Gestern sollte Guido Westerwelle im Juridicum einen Vortrag halten. uerst kurzfristig wurde dieser vom Rektorat wieder abgesagt aus formalen Grnden. Jetzt wird gestritten und beide Seiten haben gute Argumente.

Noch stehen die Plakate berall herum. Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle, seines Zeichens Absolvent der Bonner Universitt, soll im Juridicum sprechen. Thema: Was Deutschland jetzt braucht. Doch da sind noch hektisch aufgeklebte Zettel auf den Bannern: Die Veranstaltung ist abgesagt.

Kern des Problems ist eine alte universittsinterne Regelung: Sechs Monate vor groen Wahlen drfen keine Politiker mehr in Rumen der Uni auftreten. Damit soll verhindert werden, dass die Neutralitt der Institution angezweifelt wird. Wahlkampf gerne, aber nicht in unseren Rumen, lautet die Botschaft.

Unstrittig ist, dass der Zeitpunkt der Absage alles andere als optimal war. Erst drei Tage vor dem eigentlichen Termin fiel auf, dass die Regelung den Vortrag verbietet. In so kurzer Zeit waren die Jungen Liberalen, die als Veranstalter fungieren, offenbar nicht in der Lage, einen anderen Ort aufzutreiben. Und so musste die Veranstaltung abgesagt werden. Westerwelle lie zerknirscht ausrichten, man solle lieber mit Politikern diskutieren anstatt sie auszusperren.

Das greift natrlich zu kurz. Wenn Guido Westerwelle seine Rede mit Was Deutschland jetzt braucht betitelt und gro mit seinem Konterfei geworben wird, ist das sicher kein Beitrag zur akademischen Bildung, sondern schlicht Wahlkampf. Hierfr gibt es genug andere Orte, die in den kommenden Wochen und Monaten bis zur Bundestagswahl am 27. September in den Fokus rcken werden.

Dennoch bleiben Fragen offen. Zum Beispiel, warum der umstrittene Bundesinnenminister Wolfgang Schuble vor kaum mehr als einem Monat noch mit groen Ehren empfangen wurde und durchaus auch Werbung in eigener Sache betreiben konnte. Oder wie diese Regelung damit zusammenpasst, dass am 24. Juni die vier Bundestagswahlkandidaten Katja Drner, Stephan Eisel, Ulrich Kelber und Paul Schfer eine Elefantenrunde in genau dem Hrsaal abhalten durften, in dem Westerwelle nun nicht auftreten durfte.

Es ist klar, dass Letztgenanntes ein Sonderfall ist, weil alle Bundestagsfraktionen (pikanterweise mit Ausnahme der FDP) beteiligt waren und es so zu einer konstruktiven Diskussion kommen konnte. Dennoch fehlt hier eine eindeutige und offene Klrung, was in der Universitt an politischer Verlautbarung erlaubt ist und was nicht. Sonst leiden am Ende alle darunter: Die engagierten Fachschaften und politischen Hochschulgruppen als Veranstalter, die ein- und ausgeladenen Politiker und vor allem die Glaubwrdigkeit der Universitt Bonn.

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