Rdiger Hellfritzsch arbeitet seit 34 Jahren als Requisiteur beim Schauspiel Bonn und hat in seiner Zeit dort schon viele Studenten der Germanistik kennengelernt, die voller Hoffnung auf ihren Traumjob, beispielsweise als Regisseur oder Dramaturg, als Hospitanten ans Theater kommen. In einem Interview schildert er seine Sicht auf die studentischen Berufsanfnger und ihre Chancen beim Theater:

campus-web: Herr Hellfritzsch, sie haben doch bestimmt schon einige Erfahrungen mit studentischen Hospitanten gemacht?

Rdiger Hellfritzsch: Natrlich. Beim Schauspiel Bonn sind grundstzlich viele studentische Hilfskrfte in verschiedenen Positionen ttig, neben Germanistikstudenten sind beispielsweise auch in den technischen Bereichen viele Studenten als Hospitanten im Einsatz.

campus-web: Welchen Zeitaufwand bedeutet das fr die Studenten?

Rdiger Hellfritzsch: Fr Studenten, die parallel zu ihrem Studium hier hospitieren, bedeutet das durchaus einen erheblichen Zeitaufwand, da hier der Tagesablauf recht straff organisiert ist. Morgens muss man zu den Proben erscheinen und abends zu den Auffhrungen, die schon mal bis 23.00 Uhr dauern knnen. Die Vorproduktion eines Stckes dauert in der Regel 6 bis 7 Wochen, in denen die studentischen Hospitanten besonders gefragt sind.

campus-web: Haben sie auch speziell Erfahrungen mit Germanistik-Studenten gemacht?

Rdiger Hellfritzsch: Die Germanisten, die hier hospitieren, haben ihr Studium oft bereits schon abgeschlossen und wirken auf mich grtenteils schon sehr erfahren. Die meisten Germanisten, die zu uns kommen, werden im Bereich der Dramaturgie ttig, manche hospitieren als Regieassistenten. Um Regieassistent zu werden, muss man allerdings normalerweise schon ein paar Jahre im Schauspiel-Bereich ttig sein, denn einen Hospitantenplatz in dieser Position zu ergattern ist natrlich hei begehrt. Bis man dann irgendwann, falls berhaupt, selbst ein Stck als Regisseur realisieren darf, dauert es meistens viele Jahre.

campus-web: Knnen sie studentischen Berufsanfngern irgendwelche Ratschlge geben, was sie tun knnen, um irgendwann tatschlich im Theater Fu zu fassen? Und kennen sie persnlich ehemalige Hospitanten, die das geschafft haben?

Rdiger Hellfritzsch: Man muss einfach am Ball bleiben, wobei die meisten Menschen, die Theaterluft geschnuppert haben auch gar nicht anders knnen, als ihr Leben dem Schauspiel und allem was dazu gehrt zu widmen. Das ist schon ein bisschen wie in einer Grofamilie. Ich freue mich auch immer, wenn man nach Jahren auf ein bekanntes Gesicht trifft und man feststellt, dass man die Person vor vielen Jahren als Hospitant kennen gelernt hat und diese nun einen festen Arbeitsplatz beim Schauspiel hat. Wer den Wunsch hegt, beim Schauspiel arbeiten zu knnen, sollte sich also nicht entmutigen lassen und sein Ding durchziehen.

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