So voll habe ich die Aula noch nie gesehen! Der Veranstalter des Abends war sichtbar berwltigt. Und tatschlich: Die Aula des Hauptgebudes der Uni Kln war am vergangenen Montag um 20 Uhr bis auf den letzten Platz belegt. Ein Groteil der Zuhrer wurde sicher durch den bekannten Namen des heutigen Gastredners angelockt, denn Richard David Precht, Posterboy des Feuilleton und Autor von Wer bin ich und wenn ja wie viele?, Lenin kam nur bis Ldenscheid und aktuell Liebe: Ein unordentliches Gefhl dozierte zu dem Thema Darwin und die Psychologie. Precht selbst hat in Kln Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte studiert, kannte die Aula also noch aus frheren Zeiten.

Nach einer kurzen Lobeshymne auf Herrn Precht, der es laut Veranstalter wie kein anderer schaffe, Lernen und Genieen zu kombinieren, betrat dieser im legeren Anzug und schwarzen Hemd die Bhne. Ein Tisch, ein Glas Wasser: Mehr brauchte er nicht.

Das Thema wurde von Precht auf die Moral und die Liebe eingegrenzt und von der Frage gefhrt: Wie viel animalisches Erbe steckt eigentlich noch in der Psychologie des Menschen? Beeindruckend wie Precht fast 2 Stunden frei dozierte und die Zuhrer fr ein doch recht komplexes Thema begeistern konnte. Er konfrontierte das Publikum mit moralischen Entscheidungsfragen, griff Aspekte der Vernunft- und Ethikforschung auf, brachte Kant ins Spiel und schilderte wissenschaftliche Experimente an unseren nchsten Verwandten, den Primaten, die uns viel ber die Psychologie verraten. Das alles wurde schlssig und klar doziert und auch fr den moralphilosophischen Laien verstndlich dargebracht.

Nach der Moral leitete Precht auf die Liebe ber, ein Aspekt der seiner Meinung nach von der Philosophie vernachlssigt wird und auch in aktuellen Vorlesungsverzeichnissen kaum Bercksichtigung findet. Precht ging dabei ber die biologische Erklrung von Sex und Vermehrung hinaus. Warum ist der Mensch (zumindest meistens) treu? Welchen Sinn hat die Liebe? Schlielich ist die partnerschaftliche Liebe in der Tierwelt nicht zu finden. Sie widerspricht den Regeln der Natur sogar. Hier kamen wieder Darwin und seine Theorie ins Spiel. Die Ansicht, dass ausnahmslos alle Erscheinungsformen in der Natur durch vorteilhafte Anpassung entstanden sein sollen, teilte Precht nicht. Vielmehr glaubte er, dass sich ebenso das durchgesetzt hat, was nicht von Nachteil ist. Ein gewaltiger Unterschied, so Precht. Und genau so ist auch die Liebe zu erklren. Sie hat sich in der menschlichen Entwicklung durchgesetzt, weil sie niemanden strt. Sie ist biologisch berflssig, aber okay.

Im Anschluss an den umjubelten Vortrag, beantwortete Precht noch einige Fragen aus dem Publikum. Diese zeigten das Interesse der Zuhrer und den Diskussionsbedarf, den solche Themen wecken.

Alles in allem ein hchst spannender und informativer Abend, dargebracht von einem Mann, der es geschafft hat, verschiedene Wissenschaftsdisziplinen miteinander zu verknpfen und dabei zeigte, wie spannend Wissenschaft sein kann. Mehr davon!

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