Der Mann kommt vom Fach: Mag man beim Gedanken an einen Musikwissenschaftler zumeist an die recht trockene Beschftigung mit Bchern denken, liegt man damit bei Volkmar Kramarz falsch. Der ist zwar einerseits Dozent am Institut fr Musikwissenschaft an der Uni Bonn, gleichzeitig aber auch mit langjhriger Erfahrung im Radiobereich gesegnet und als Dr. Rock Musikliebhabern in ganz Deutschland bekannt.

Und so referierte er am vergangenen Mittwoch fr campus-web ber die Geschichte des Radios, speziell der Formate fr Jugendliche und ber jngste Entwicklungen dieses Mediums, dass so prsent ist wie wohl kaum ein anderes in unserer Kultur. Das Radio luft berall, im Aufzug, im Supermarkt, beim Kochen, beim Lernen. Mittlerweile zum grten Teil mit einem Vollprogramm aus aktueller Popmusik. Das war nicht immer so.

Im Gegenteil, zu Beginn war das Radio ein Propaganda- und Informationsmedium ber den Volksempfnger lie sich schwerlich Musik hren, zumal keine, die den geltenden Sittenvorstellungen so entgegenlief wie moderne Jazzmusik. Erst in den 50er Jahren, mit Elvis und Chuck Berry, wurde Popmusik so etwas wie ein kommerzieller Faktor, eine Jugendkultur wurde offenbar. Dennoch strubten sich die Intendanten der ffentlich-rechtlichen Sender vehement dagegen, diese Musik zu spielen und lieen sie nur zgerlich ins Programm.

In der Folgezeit trat die Popmusik ihren Siegeszug durch die Gesellschaft und natrlich auch durch das Radio an. In den Achtzigern wurden die Programmschemata von Grund auf reformiert, die Zielgruppen analysiert und die Arbeitsmethoden der Redaktionen berarbeitet.

Die Zukunft des Radios dreht sich vor allem darum, die Ultrakurzwelle durch digitale Techniken abzulsen und somit ein greres Frequenzspektrum und damit mehr Sender zu ermglichen. Das kann einerseits ber das Internet funktionieren, andererseits ber DAB (Digital Audio Broadcasting), einen EU-Standard fr digitale Radiobertragung.

Wer sich eine berufliche Zukunft im Radio vorstellen kann, so Kramarz, soll vor allem Kontakte knpfen. Denn um in die kleinen Redaktionsteams zu kommen bedarf es vor allem eines groen Netzwerks, Qualitt wird ohnehin vorausgesetzt. Und dass Praxiserfahrungen im Journalismusbereich, sei es bei campus-web oder studentischem Radio, nicht schaden knnen, sollte ja selbstverstndlich sein.

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