Schreiben will gelernt sein. Werbetexten muss gelernt sein. Denn einfach ist es nicht, auf brilliante Sprche und Slogans zu kommen, die in ganz Deutschland oder gar weltweit die Runde machen. Wer kennt nicht: Wohnst du noch oder lebst du schon? Oder: Das kleine Frhstckchen. Was mit Handzetteln fr Wundermittel im Mittelalter begann, ist heutzutage in den Medien perfektioniert. Eine Arbeitswelt, in der sich Germanisten heimisch fhlen knnen. Aber bringt das Studium auch Vorteile?

Das Handwerk eines Werbetexters lehrt - neben anderen Institutionen deutschlandweit - die Texterschmiede in Hamburg. Als eine geistreiche Verfhrung unter Zeitdruck wird dort das Texten bezeichnet. Wer Ideen hat, muss sie auch in Worte fassen knnen. Und zwar schnell. Somit wird der Aufnahmetest fr alle Bewerber an der Texterschmiede zur allerersten Hrde. Doch wer diese Herausforderung bezwingt, hat einen Job in einer Agentur so gut wie sicher, wirbt die Schmiede auf ihrer Homepage. Zwei Germanistik-Studenten, die nun an der Texterschmiede lernen, erzhlen uns von ihren Erfahrungen.

Sich frei machen von der Linguistik-Grammatik-Literaturwissenschaften-Geschichte

Alex G. hat an der Uni so ziemlich alles ausgekostet, was mglich ist. Ein bunter Mix aus Fchern - von Germanistik, Geschichte und Biologie zur Arboristik - brachte ihn letztendlich zu dem Schluss, dass studieren einfach nichts fr ihn ist. Statt dessen folgte er dem Vorschlag einer Freunden, sich bei der Texterschmiede zu bewerben. Werd doch Werbetexter! Du laberst doch eh den ganzen Tag Mist. Aufschreiben, Geld verdienen, war ihr berzeugender Grundgedanke. Also rasch unter die Dusche - denn wo sprieen die Ideen besser als dort? - und ab die Post mit den Unterlagen.

Germanistik studiert zu haben, meint Alex allerdings, hilft wenig beim Werbetexten. Wenn man sich mit Sprachen ernsthaft auseinander gesetzt hat, hat man immer diese ganze Linguistik-Grammatik-Literaturwissenschaften-Geschichte im Hinterkopf. Das kann manchmal ziemlich einengen. Als Werbetexter muss man sich davon frei machen. Man sollte einfach ein bisschen ein Rad ab haben, erklrt Alex.

Neben dem notwendigen Talent ist auerdem eine gewisse Empathie unerlsslich. Als Werbetexter muss man sich in den Kunden und den Konsumenten hineinversetzen knnen. Am Ende des Tages muss man etwas geschrieben haben, was der Konsument hren will. Da helfen seiner Ansicht nach Kurzgeschichten und Essays nicht weiter. Baseball ist da eher ein bisschen wie Werbetexten: Du bekommst etwas zugeschmissen und musst zusehen, dass du es richtig erwischst. Wenn das daneben geht, musst du die Beine in die Hand nehmen, um das Ding noch zu schaukeln.

Fr Alex ist der Beruf Werbetexter erstmal das Richtige - sei es nun mit oder ohne Germanistik-Studium. Und die Zukunft? Der groe Plan ist eine eigene Agentur. Und wenn das nicht klappt, wird er eben Hausmann, der mit dem Nachwuchs angeln geht. So weit so gut. Knnte er die Zeit zurckdrehen wrde er auch nur eines ndern wollen: Ich htte 1996 keine roten Haare gehabt.

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