Strahlender Sonnenschein, strahlende Eltern, strahlende Absolventen, die bald Manager, Richter, Tagesthemen-Moderatoren und Universittsprofessoren sind. So stellt man sich an der Uni Bonn offenbar die Absolventenfeier vor, die am vergangenen Samstag zum fnften Mal stattfand. Mit der Realitt hat dieses Bild nicht so viel zu tun.

Natrlich arbeiten im Organisationsteam Profis, Menschen die wissen, was sie tun. Deswegen schaffen sie es, eine schne Feier zu organisieren. Der Hofgarten ist traumhaft, um die Kulisse des Universittsschlosses beneidet uns das akademische Deutschland. Dennoch bleiben viele Fragen offen, die im Trubel untergehen.

Da wre zum Beispiel die des Gelndes. Die vergangenen Jahre haben gezeigt: Was Fuballer, Jongleure, Unwetter und Weltjugendtage nicht schafften erledigt das Festzelt mit links. Die nachhaltige Zerstrung der Hofgartenwiese trbt den Eindruck des eigentlich wunderschnen Gelndes und reduziert das Sitzplatzangebot auf der Wiese dramatisch wer will sich schon auf ein traurig wirkendes Schlamm-Grasbschel-Gemisch setzen?

Und natrlich stellt sich auch die Frage nach dem Sinn einer Festveranstaltung, die trotz steigenden Teilnehmerzahlen ein Fremdkrper ist. Im Wintersemester 2004 konnte die Universitt 4.000 Erstsemester begren. Wenn jetzt 900 Absolventen anwesend waren, spricht das eine ebenso deutliche Sprache wie die Tatsache, dass noch Anfang Juni per Mail um Anmeldungen gebeten und sogar die Anmeldephase verlngert wurde. Vielen ist wohl beim Gedanken daran, mit einem Talar durch die Innenstadt zu ziehen, unwohl. Vielen ist es einfach egal. Aber ein groer Teil ist schon gar nicht mehr in Bonn.

Eine Absolventenfeier funktioniert nmlich nur, wenn man dort wirklich den Abschluss seines Studiums feiert. Diejenigen, die jetzt aufgerufen waren sich fr die Feier anzumelden haben irgendwann in den letzten 12 Monaten ihren Abschluss gemacht und sollen jetzt noch einfach zur Uni zurckkehren? So ein aufgesetztes, zeitlich freistehendes Fest funktioniert einfach nicht. Da hilft es auch nicht, dass Universittsrektor Jrgen Fohrmann davon sprach, dass die zahlreichen Kontakte, die Sie whrend ihrer Bonner Zeit geknpft haben, nicht mit dem Studienende abreien, sondern erhalten bleiben und wachsen sollen. Unklar bleibt, inwiefern ein einen Tag dauerndes Fest Studiumsfreundschaften festigen und erhalten kann gerade im Zeitalter von StudiVZ, Facebook und eMail wirkt das reichlich altbacken.

Spannend drfte auch die Zukunft des Festes sein. In diesem Jahr beenden die ersten Bachelor-Jahrgnge ihr Erststudium. Nur ein Bruchteil von ihnen soll einen weiterfhrenden Master-Studiengang besuchen. Der Rest soll im nchsten Juli, also 10 Monate nach seinem Abschluss, zu einem Fest an die Universitt zurckkehren, die ihnen eine weitergehende akademische Karriere verweigerte.

Mit Talaren, Absolventen-Ball (mit festlichem Anzug oder Smoking!) und der bergabe von Urkunden in lateinischer Sprache wirkt das Fest wie ein Relikt aus alter Zeit, eine Tradition, die man aufgrund der Autoritt ihres Alters nicht in Frage stellt. Dabei findet diese Veranstaltung erst zum fnften Mal statt. Jetzt bleibt ein Jahr um zu berlegen, ob man es nicht dabei belassen sollte.

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