Mit dem Moped durch die Stadt rasen, Kamera und Schreibblock immer im Anschlag, immer an vorderster Front, immer auf Achse. Karla Kolumna ist die rasende Reporterin, und diejenige, die im Benjamin Blmchen-Universum schon so oft als gute Instanz ber den korrupten Brgermeister gesiegt hat. Der nmlich hat mehr als nur Respekt vor der Presse, die knnte ja der ffentlichkeit Dinge verraten, die lieber nicht bekannt werden sollten. Neugierig und immer auf der Jagd nach einer guten Schlagzeile, so flitzt sie durch die Welt und macht diese durch flinke und spitze Feder ein Stck weit besser. Und ist damit hchstwahrscheinlich mitverantwortlich fr das verklrte Bild vom Traumberuf Journalist/in. Soviel zur Fiktion frs Kinderzimmer, aber wie sieht es in echt aus?

Dass die Zeiten fr Journalisten hart sind, hat sich inzwischen ja herumgesprochen. An Glanz scheint das Berufsbild aber dennoch nicht verloren zu haben. Nicht wenige der ambitionierten Studienabsolventen lassen sich durch schlechte Zukunftsprognosen nicht abschrecken und nehmen schlecht oder sogar ganz unbezahlte Praktika in Kauf, um in dem Bereich Fu zu fassen. Dass nicht jeder ein Gnter Wallraff sein oder von Geo fr Reisereportagen auf den Fidschi-Inseln bezahlt werden kann, wird dabei gerne mal vergessen. Der Alltag in den Redaktionen sieht sehr viel trockener aus, als manch einer das gerne htte.

Morgens zum Frhstck Nachrichten aus dem Radio, im Zug dann die Zeitung, im Caf noch schnell eine Choices oder die Intro eingesteckt, nachmittags im Fernsehen je nach Gusto die Tier-Doku oder eine der unzhligen Reality-Shows. Wir sind umzingelt von Meldungen, Berichten, Kommentaren und Bildern, aber das was mal eben so im Vorbeifliegen wahrgenommen wird, ist das Endergebnis von jeder Menge Arbeit. Wie viel Zeit und Aufwand tatschlich dahinter steckt, fhrt man sich dabei selten vor Augen.

Bevor eine Reportage fertig ist, muss recherchiert werden, was wohl den grten und trockensten Teil der journalistischen Arbeit ausmacht. O-Tne werden gesammelt, ein Konzept entworfen und dann schlielich je nach Medium in die entsprechende Form gebracht. Die freilich ist genauso vielfltig wie die Themengebiete und die Arbeit in Fernsehredaktionen nur schwer zu vergleichen mit der beim Radio, der Tageszeitung, dem Fachblatt, der Boulevard-Gazette oder dem Online-Magazin.

Da stellt sich natrlich die Frage, wo man am besten aufgehoben ist. Wichtig ist selbstverstndlich die Entscheidung, in welchem Bereich man arbeiten mchte. Jeder noch so gute Foto-Journalist wird beim Radio schlecht Fu fassen knnen und mit einer Abneigung gegen Lifestyle-Themen ist man in der Redaktion von Amica, Max und Co. sicherlich an der falschen Adresse. Wo liegen die eigenen Strken, in welchem Bereich kennt man sich gut aus, fhlt man sich zu lokalen Themen hingezogen, ist man ein Experte in Kunst&Kultur oder soll es doch internationale Politik sein? Auch wenn Bewerbungen nach dem Studium oft in alle Richtungen verschickt werden und man in der Regel als Volontr/in alle Teilredaktionen wie Sport, Politik, Lokal oder Kultur kennen lernen wird, kann es nicht schaden, sich ber die eigenen Steckenpferde im Klaren zu sein.

Wenn man diese erste Frage beantwortet hat, stellt sich gleich die Nchste: wo schicke ich meine Bewerbungen hin? Jobs im Journalismus wachsen nicht auf Bumen und der Konkurrenzkampf ist riesig. Der gngigste Weg ist der ber ein Praktikum und/oder Volontariat bei einer Zeitung, beim Radio oder einer Fernsehredaktion, wobei bei der Bewerbung erste journalistische Erfahrungen wie bereits whrend der Studienzeit absolvierte Praktika oder die freiwillige Mitarbeit in Universittsangeboten im Bereich Medien nur von Vorteil sind.

Viele Journalisten whlen zu Beginn der Karriere die Freiberuflichkeit. Als freier Journalist ist dann erst Recht Allround-Talent gefordert, denn an der klassischen journalistischen Arbeit hngt dann noch ein Rattenschwanz anderer Aufgaben, die zu meistern sind. Die Freiberuflichkeit ist mit einer Menge Brokratie und Organisation verbunden, und ein gewisses Ma an kaufmnnischem Know-how ist genauso Voraussetzung. Neben der eigentlichen Arbeit des Schreibens gilt es nmlich, sich um Auftrge zu kmmern und sich einen Namen zu machen, um sich als regelmiger Schreiber zu etablieren. Und dass bei einer Bezahlung, die in der Regel nach Zeile abgerechnet wird, nicht mal eben ein Haufen Geld verdient wird, darf auch nicht vergessen werden.

Wie der Alltag einer Volontrin aussehen kann, erfahrt ihr nchste Woche in unserem Interview mit einer ehemaligen Germanistik/Komparatistik-Studentin, die gerade ihr Volontariat bei den Lbecker Nachrichten absolviert.

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