Die gngige Meinung ber die Zukunft nach dem Germanistikstudium sieht eher trist als rosig aus: Mit Germanistik kann der Akademiker fast alles machen, aber nichts richtig. Dass das nicht so ganz stimmt, werden nicht nur die Betroffenen wissen: Fast alles ist natrlich stark bertrieben! Trotzdem gibt es Berufsfelder wie den Journalismus, in dem Germanisten gern genommen werden, schlielich sind ja schon gewisse Vorkenntnisse ber Wort und Sprache da. Das kann fr die Arbeit bei Zeitungen und anderen Medien ja bekanntlich nicht schaden. Um RedakteurIn in einem ffentlichen Medium zu werden, ist aber mehr vonnten, als das stinknormale Studium.

Volontariat heit hier das Zauberwort, um das gekmpft wird. Volontre sind im Journalismus sozusagen Redakteure in Ausbildung. Diese Ausbildung dauert normalerweise zwei Jahre, kann aber verkrzt werden, wenn der Volontr studiert hat. Redakteure sind also ausgebildete Journalisten, die sich um feste Anstellungen bei Medien bemhen knnen und aufgrund ihrer Qualifikation auch Anspruch auf mehr Gehalt haben. Campus-Web sprach mit der Volontrin Teresa Claussen ber ihr Studium, den Arbeitsalltag als Volontrin und das Bernsteinzimmer.

CW: Wo hast Du denn Germanistik studiert und wusstest Du whrend Deines Studiums schon, was Du gern damit machen mchtest?

Teresa: Ich habe Komparatistik (allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften, aber das ist ja so hnlich) in Bochum studiert. Vorher hatte ich Kunst in Maastricht studiert, aber als ich mich fr Komparatistik entschieden hatte, wusste ich schon, dass ich gerne in den Journalismus wrde.

CW: Was war das Thema Deiner Abschlussarbeit und warum hast du es gewhlt? Vielleicht mit Blick auf die Zukunft?

Teresa: Eleanor Roosevelt und Jackie Kennedy war das Thema meiner Bachelor-Arbeit. Mit Zukunft hatte das nichts zu tun, reines Interesse. Einen Master habe ich bis jetzt auch noch nicht gemacht.

CW: Was war, im Nachhinein gesehen das berflssigste Seminar das Du besuchen musstest?

Teresa: Das ist schwer. Aber was wirklich bld war: Ich musste fr Komparatistik mein Latinum nachholen. Im Nachhinein hat das berhaupt nichts fr das Studium gebracht. Auerdem waren die beiden Lehrerinnen die Hlle. Ich nenne keine Namen, die wissen schon, dass sie gemeint sind.

CW: Hast Du whrend Deines Studiums schon Praktika absolviert oder journalistisch gearbeitet? Wenn ja, welche, wie lange und in welcher Form?

Teresa: Ich habe in den Semesterferien immer Praktika gemacht. Bei der Bild, bei den Lbeck Nachrichten und einer freien Fernsehproduktionsfirma. Das ging immer mindestens zwei Monate, teilweise auch lnger.

CW: Wie bist Du an Deine jetzige Stelle als Volontrin gekommen?

Teresa: Ich habe mich in ganz Deutschland beworben. Bei den Lbecker Nachrichten hatte ich durch mein Praktikum Glck, dass ich Leute kannte, die ich persnlich ansprechen konnte. Trotzdem habe ich auch dort ganz normal meine Bewerbungsmappe eingeschickt. Ich habe nach dem Studium in einer Bar gearbeitet und viele Absagen bekommen. Das war ziemlich ernchternd. Die erste Stelle, die ich dann bekommen habe, war ein PR-Volontariat in Frankfurt. Das habe ich auch ein Jahr gemacht. Ich bin jetzt PR-Assistentin. Die Lbecker Nachrichten haben mich whrend des PR-Volontariats zum Vorstellungsgesprch eingeladen. Ich habe mich natrlich wahnsinnig gefreut.

CW: Wie viele Bewerbungen hast Du abgeschickt?

Teresa: Das wei ich gar nicht mehr so genau. Irgendwann habe ich aufgehrt zu zhlen. Bestimmt 50 oder mehr.

CW: Was macht den Job einer Volontrin genau?

Teresa: Das ist eine gute Frage. Eigentlich mache ich mittlerweile den Job eines Redakteurs, nur schlechter bezahlt. Nein im Ernst: Zeitung, und alles was dazu gehrt. Wir wechseln normalerweise alle drei Monate das Ressort. Damit wir viel kennen lernen. Dazu gehren am Anfang natrlich auch die Lokal-Redaktionen. Als Volontrin wird man aber auch gerne zum Mdchen fr alles, damit meine ich nicht, dass du Kaffee kochen musst, sondern einfach jeden Termin machen. Und da kann ein Tag manchmal ganz schn lang werden. Wenn du morgens um 9 Uhr mit einer Strandgeschichte anfngst, in die Redaktion kommst, schreibst, und pltzlich noch zwei andere Geschichten von die fertig sein mssen, weil sie gerade heute ins Blatt sollen, oder einfach noch etwas passiert, zum Beispiel die Mllkippe brennt und Abends musst du noch zur Theaterpremiere, die bis 24 Uhr geht.

CW: Wie gro ist die Redaktion der Lbecker Nachrichten?

Teresa: Bei den Lbecker Nachrichten arbeiten rund 70 Redakteure, 267.000 Menschen lesen die Zeitung tglich. Auerdem haben die LN acht Lokal-Ausgaben.

CW: Hast Du Dich bewusst fr ein Printmedium beworben oder auch in anderen journalistischen Bereichen (TV, Radio, Online)?

Teresa: Ich wollte schon zu einer Tageszeitung, dass wusste ich. Deshalb habe ich mich auch nur auf diese Volontariate beworben.

CW: Wie sieht die Zukunftsperspektive aus? Hat man die Aussicht, danach als RedakteurIn bernommen zu werden?

Teresa: Die Zukunft sieht momentan alles andere als rosig aus, weil viele Tageszeitungen mit sinkenden Auflagen zu kmpfen haben. Die meisten werden deshalb als Pauschalisten eingestellt. Das heit, sie sind feste Freie, arbeiten genau wie ein Redakteur, haben aber keine Sozialleistungen, sprich mssen sich selbst versichern usw. Meistens verdienen sie auch noch weniger. Es gibt aber durchaus auch noch Redakteurs-Vertrge.

CW: Hast Du einen persnlichen Bezug zu Lbeck oder bist Du nur wegen der Stelle dort hingezogen?

Teresa: Ich bin tatschlich in Lbeck zur Schule gegangen. Aber das hatte mit dem Job nichts zu tun. Ich wre fr das Volontariat berall hingezogen.

CW: Was wre Dein journalistischer Traumjob?

Teresa: Super wre es, mal einen Aufmacher fr National Geographic, oder den Spiegel zu schreiben. So eine richtig tolle Sensationsstory, aber das bleibt wohl eher ein Traum. Mal sehen, vielleicht finde ich ja irgendwann das Bernsteinzimmer.

CW: Was wrdest Du Studenten raten und wie wichtig schtzt du Praktika ein?

Teresa: Praktika sind wichtig whrend des Studiums, um zu sehen, ob es wirklich dein Job ist. Du musst neugierig sein, auf Leute zu gehen und natrlich schreiben knnen. Manche Menschen haben eine etwas merkwrdige Vorstellung von dem Job. Es ist nicht so, wie bei Gute Zeiten, Schlechte Zeiten, wo man mal zwischendurch ein bisschen recherchieren geht. Es ist harte Arbeit. Wenn Du Deinen Abschluss hast und nichts findest, ist es natrlich auch sinnvoll die Zeit zu nutzen. Ich finde nur man sollte vorsichtig sein und sich nicht unter Wert verkaufen, sonst landest Du ganz schnell in der Praktikumsfalle und trittst auf der Stelle. Und ich finde, man sollte auch eine gewisse Bezahlung verlangen drfen.

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