Ein sonderbares Gewerbe, an Personen gebunden, beladen mit patriarchalischen Resten, rhrend ehrgeizig und vollkommen unkalkulierbar. Die Bezahlung ist meistens schlecht, die Renditen minimal und die Risiken mrderisch. Nein, eine positive Einstellung zum Verlagswesen kann man Hans Magnus Enzensberger nicht bescheinigen, dessen Worte ein doch recht dsteres Bild der Branche zeichnet. Und er muss es wissen, sollte er selbst als Schriftsteller doch des fteren mit dieser in Berhrung gekommen sein. Trotz der harten Worte Enzensbergers ist der Literaturverlag immer noch so etwas wie der heilige Gral des Philologen auf Jobsuche.

Aber: Das Verlagswesen steckt eindeutig in einer Persnlichkeitskrise. Filesharing und die unentgeltliche Nutzung fremden Gedankenguts im Internet sind die Hauptthemen auf den groen Branchentreffen. Ja, die Angst geht um, dass das unsichtbare Netz, das schon bald die ganze Welt berzogen haben wird, den Verlag in seiner heutigen Form beseitigen knnte. Vielfach wird darauf hingewiesen, dass in der Pirate Bay und hnlichen Pltzen des World Wide Web ein Irrglaube vorherrsche. In den Augen der Kulturindustrie bedeutet free flow of information nmlich keineswegs, dass man tatschlich nichts bezahlen muss. So kmpfen die Lobbyisten der Verlage aller Art (Literatur, Kunst, Musik oder Wissenschaft) um den Schutz ihrer offenbar ureigenen Rechte. Gerade in Deutschland ist das Verlagswesen, speziell was Bcher betrifft, besonders verwhnt. Dank der staatlich regulierten Preisbindung findet nur ein in Watte gepackter Wettbewerb statt. So ist es nicht verwunderlich, dass man allergisch reagiert, wird das ber Jahrzehnte sicher scheinende Einkommen von der digitalen Revolution gefhrdet.

Doch noch ist es nicht so weit. Die Verlage fungieren nach wie vor als Schnittstelle zwischen Schngeist und Konsum. Das macht die Arbeit dort sehr interessant, stellt aber auch eine stete Herausforderung dar. Im Clash von Kultur und konomie braucht der gute Verleger so die Binsenweisheit drei Augen: eines fr den Autor, eines fr den Leser und eines fr das Portemonnaie. In ihrer machtvollen Position wgen die Verlage ab zwischen geistigem und konomischem Kapital und treffen die Entscheidung was auf den Markt gelangt. So schaffen sie die Realitt fr Knstler und Konsument.

Die Berufsbilder im Verlag sind vielfltig. Als typisches Ziel des Germanisten gilt noch immer das Lektorat, doch diese Stellen sind rar gest und werden kaum per Ausschreibung vergeben. Ein Glck, dass das Spektrum an Mglichkeiten im Verlag wesentlich weiter reicht . Presserefernten, Verkufer, Redakteure alles Jobs, die auch mit Germanisten besetzt werden knnen wenn diese ber das Studium hinausgehende Qualifikationen aufweisen knnen. Die Branche ist zwar weitgehend sicher, dass das digitale Zeitalter nicht zum Ende des gedruckten Wortes fhren wird, dennoch wachsen mit dem Fortschritt auch die Aufgaben der Verlage und Menschen, die dort ihrer Arbeit nachgehen. Das Arbeitsfeld wir immer grer und gleichzeitig eben auch der Anteil fachfremden Wissens das ein Germanist mitbringen sollte. Auch wird der Traumjob kaum auf dem Silbertablett serviert. Es ist schwierig im Verlagsbereich seine Berufung zum Beruf zu machen ohne zu Zugestndnissen bereit zu sein. So ist es nicht unblich den Weg ber eine Assistentenstelle (frher: SekretrIn) zu nehmen um erst im Laufe der Jahre mehr Verantwortung bertragen zu bekommen.

Der Verlag als Traumziel kann also immer noch funktionieren, allerdings sind die ohnehin schon hohen Anforderungen in den letzten Jahren noch gestiegen. Dem geneigten Philologen sollte zustzlich klar sein, dass auch oder gerade in diesem Bereich der Kulturindustrie die Logik der konomie regiert und ein Job beim Verlag nicht nur aus der Beschftigung mit der Entdeckung und Verbreitung neuer Literatur besteht. Es kann ber weite Strecken ein sehr hartes Brot sein, das es zu kauen gibt. Das wissen wir dank Hans Magnus Enzensberger.

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