Georg Franke
   
 

Bastiane Franke langjhrige Regisseurin,
Dozentin und Festivalkuratorin an der Studiobhne
mit Georg Franke beim Abschiedsfest
   
cw: Erinnern Sie ich an den ersten Eindruck, den Sie von der Studiobhne hatten?

Georg Franke: Ja, aber das war ja gar nicht hier. Die Studiobhne war frher im Hauptgebude der Uni und zwar im Hrsaal VII, das ist ein ganz alter, holzvertfelter Hrsaal gewesen, gegenber des heutigen Hrsaal II. Der Hrsaal VII ist dann spter ein Brandkatastrophe zum Opfer gefallen. In diesem Raum war alles aus Holz, Holzbnke und auch eine kleine Bhne und dort fand dann die Regiebung mit dem Ziel einer Studioauffhrung statt. Im ersten Semester war ich natrlich direkt dabei.

cw: Bereits 1970, nach gerade einmal drei Jahren Ihres Studiums, bernahmen Sie die Leitung der Studiobhne. Wie kam es dazu? Hatten Sie zu diesem Zeitpunkt berhaupt schon ihren Abschluss gemacht?

Franke: Als ich kam, war gerade der langjhrige Leiter der Studiobhne, Prof. zur Nedden, emeritiert und der ehemalige Generalintendant des Schauspielhauses Dortmund bernahm diese Stelle. Er war jedoch nur einmal die Woche zur Regiebung anwesend. Und schon bald brauchte er jemanden, der das organisierte und seine Arbeit vorbereitete. Da wurde ich dann, ich glaube im dritten oder vierten Semester, sein Assistent und habe nachher, als er die Studiobhne verlie, ich schtze so in meinem siebten Semester, die Geschftsfhrung der Studiobhne bertragen bekommen.

cw: Sie sind also in die Arbeit an der Studiobhne frmlich hineingewachsen.

Franke: Ja, es war so, dass im Umfeld der einzelnen Gruppen, die sich an der Studiobhne ausprobierten, auch immer wieder neue Projekte gemeinsam entstanden. In dieser Zeit vernderte sich in der Theaterlandschaft generell unheimlich viel, es gab zumindest gefhlt vllig neue Formen von Krpertheater, von Gruppendynamik. Und wir haben dann versucht, neben den Treffen an der Studiobhne diese Dinge auszuprobieren. Dazu gehrten auch Experimente mit Film und Video, so dass wir auch mit Leuten von anderen Hochschulen kooperiert haben und sich ganz organisch immer neue Projekte ergaben.

cw: Aber trotzdem haben Sie sich ja speziell fr das Theater entschieden. Worin liegt fr Sie der Reiz des Theaters? Warum fasziniert sie das Theater mehr als andere Knste?

Franke: Das ist das Unmittelbare am Theater. Das Spezifische am Theater ist ja, dass es nur Sinn macht, wenn beide da sind: Akteure und Publikum. Und spannend ist vor allem das Prozesshafte. Einmal der Produktionsprozess: Das ist eine sehr kommunikative Arbeit, die auch hart sein kann, mir aber immer sehr viel gegeben hat. Und das zweite ist dann, in dieser gemeinsamen kreativen Arbeit zu Ergebnissen zu kommen, die man fr vorzeigenswert hlt und die man dem Publikum dann prsentiert das ist unheimlich aufregend. Wenn es dann auch das Publikum aufregt, anregt, auch emprt meinetwegen, ist das Stck gut gelungen. Es entsteht ein Knistern im Raum. Das Spannende am Theater ist, dass es anders als im Film ein Geben und Nehmen ist, ein interaktiver Prozess zwischen Zuschauer und Schauspieler der den Schauspieler auch ganz schn runter holen kann, wenn er Ablehnung sprt. Diese interaktive Arbeit macht einfach Spa, weil sie permanent anders ist. Ich htte nie einen Beruf ergreifen wollen, indem sich die Dinge wiederholen.

cw: Sie kamen im Jahr 1967 zum Studium der Theaterwissenschaft, Politik und Philosophie nach Kln und begannen direkt an der Studiobhne zu arbeiten. Welche Bedeutung hatte das Theater fr Sie als Student der 68er? Beteiligten Sie sich an den Studentenprotesten dieser Jahre?

Franke: Das Theater war einfach unser Medium und wir haben durchaus auch die ein oder andere Protestaktion mit theatralen Mitteln unterstrichen, haben versucht, unmittelbares politisches Theater zu machen oder Happenings. Das war natrlich auch die Zeit, whrend der in der Kunst tolle Sachen passierten, die Performance Art entwickelte sich usw. Fr uns war das schon sehr wichtig. Wir sind zum Beispiel zum Nikolaustag kostmiert durch die Uni gezogen und haben umgetextete Lieder gesungen: Leise rieselt der Kalk, Professoren sind alt. Und wir haben in der Fugngerzone mit politischen Themen Straentheater gemacht.

cw: Wie beurteilen Sie die Rolle der Studiobhne heute im Zuge der Studienreformen?

Franke: Ich haben den Eindruck, dass dadurch allgemein wieder mehr praktische Arbeit stattfindet. Wir sind auch im Gesprch mit den Dozenten der Medienwissenschaften, so dass in unserem Kursen durchaus auch Credit Points erworben werden knnen. Aber dennoch sind die unabhngigen knstlerischen Projekte an der Studiobhne von groer Bedeutung und diese sollten auch nicht durch eine Verzahnung mit der universitren Lehre ersetzt werden. Experimentelle Projekte, die keinem Leistungszwang unterstehen, sind fr die kreative Arbeit und die Freiheit der Kunst sehr wichtig.

cw: Ein Freund und Kollegen von Ihnen hat einmal Ihr Arbeits-Motto mit folgenden Worten zitiert: Volles Risiko im freien Fall aber formvollendet. Was bedeutet das genau?

Franke: Wir haben einmal ein Logo entwickelt, das ein Foto von einer Kunstspringerin zeigt. Man sieht eine Person, die mit ausgebreiteten Armen und in einem uerst elegantem Flug in den leeren Raum abgebildet ist. Dieses Bemhen um Formvollendung und Schnheit und gleichzeitig der Sprung ins Leere, der alle Risiken birgt, das fanden wir sehr schn. Inhaltlich ist damit die Auffassung verbunden, dass wir als universitres Theater risiko- und experimentierfreudig sein sollten, denn die Zeit an der Universitt ist immer eine Zeit des Ausprobierens, des Wege-Suchens und -Findens.

cw: Die Theaterarbeit in Kln und an der Studiobhne ist ja in gewisser Weise ihr Lebenswerk. Wenn man ein Theater nach fast 40 Jahren verlsst, welche Gefhle entstehen da?

Franke: Ich habe mich natrlich mental darauf vorbereitet, insofern man das kann. Mir ist immer klar gewesen diese Erfahrung habe ich in vielen Bereichen gemacht dass jeder ersetzbar ist. Deshalb denke ich mir, andere werden diese Arbeit fortfhren und ich bin gespannt, wie das wird. Es hat auch etwas mit dem Spruch zu tun Man soll gehen, wenns am Schnsten ist. Wenn man sich das leisten kann, ist das ein sehr schnes Gefhl.

cw: Was haben Sie in der Zeit an der Studiobhne gelernt?

Franke: Ich glaube, dass es ganz wichtig ist, sich selbst zurcknehmen zu knnen und anderen dabei zu helfen, ihre Kreativitt zu leben. Das klingt vielleicht ein wenig seltsam, aber ich habe mich vor circa zwanzig Jahren bewusst dafr entschieden, nicht mehr selbst zu inszenieren, sondern nur noch zu produzieren und konnte so vielen kreativen Projekten Steine aus dem Weg rumen. Das habe ich als eine ebenso sehr wichtige Aufgabe empfunden.

cw: Herr Franke, vielen Dank fr das Gesprch.

Weitere Infos zur Studiobhne und ihrem Angebot findet ihr unter www.studiobhne-kln.de

Artikel drucken