance, Videospiele mit Fahrradfahren zu verbinden? Und auerdem ist in manchen Schulen nicht nur guter, sondern berhaupt Physikunterricht eher selten geworden.

Die Physikshow, die unter der Obhut von Prof. Dr. Herbert Dreiner und mit Hilfe von Michael Kortmann von Bonner Studierenden der Physik auf die Beine gestellt wird, begeistert schon seit 2001. Und das nicht nur live, sondern auch online: Als Anfang 2007 Videos mit Experimenten aus der Show bei YouTube ins Internet gestellt werden, haben bereits nach zehn Tagen 220.000 Menschen die Clips angesehen. Doch nicht blo von der Internetgemeinde gibt es positive Resonanzen: Im Oktober 2006 erhlt Die Physikshow den Alumni-Preis der Universitt Bonn, der immerhin mit 1.000 Euro dotiert ist. Und Ende Juli dieses Jahres ist es sogar die European Physical Society (EPS), die der Show mit dem HEPP Division Outreach Prize eine internationale Auszeichnung verleiht. Und die hat sie sich redlich verdient.

Durch die Aula schwebende Rauchringe, bis zur Decke hpfende Flummis, glhende Lichtschwerter, eine raketenbeschleunigte Supraleiterbahn und das wohlig durch die Luft surrende Ballontier Wolfgang das alles ist nicht nur publikumswirksam und weckt gerade bei Kindern Begeisterung fr die Naturwissenschaften, sondern es zeugt vor allem davon, dass die Bonner Physikstudenten Wissenschaft mit Lust, Leidenschaft und Kreativitt betreiben. Denn auch wenn zum Ende der Show die 42 als khle Antwort auf alles an der Leinwand prangt: auch Physik ist irgendwo eine Herzensangelegenheit.


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